Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Klassentreffen im Jahr 53 danach

von Hajo Stenger

Warum trifft man sich eigentlich mit Leuten, mit denen man über 10 Jahre gemeinsam Freud und Leid und noch mehr geteilt hat? Dieses prinzipielle gemeinsame Erleben trifft im Grunde auf jeden zu, der im Übergang von Kindsein zum Erwachsenwerden zur Schule gegangen ist. Oft verwischen sich die Bilder aus dieser Zeit im weiteren Leben; da entstehen andere Schwerpunkte, andere Partnerschaften … Und wir, die wir noch viel enger aneinander gebunden waren, die wir von morgens bis abends miteinander gelebt haben, aber eigentlich keine Freunde sein sollten bzw. durften, die wir möglichst wenig Emotionen zeigen durften, haben wir die gemeinsame Schul- und Internatszeit abgehakt?

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Abb. 1:Die Schwarzwälder Kirschtorte hatten Irmgard und Franz aus Emmendingen mitgebracht
Was ist geblieben aus diesen etwa 10 gemeinsamen Jahren? Erinnerungen? In unser Bewusstsein eingravierte Spuren? Lohnt es sich eigentlich, eine Bilanz zu ziehen? Fragen und nochmals Fragen, auf die es eigentlich keine zufriedenstellenden Antworten geben kann. Und wenn Antworten, dann sind die so verschieden und unterschiedlich wie die Menschen selbst, die sie sich stellen. Und mit Recht dürfte keine Instanz der Welt es wagen, die Antworten zu werten… Eigentlich wollte ich ja bloß über unser Klassentreffen am vergangenen Wochenende berichten, aber man kommt doch gewollt oder ungewollt ins Sinnieren. Als wir, die Abiklasse von 1964, uns 2016 in Erlaheim in der Nähe von Haigerloch, wo einige von uns die Unterstufe im Missionshaus der Weißen Väter besucht hatten, zum zweiten Mal trafen, kam der Wunsch auf, doch auch Großkrotzenburg bei Hanau am Main aufzusuchen, wo wir – inzwischen war unsere Klasse von 35 auf 13 geschrumpft - damals nach 5 Jahren Oberstufe das Abitur erfolgreich abgelegt hatten. Das Haus, die Kreuzburg, ist inzwischen nicht mehr in der Hand der Weißen Väter, sodass ein Besuch ebenda wohl etwas schwieriger wird. Nicht nur das ehemalige Missionshaus hat sich gewaltig verändert, sondern auch die Umgebung des Ortes hat sein Gesicht völlig gewandelt. Das fast verschlafene Örtchen am Main mit z.T. dörflichen Strukturen hat heute vorstädtischen Charakter. Wo früher die verrauchte Bahnhofskneipe war, ist jetzt ein Tätowierstudio und die alte Kreuzburg ist jetzt Teil eines modernen Schulkomplexes. Die Weißen Väter haben vor fast 50 Jahren den Ort verlassen und an die Franziskaner verkauft. Aber berichten wir mal der Reihe nach.

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Abb.: 2 Weinprobe im Weingut Bernhart: Beatrix Schäfer und Albert Schrenk

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Abb.: 3 Irmgard prüft den Wein mit Kennerblick, links Brigitte, Albert und Beatrix

Als Treffpunkt war vereinbart: am Freitag, 6.10.2017, um 16 Uhr bei Hajo in Stadecken-Elsheim. Und um diese Zeit trafen sie auch bei Hajo ein: Irmgard und Franz Scholz, Beatrix und Rudi Schäfer, Maria und Franz Hohmann; Brigitte und Gustel Teichmann zusammen mit P. Albert Schrenk stecken irgendwo auf der Autobahn fest, sodass wir die von den Scholzes aus dem Schwarzwald mitgebrachte echte Schwarzwälder Kirschtorte sowie Stengers Apfelblechkuchen schon einmal angeschnitten und verkostet haben. Gaby und Günther Mayer mussten am Morgen kurzfristig absagen, da die Sturmschäden der vergangenen Tage ihr restauriertes Haus in Mitleidenschaft gezogen hatten.

