Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Der Afrikamissionar P. Hubert Bonke
schreibt an seinen Klassenkameraden
Hajo Stenger im Mai 2016

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Abb. 1: Hubert Bonke nach dem Abitur in Großkrotzenburg 1964
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Lieber Hajo, ein Lebenszeichen nach so vielen Monaten, ja ich lebe noch und es geht mir jetzt ganz gut. Besten Dank für die vielen Mails, die Du mir geschickt hast, ebenfalls großen Dank an Alfred Epple für die vielen Nachrichten. Mehr als zwei Monate musste ich auf meinen PC verzichten, dann musste ich mir einen neuen kaufen, der aber auch so seine Macken hat.
Und nun einige Nachrichten von uns hier : Am Samstag dem 7. Mai wurde unserer General zum Bischof von Wa geweiht. Wa ist eine bedeutende Stadt in Ghana. Dann fuhr er nach Roma zurück, wo am 13. Mai unser Generalkapitel beginnt, in einigen Tagen müssten wir einen neuen General haben. Mit der jetztigen Politik Roms kommen einige Mitbrüder nicht so gut zurecht : Warum hat der neue Bischof von Wa wohl in Toulouse einen Dr. in Bibel gemacht ? Um an der Ausbildung der jungen Mitbrüder zu arbeiten. Der neue Bischof von Kalemie, im letzten Jahre geweiht, hat einen DR. in Philisophie, aber bitte doch nicht um Bischof zu werden.

Im Ostcongo haben wir WV jetzt 3 Bischöfe in drei Diozesen, die sich fast berühren, das ist viel zu viel. Und dabei gibt es so viele Diözesanpriester , die gerne Bischof werden würden. Und eine ganze Menge akademischer Titel haben die. Dann gibt es noch viele andere Ordensgemeinschaften hier im Congo.

Also die Römer, d.h. die Verantwortlichen in den vatikanischen Ministerien müssen einen Stich in der Meise haben, das ist wenigestens meine Ansicht, jeder ist frei andere Ansichten zu vertreten. Zu uns in Kindu : Zu Ostern hatten wir 71 Taufen von Catechumenen, diese große Anzahl war für uns außergewöhlich, da können wir nur dem Lieben Gott danken und hoffen, dass die neuen Christen sich im Glauben gut entwickeln. Vor und nach Ostern hatten wir hier in unsrere Lokal – kirche einige Großveranstaltungen. Der Palmensonntag ist ja das Fest für die Jugendlichen, dieses Jahr kamen alle Jugendlichen Kindus hier zu uns nach Tokolote. Eine Menge Vorbereitung verlangt das und auch eine Menge Geld. Sehr viele Jugendliche kamen und alles ging gut über die Bühne. Die zweite Großveranstaltung war eine Prozsession der Christen über 8 km weit. Ich konnte daran nicht teilnehmen, weil ich Mitbrüder aus Kasongo empfing. Aber auch ohne die Ankunft meiner Mit- brüder hätte ich an der Prozession nicht teilgenommen, 8 km sind zu weit für mich hier in Afrika. Da sage ich mir : Bonke, bleib schön bescheiden. Und dann gab es noch andere Veranstaltungen, die für mich die Normalität der Pastoral durcheinander bringen und das habe ich nicht mehr so gerne. Und die Konsequenz der großen Manifestationen, das ist total irre : die Zahl der Kirchenbesucher hat mächtig zugenommen; ich spreche nicht von den Sonntagsmessen, da ist alles außer Kontrolle und wir wollen eine neue Kirche bauen. Aber in den Werktagsmessen hat die Zahl der Christen derart zugenommen, dass wir in der Woche die Kommunion zu zweit austeilen. Und für die Sonntage : der Betrag der Geldsammlungen hat auch mächtig zugenommen , für jeden Pfarrer ist das sehr wichtig. Am 29. 5. gibt es hier in Kindu das absolute Highlight : Alle 6 Bischöfe aus der Provinz Kivu sind hier und werden an diesem Sonntag konzelebrieren ; jeder mit seiner Mitra und seinem Stab, dazu sind alle Christen aus Kindu eingeladen und werden auch sehr zahlreich kommen, wann kann man sowas noch einmal mitfeiern und miterleben ? Und zu Beginn der Messe gibt es eine Fronlaichnamsprozession, circa über 1 km. Das ist von 9 h bis 10 h, wenn die Sonne schon ganz schön heiß scheint. Ja, lieber Hajo, von so großen Manifestationen tue ich mich in meinem Alter lieber etwas absetzen. Und zum Lande : Eigentlich sollte es in diesem Jahre Präsidentschaftswahlen geben, aber bisher weiß noch keiner, was eigentlich passieren soll. Der Präsident hat zwei Mandate hinter sich, kann also nicht mehr

