Der Afrikamissionar P. Hubert Bonke
schreibt an seinen Klassenkameraden
Hajo Stenger im Mai 2016
.
Lieber Hajo, ein Lebenszeichen nach so vielen Monaten, ja ich lebe noch und es geht mir jetzt ganz
gut.
Besten Dank für die vielen Mails, die Du mir geschickt hast, ebenfalls großen Dank an Alfred Epple
für
die vielen Nachrichten. Mehr als zwei Monate musste ich auf meinen PC verzichten, dann musste ich
mir
einen neuen kaufen, der aber auch so seine Macken hat.
Und nun einige Nachrichten von uns hier : Am Samstag dem 7. Mai wurde unserer General zum Bischof
von Wa
geweiht. Wa ist eine bedeutende Stadt in Ghana. Dann fuhr er nach Roma zurück, wo am 13. Mai unser
Generalkapitel beginnt, in einigen Tagen müssten wir einen neuen General haben. Mit der jetztigen
Politik Roms kommen einige Mitbrüder nicht so gut zurecht : Warum hat der neue Bischof von Wa wohl
in
Toulouse einen Dr. in Bibel gemacht ? Um an der Ausbildung der jungen Mitbrüder zu arbeiten. Der
neue
Bischof von Kalemie, im letzten Jahre geweiht, hat einen DR. in Philisophie, aber bitte doch nicht
um
Bischof zu werden.
Im Ostcongo haben wir WV jetzt 3 Bischöfe in drei Diozesen, die sich fast berühren, das ist viel zu viel. Und dabei gibt es so viele Diözesanpriester , die gerne Bischof werden würden. Und eine ganze Menge akademischer Titel haben die. Dann gibt es noch viele andere Ordensgemeinschaften hier im Congo.
Also die Römer, d.h. die Verantwortlichen in den vatikanischen Ministerien müssen einen Stich
in der Meise haben, das ist wenigestens meine Ansicht, jeder ist frei andere Ansichten zu vertreten.
Zu uns in Kindu : Zu Ostern hatten wir 71 Taufen von Catechumenen, diese große Anzahl war für uns
außergewöhlich, da können wir nur dem Lieben Gott danken und hoffen, dass die neuen Christen sich im
Glauben gut entwickeln. Vor und nach Ostern hatten wir hier in unsrere Lokal – kirche einige
Großveranstaltungen. Der Palmensonntag ist ja das Fest für die Jugendlichen, dieses Jahr kamen alle
Jugendlichen Kindus hier zu uns nach Tokolote. Eine Menge Vorbereitung verlangt das und auch eine
Menge
Geld. Sehr viele Jugendliche kamen und alles ging gut über die Bühne. Die zweite Großveranstaltung
war
eine Prozsession der Christen über 8 km weit. Ich konnte daran nicht teilnehmen, weil ich Mitbrüder
aus
Kasongo empfing. Aber auch ohne
die Ankunft meiner Mit- brüder hätte ich an der Prozession nicht teilgenommen, 8 km sind zu weit für
mich hier in Afrika. Da sage ich mir : Bonke, bleib schön bescheiden. Und dann gab es noch andere
Veranstaltungen, die für mich die Normalität der Pastoral durcheinander bringen und das habe ich
nicht
mehr so gerne. Und die Konsequenz der großen Manifestationen, das
ist total irre : die Zahl der Kirchenbesucher hat mächtig zugenommen; ich spreche nicht von den
Sonntagsmessen, da ist alles außer Kontrolle und wir wollen eine neue Kirche bauen. Aber in den
Werktagsmessen hat die Zahl der Christen derart zugenommen, dass wir in der Woche die Kommunion zu
zweit
austeilen. Und für die Sonntage : der Betrag der Geldsammlungen hat auch mächtig zugenommen , für
jeden
Pfarrer ist das sehr wichtig. Am 29. 5. gibt es hier in Kindu das absolute Highlight : Alle 6
Bischöfe
aus der Provinz Kivu sind hier und werden an diesem Sonntag konzelebrieren ; jeder mit seiner Mitra
und
seinem Stab, dazu sind alle Christen aus Kindu eingeladen und werden auch sehr zahlreich kommen,
wann
kann man sowas noch einmal mitfeiern und miterleben ? Und zu Beginn der Messe gibt es eine
Fronlaichnamsprozession, circa über 1 km. Das ist von 9 h bis 10 h, wenn die Sonne schon ganz schön
heiß
scheint. Ja, lieber Hajo, von so großen Manifestationen tue ich mich in meinem Alter lieber etwas
absetzen.
Und zum Lande : Eigentlich sollte es in diesem Jahre Präsidentschaftswahlen geben, aber bisher weiß
noch
keiner, was eigentlich passieren soll. Der Präsident hat zwei Mandate hinter sich, kann also nicht
mehr
.
Hubert