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Abb.: 4 Beim leckeren Abendessen in der Gutsschänke Mengel-Eppelmann, vlnr. Franz, Maria, Mechthild, Rudi, Beatrix, Irmgard, Hajo, Albert, Franz, Brigitte und Gustl

Nach dem Kaffee ging’s gleich zu Hajos Orgel im Musikzimmer, wo Mechthild und Hajo in die Tasten griffen und die von Hajo selbstgebaute, große Orgel erklingen ließen. Und mittendrin erschienen die bislang noch fehlenden drei aus dem Schwabenland. Damit war es auch schon Zeit zum Aufbruch. Wie es sich im größten Deutschen Weinanbaugebiet gehört, folgte nun eine Weinprobe in einem der besten Weingüter vor Ort: Weingut Bernhart in Elsheim. Die berede Juniorchefin Stefanie Bernhart kredenzten uns edle Köstlichkeiten und schilderte jeweils dazu wichtige Hintergrundinformationen. Stundenlang hätten wir in der gemütlichen Probierstube sitzen können, jedoch das Programm sah einen nächsten Tagesordnungspunkt vor. In der Gutschänke Mengel-Eppelmann war ein Tisch für das Abendessen reserviert, also folgte ein kurzer Fußmarsch dorthin. Und alle waren höchst überrascht über die schnelle Bedienung, die herzliche Atmosphäre, die schmackhaften Köstlichkeiten, die in Riesenportionen serviert wurden und die ausgesprochen günstigen Preise. Dass dazu ebenfalls verschiedene Weine goutiert wurden, versteht sich.

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Abb.: 5 Die St. Walburgakirche während eines Gottesdienstes


Die Zeit flog dahin, dennoch konnten wir hier nicht alt werden, denn ein weiterer Programmpunkt sollte noch abgearbeitet werden: die Besichtigung der Walburgakirche im Herzen von Elsheim. Hajo hatte dieses 1747-1751 erbaute Kirchlein, damals als stellvertretender Vorsitzender der Verwaltungsrates maßgeblich in den 90er Jahren restaurieren lassen und aus dem etwas vergammelten und fast entleerten Gotteshaus ein wahres barockes Schmuckkästchen entstehen lassen. Deswegen kennt Hajo wie kein anderer dieses Gotteshaus. Kirchenführungen mit ihm dauern in der Regel 2 bis 3 Stunden.
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Abb. 8:Das Wilgefortiskreuz ist wohl das älteste Kunstwerk der Kirche; die dahinter stehende Geschichte ist höchst spannend
Nun aber war es schon recht spät, daher konnten nur einige Besonderheiten des Kircheninnenraumes verkürzt angesprochen werden. Und damit es den Leuten nicht langweilig wird, oder sie gar vor Müdigkeit einschliefen, setzte sich Mechthild auf den Orgelbock der im Jahr 2000 auf Initiative von Hajo restaurierten Engers-Schlaad-Orgel von 1844 und spielte zwischendurch einige Kirchenlieder zum Mitsingen. Nicht alles, aber vieles konnte nur kurz angesprochen werden: St. Walburga Altarbild, Ursulastatue mit geschichtlichem Hintergrund, St. Nikolaus- St. Mauritius-, Marien-, Anna-Maria-Kostümfigur und natürlich die große Besonderheit der Kirche, eine Wilgefortisdarstellung. Hier war es zunächst einmal notwendig den breiten geschichtlichen Hintergrund aufzuhellen. Dies fanden alle höchst spannend, zumal der erst 1974 erloschene Wilgefortiskult niemandem bekannt war. Viel wäre noch zu diesem kleinen, von außen eher unscheinbaren Gotteshaus zu sagen gewesen, auch musste der Besuch der frühmittelalterlichen Krypta aus Zeitgründen ausfallen. Noch ein kleiner, ca. 1 km-langer Fußmarsch in das Gästehaus im Ortsteil Stadecken musste noch zu später Stunde absolviert werden. Am nächsten Morgen sollte der Tag schon früh beginnen; außerdem mussten Maria und Franz zu einer Goldenen Hochzeitsfeier schon im Morgengrauen aufbrechen. Bei Stengers gab es dann um 8 Uhr Kaffee und gut gestärkt startete man dann gleich in Richtung Großkrotzenburg, der Stätte, wo wir die Zeit von Obertertia bis zum Abitur verbracht hatten. Das war das eigentliche Ziel und zugleich der Höhepunkt des Treffens. Das Abitur 1964 war eine der letzten Reifeprüfungen in diesem Missionshaus der Weißen Väter, unweit des Kahler Sees, denn letztendlich wurde das Haus mit weitläufigen Anlagen und Wald an die Franziskaner verkauft. Hierfür gab es zwei wichtige Gründe: Einmal waren die Schülerzahlen stark zurückgegangen, zum anderen steckte die deutsche Provinz der Weißen Väter auf Grund des von Gypkens herbeigeführten Sono-Viso-Desasters in einer schweren finanziellen Klemme.

