Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Basini

Das Afrikamuseum im Missionshaus Haigerloch

Über den Fund meines Deutschheftes von 1956 und dessen Inhalt habe ich schon gelegentlich berichtet (siehe: Fundstück ). Jedes Mal wenn ich das alte Heft durchblättere, stoße ich wieder auf Bemerkenswertes: So fand ich unter dem Datum 9.6.56 einen kleinen Aufsatz „Das Museum in Haigerloch“; am 13.6.56 steht unter der gleichen Überschrift wieder ein solcher Bericht, allerdings jetzt etwas abgeändert und am 15.6.56 findet sich dieser wiederum im Heft unter neuem Titel „Das Afrikamuseum der Weißen Väter“; dieses Mal mit Korrekturen des Lehrers. Das war Teil des Arbeitsstiles unseres Deutschlehrers P. Schneider: Zunächst wurde im Unterricht über das Thema, in diesem Fall das Museum im Haus, gesprochen. Dann durften wir u.U. während des Unterrichtes dieses aufsuchen und uns Notizen machen. Hausaufgabe war dann, einen entsprechenden Bericht zu schreiben. In der nächsten Deutschstunde wurden einige dieser Aufsätze vorgelesen und besprochen. Hausaufgabe war die erneute Anfertigung des Berichtes unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der letzten Unterrichtsstunde. In der dritten Deutschstunde wurden einige nun verbesserte Versionen vorgetragen. Die Verbesserungen wurden erörtert und schließlich hatte jeder Schüler nun seine dritte Version ins Heft einzutragen; diese wurden dann eingesammelt und vom Lehrer benotet.



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Abb. 1: Blick in das Museum heute; es ist seit vielen Jahren in der Eingangshalle untergebracht.
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Abb. 2: Antilopengeweihe und Pfeile künden von der Jagd in Afrika
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Abb. 3: Geradezu angsteinflößend wirkt der Tiger.

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Abb. 4: Eine Boa windet sich um einen Ast


Abb. 5: Vor dem Museum hängt sowohl die Afrikakarte als auch eine Karte von Süddeutschland; hier sind die Herkunftsorte von Weißen Vätern aus diesem Gebiet markiert; die meisten davon haben ihre gymnasiale Schulzeit in Haigerloch begonnen


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Abb. 6: Viele Alltagsobjekte bergen die Vitrinen

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Abb. 7: Vitrinen mit Gegenständen aus dem afrikanischen Alltag

Und so beschreibt die dritte Anfertigung nun das Museum: Zunächst fallen die ausgestopften Tiere bzw. deren Relikte auf: Boa, Leopard, Löwe, Elefantenschädel, Geweihe von Antilopen. Dann werden die verschiedenen Waffen erwähnt; schließlich erblickt der Besucher die zahlreichen afrikanischen Musikinstrumente. Letztlich sind in den Schränken und Vitrinen, die vor dem Museum aufgestellt sind, viele Alltagsgegenstände aus dem Leben der Afrikaner zu entdecken. Besondere Beachtung gilt der Schmetterlings- und Käfersammlung. Belebt wird die Ausstellung durch zahlreiche Fotographien zwischen den Objekten. Ganz wichtig ist natürlich die große Afrikakarte, auf der die Missionsgebiete der Weißen Väter besonders markiert sind. Ich erinnere mich noch gut, dass immer wieder irgendein Pater staunende Gruppen durch das Museum geführt hat und den aufmerksamen Gästen spannende Geschichten erzählt hat. Heute existiert das Museum zwar noch, aber die Exponate sind zum Teil beschädigt und verstaubt. Auch dürfte das Interesse der Besucher nicht mehr so groß sein wie früher, den heutzutage haben wir ganz andere Möglichkeiten, den afrikanischen Alltag kennenzulernen: Filme, Fernsehen, Internet bieten in verschiedenen Varianten all das, was das Afrikamuseum zeigt. Freilich fehlt bei diesen modernen Formen die Haptik und Unmittelbarkeit. Für uns Schüler bot das Museum einen Anreiz, die ins Auge gefasste Aufgabe, die Missionarstätigkeit fester und entschlossener anzugehen. Und so hatte das Museum nicht nur für Besucher, sondern auch für die Schüler selbst einen appellativen Charakter: Die Missionsschüler konnten hautnah erfahren, ja erleben, wofür sie sich anstrengen.


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Abb. 8: Die erste Seite des Aufsatzes von 1956

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Abb. 9: Die zweite Seite des Aufsatzes von 1956 mit den Korrekturen von P. Schneider


Wie P. Schrenk jetzt bei unserem Besuch im August 2017 sagte, ist die Zukunft der Exponate völlig unsicher: Keiner will sie haben, selbst das Kloster der Missionsbenediktiner von St. Ottilien hat keinen Bedarf, weil dort die Ausstellungsräume bereits überfüllt sind. Vielleicht findet sich doch noch eine Schule, die mit diesen Objekten ihren Unterrichtsfundus bereichern kann. Stadecken-Elsheim, den 29.08.2017

Hajo Stenger