Aufbruchstimmung bei den Weißen Vätern
Zurückblickend stelle ich fest, dass in den 1960er Jahren eine gewisse Aufbruchstimmung bei den
Weißen Vätern (in Deutschland) herrschte: Die Spenden für die Mission sprudelten, viele Pfarrer
unterstützen die weißen Patres; Missionsarbeit galt als besondere Aufgabe der Kirche, zumal sich
kirchliches Leben in Deutschland nach den Entbehrungen der Nachkriegszeit gefestigt hatte. Die
Missionsschulen, Missionshäuser der Weißen Väter für Schüler waren gut belegt. Viele junge Menschen
entschieden sich für ein Leben als Missionar. In dieser Zeit entstand eine Werbeschrift der Weißen
Väter mit dem Titel Die Weißen Väter Missionare von Afrika. Leider wird keine Erscheinungsjahr und
auch kein Verfasser in dem etwa DIN-A-6großen, 80seitigen Bändchen genannt; herausgegeben wurde es
vom Provinzialat der Weißen Väter, Frankfurt am Main, mit kirchlicher Druckerlaubnis bei der
Buchdruckerei St. Elser, Haigerloch (Hohenzollern) gedruckt. Bei der Lektüre des Heftes begegnet dem
Leser der Stil von P. Gypkens, der zu dieser Zeit ja Provinzial
gewesen ist und auch immer wieder neue Ideen eingebracht hat.
Auf der ersten Seite des Heftes fällt dem Betrachter unvermittelt der Erdteil Afrika ins Auge und es
wird der Kolonialismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts angeprangert; schließlich wird darauf
verwiesen, dass die Weißen Väter die ersten innerafrikanischen Missionare waren und mit klaren
Zielvorstellungen, i.e. Missionierung, in den schwarzen Kontinent gekommen sind. Wenn von der Mauer
im Text die Rede ist, dürfte dies ein Hinweis auf den Mauerbau zwischen Deutschland Ost und West
sein, der am 13. August 1961 stattgefunden hat.
Bemerkenswert ist das letzte Kapitel dieses Büchleins; es sagt etwas über den Werdegang zum Weißen Väter und die spätere Tätigkeit dieser Missionare aus. Vielleicht ganz interessant, weil uns diese Zielsetzungen damals auch – wenigstens zeitweise – fasziniert haben.
Dr. Hajo Stenger