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Abb.: 9 Der heutige Eingang zur Kreuzburg

Gerade als wir vor der Pforte der Kreuzburg vorfuhren, kam P. Hadrian Koch OFM, mit dem Hajo alles vorbereitet hatte, aus der Pforte, um uns zu empfangen. Schon auf der Fahrt hatten wir bemerkt, dass sich die ganze Umgegend radikal verändert hatte. Das große, voluminöse Kohlekraftwerk Staudinger am Ortsausgang des ehemaligen Dörfchens Großkrotzenburg beherrscht nun die Region. Und die Bahnschranke vor der Kreuzburg ist umgebaut, sodass man nur über eine Brücke südlich des Ortes die Schule erreichen kann. Der Weg führt an der alte Villa Winnen vorbei. Hier wohnte vor gut 50 Jahren eine ausgesprochen hübsche Maid, die so manchem Zögling des Missionshauses den Kopf verdreht hatte.

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Abb.: 10 Die Kreuzburg heute; die Kapelle sieht äußerlich wie früher aus; auffallend sind die neuen, wenig zum Stil passenden Fenster des früheren Schul- und Schlafraumgebäudes links


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Abb.: 11 Die Kreuzburg in den 50er Jahren; die Kapelle ist noch nicht erweitert.

P. Hadrian begrüßte uns herzlich und führt uns durch den unteren Gang, in dem früher der Direktor, P. Hirt bzw. P. Jetter residiert hatte, sogleich zur Kapelle. Dabei fielen die Rundungen an den Wanddurchbrüchen für die Türen auf; eine Erinnerung an den liberalisierten Bauhausstil, der vom damaligen Architekt Martin Weber aus Frankfurt 1928 hier verwirklicht wurde. Die dazugehörigen liegenden Rechtecke der Fenster sind heute fast überall verschwunden, weil in den 70er Jahren wärmedämmende Fenster eingebaut worden sind. Das zentrale Treppenhaus von früher ist in der äußeren Form und in einigen Elementen noch erhalten. Die nackten Betontreppen sind unter hellbraunen, benoppten PVC-Auflagen verschwunden, während das typische Geländer sich noch erhalten hat. Alle Türen haben moderne Formen erhalten. Schade eigentlich, dass das Bautypische nahezu ganz verschwunden ist; hier wäre Denkmalpflege angebracht gewesen.



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Abb.: 16 Die Altkreuzburgianer nach dem Gottesdienst; vlnr. Beatrix Schäfer, Rudi Schäfer, Hajo Stenger, Albert Schrenk, Brigitte Teichmann, Gustl Teichmann, Franz Scholz, Irmgard Scholz