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Abb. 2: Hubert Bonke im Novizat 1966
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kandidieren. Aber als Präsident hat er natürlich die diplomatische Immunität, der kann nicht angekagt werden und das zählt sehr viel bei all den Sachen, die er in 10 Jahren gemacht hat. Zum anderen ist der Mann nicht mal 50 Jahre alt und hat am Regieren wohl auch Gefallen gefunden. Vom Abdanken hat er niemals geredet und ich frage mich, ob das Interesse der Bevölkerung an den Wahlen nicht abgenommen hat. Von der zunehmenden Armut der Menschen hatte die Vollver - sammlung der kongolesischen Bischöfe im letzten Jahre gesprochen, jetzt stellen wir das in Kindu auch fest. Das Geld, über das die normalen Leute verfügen, ist für Schul- und Unikosten, für Arztkosten und Medikamente. Für alles, was noch bleibt, ist da wenig Geld vorhanden. Hier zu uns in die Pfarrei kommen immer mehr Menschen, sauber angezogen aber mit abgenutzen Kleidern. Sie sagen nur ein Wort njala Hunger. Ich sage ihnen, dass ich nicht viel Geld habe und gebe jedem 2 doll; ganz viel bedanken tun sie sich dafür, das wäre viel Geld, dafür können sie viel Reis kaufen. Und Reis ist einGrundnahrungsmittel, mit dem man leben kann, auch ohne Beilagen. Ich werde niemals die Geschichte vergessen, als ich vormittags in der City war bei einer alten Frau, deren großes Verdienst es ist, 16 Kinder auf die Welt gebracht zu haben und alle leben wohl noch. Die Anzahl ihrer Enkel variiert zwischen 70 und 100. Und vor ihrem Hause saß ein Mädchen von 2 oder 3 jahren und hatte einen Topf mit Reis in der Hand, der Topf war halbvoll und das Mädchen hat alles aufgegessen mit sichbarem Appetit. Der Reis war ohne Milch und wahrscheinlich auch ohne Zucker zubereitet. Reis ist für die Leute hier, was für viele Deutsche die Kartoffeln sind. Wie das alles in Zukunft weiter gehen wird, weiß man nicht. Als WV haben wir natürlich einen Provinzrat mit den Ländern Rwanda, Burundi und Congo. Die Vertreter sind normalerweise ganz gute Leute. Jahrelang war ich in dieser augusten Versammlung auch. Also in diesem Jahre haben die beschlossen, ohne mich vorherzu fragen, dass ich aus Gesund – heits gründen nach Deutschland gehen soll, um mich untersuchen zu lassen, denn ich bin ja noch zwei Mal in die pommes gefallen. Ich möge am 6.6. abfahren, was ich auch tun werde. Solche decisions werden nicht diskutiert. Also ich komme nach Deutschland nicht als kranker Mann, sondern als Urlauber. Zu den Ärzten werde ich natürlich gehen, mal sehen was die zu sagen haben. Viele Grüße an Deine Familie und an die alten Combattents. Ganz viele Grüße an Alfred.



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Abb: 3:Hubert Bonke beim Klassentreffen anlässlich des 50jährigen Abiturs Ende Mai in Erlaheim bei Haigerloch