Auch in der Kapelle hat es bauliche Veränderungen gegeben. Die Rundbogen-Mauer-Durchbrüche, die einst zu den kleinen Kapellchen mit Zelebrationsaltären führten, sind durch Glastüren geschlossen. Die Altarrückwand ist mit roten Klinkern gestaltet. Die Kreuzigungsgruppe hängt nun ohne Kreuzesbalken an der Wand. Auf der Empore über der Sakristei steht heutzutage ein zweimanualiges Orgelwerk, das man als Gebrauchtinstrument erworben hatte. Der Altarraum ist offen und recht weiträumig. Rechts steht eine moderne Tabernakelstehle. Die frühere schmiedeeiserne Kommunionbank ist verschwunden, sodass der Chorraum zum Volk hin ganz offen ist. P. Hadrian hatte im hinteren Chorraum für uns eine Stuhlreihe aufgestellt und Albert zelebrierte eine besondere Messe, während P. Hadrian als Messdiener assistierte. Albert ist es wohl gelungen, für uns den Bogen von unserer damaligen Schulzeit zum Heute zu schlagen. Dabei wurde auch besonders unserer inzwischen verstorbenen Mitschüler gedacht: Hubert Bonke, Franz-Josef Eulenbach, Heinrich Parusel und Theo Stüer. Gesungen wurde einer alten Tradition folgend natürlich gregorianischer Choral: VIII. Messe und III. Credo. Sieht man einmal von ein paar wenigen Holprigkeiten ab, war der Gesang doch wohltuend und wohlgelungen. Und als am Ende das salve regina erschallte, wussten wir, dass vieles von früher sich tief in unser Herz eingegraben hatte. Anschließend führte uns P. Hadrian fast zwei Stunden durch die neue Kreuzburg: Schulräume auf neustem Stand, geniale, große Aula, Fachräume, Schülerbibliothek, Arbeitsräume … alles vom Feinsten.

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Abb.: 17 Die Gründungsurkunde von 1928 hängt heute im Gang vor dem Speisesaal

Wir kamen nicht mehr aus dem Staunen heraus, was doch da geworden ist: eine höchst moderne Schule, alles äußerst sauber und ordentlich, einfach vorbildlich; gar nicht zu vergleichen mit dem, was wir vor einem halben Jahrhundert dort erlebt hatten. Hier zeigen sich die Vorteile einer Privatschule. Das Schulgeld von 120 € pro Schüler monatlich wird wirklich zum Wohl der Eleven eingesetzt. Und die Schule kann sich vor Interessenten nicht retten. So gibt es 500 Aufnahmebewerber jedes Jahr, von denen nur die Hälfte ihre schulische Ausbildung dort beginnen können. Dass hier Disziplin herrscht, ist klar, denn wer hier negativ in Erscheinung tritt, muss die Schule verlassen. Manche Schüler kommen von weit her, so aus der Gegend von Büdingen, etwa 40 km Anreise. Dies zeigt, dass viele Eltern, die alle zuvor einen Informationskurs besuchen müssen, bevor ihre Kinder aufgenommen werden, bereit sind, für die gute Ausbildung ihrer Zöglinge etwas zu tun. Dass an dieser Schule Disziplinprobleme quasi nicht auftauchen, versteht sich. Ein längeres pädagogisches Gespräch mit P. Hadrian wäre sicher sehr interessant geworden, war aber auf Grund der Umstände nicht machbar.
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Abb.: 18 Hier war früher unsere Aula; der hintere Teil wurde auch als Sporthalle genutzt; heute befindet sich hier die Schülerbibliothek und der Lesesaal für die Schüler

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Abb. 19:Die Aula in den letzten Jahren der Weißen Väter; hier stapelten sich die Sono-Viso-Geräte bis zur Decke; links P. Engelbert
Alle waren höchst begeistert von der Schule und auch von der sehr engagierten Führung durch die Anlage. Aber der Zeitplan zwang dann doch zu einem pünktlichen Aufbruch in Richtung Wasserlos. Hier war in einer erstklassischen Pizzeria das Mittagessen bestellt. Wasserlos war ausgewählt worden, weil in diesem Ort damals unser Abiturkommerz stattgefunden hat. Diese Abschlussfete ist aber buchstäblich 1964 in Wasser gefallen; viele waren irgendwie verärgert und frustriert über die Prüfungsergebnisse und Notenabschlüsse; niemand war damals bereit, sich einzubringen und für Unterhaltung zu sorgen. So beschränkte man sich aufs Essen und trank einige Bierchen. Auch dieser Ort hatte sich zwischenzeitlich komplett gewandelt. Unser altes Lokal war nicht mehr aufzufinden, zumal keiner mehr irgendwelche konkreten Erinnerungen hatte. Wenn ich bedenke, dass wir damals zu Fuß von der Kreuzburg hierher gekommen sind und wieder den gleichen mindestens einstündigen Weg zurücklegen mussten, überkommt mich heute ein Staunen über unsere damalige Kondition.

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Abb.: 20 Abschied von P. Hadrian Koch OFM

Jetzt führt der Weg wieder zurück nach Mainz. Nach unkomplizierter Autofahrt über die Autobahn vorbei am Frankfurter Flughafen gelangten wir in die Rheinland-Pfälzische Hauptstadt. Das Parkhaus am Rhein gegenüber dem kurfürstlichen Schloss hatte genügend freie Plätze und war für unseren Stadtbummel gut geeignet. Schnell war die barocke Peterskirche erreicht, wo gerade eine Hochzeit stattfand. Alle staunten über diese barocke Pracht des nach dem Krieg wieder aufgebauten Gotteshauses; einige meinten sogar, dies hier sei ein prächtigeres Gebäude als die berühmte Wieskirche. Weiter ging es durch die Stadt zum Dom. Hajo gab in der Kathedrale einige kunsthistorische Erklärungen, was ihm den Ärger des grimmigen Küsters einbrachte, der zweimal darauf hinwies, dass Führungen samstags im Dom nicht erlaubt seien. Dennoch konnten alle wichtigen Punkte in dem romanischen Gotteshaus angegangen werden: Ostkrypta, Kreuzgang, Bischofsgräber u.a.m. Anschließend begann der Aufstieg zu St. Stephan. Es war noch hell, sodass die Chagallfenster noch genügend Licht in den Innenraum werfen konnten. Da der Organist gerade auf der kürzlich neu errichteten Klais-Orgel übte, wurde eine Ruhepause in den Bänken zu einer echten Meditation. Der Blick in den Kreuzgang war durch eine dort feiernde Hochzeitsgesellschaft etwas gestört. Der bedeckte Himmel ließ die Stadt schon am Spätnachmittag langsam verdunkeln und festen Schrittes ging es über den Schillerplatz mit seinem Fastnachtsbrunnen zur Römerpassage. Vorbei an den unterirdischen Ausgrabungen waren wir wieder schnell in der Parkhaustiefgarage am Rhein. Von hier aus passierten wir die Christuskirche und das Bahnhofsviertel. Vorbei an der Universität waren wir rasch auf dem Lerchenberg und von da aus war es zum Selztal nicht mehr weit. Jetzt war noch ein knappes Stündchen Zeit, um die müden Knochen in die Waagrechte zu legen.
Um 19.30 Uhr war das Abendessen angesetzt, diesmal im Ortsteil Stadecken. Ideal war die Gutsschänke Burghof, unweit der Unterkunft Gästehaus Hochmann. Auch hier gab es leckere Köstlichkeiten und erlesene Weine. Alte Erinnerungen erwachten und natürlich war man sich einige, dass wir uns im Mai 2018 in Köln treffen wollen. Die Heimatstadt von Maria und Franz hat einiges zu bieten und hier ist auch das große Haus der Weißen Väter, das wir als Übernachtungsmöglichkeit anvisiert haben. Außerdem leben hier einige alte Klassenkameraden aus der Kreuzburg. Allzu lange wurde der Abend nicht, denn Müdigkeit machte sich in den alten Knochen bemerkbar. Deswegen war das Frühstück am nächsten Morgen auch erst für 8.30 Uhr anberaumt.

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Abb.: 21 Abschiedsfrühstück im Haus Stenger


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Abb.: 21 Und gleich geht’s los in Richtung Heimat

Man traf sich dann am nächsten Morgen bei Mechthild und Hajo, um sich für die Heimreise zu stärken. Alle waren angetan von der guten Organisation und dem harmonischen Verlauf des Treffens. Das Erlebte wird nun einige Zeit den ein oder anderen beschäftigen und manches aus früheren Tagen ist wieder lebendig geworden. Wenngleich damals nicht alles eitle Freud und Sonnenschein war, denkt niemand an Vergeltung und Rache. Es ist alles Geschichte, alles hat uns geprägt und wir sind alle gestärkt aus diesen Zeiten hervorgegangen und haben unser Leben gemeistert und zwar gut, vielleicht sogar sehr gut!

Stadecken, den 10.10.2017

Hajo Stenger