Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

capita_nili

Auszug aus "Capita Nili"

Verlag Gebr. Zimmermann (1952) S. 153 - 155

Nilquellfluss
Ein Quellfluss des Nils - S. 217
Es waren herrliche Hochtäler, durch die wir dem allmählich auf eine Breite von vier Metern und Knöcheltiefe gesunkenen Rukarara folgten. Wasserreiche Wiesengründe, aus denen Tausende, von Bienen umschwärmte, fast zwei Mann hohe Königskerzen aufragten, durchflossen von kristallklaren Bächen, die bald dichtes Gebüsch, bald nur zarte Mimosen begleiten, zu beiden Seiten sanft geneigte Hügel, auf ihrem Kamm der dunkle Urwald, der auch teilweise die Hänge bedeckt. Meist aber sind sie nur mit hellen Gräsern bekleidet, die sich scharf von den dunklen Partien des Waldes wie von der Talsohle abheben, deren Grün auf große Strecken unter einem Teppich von weißen, gelben und rosa Strohblumen begraben liegt. Zahlreiche Nebenschluchten führen dem Haupttal kleine Bäche zu, und je weiter Stromaufwärts wir marschieren, um so rascher nimmt die Wassermenge des Rukarara ab. — Die Abende in diesen herrlichen Tälern hatten einen besonderen Zauber. Den ganzen Nachmittag türmten die Träger Scheiterhaufen auf, die Sonnenuntergang entzündet wurden und die Nacht hindurch das Tal und den Waldrand erleuchteten. Ich selbst schlief, weil es im Zelte zu kalt war, draußen zwischen zwei großen Feuern, in deren Mitte mein Bett gestellt war. Sobald es dunkel wurde, sah man im Tal hie und da wie Irrlichter den Schein von Fackeln tanzen; es waren die Träger die viele der Hunderte von Bienenhäusern, die in diesen Tälern von Zeit zu Zeit von den Bienenjägern besucht werden, plünderten. Ich hätte es ihnen vielleicht verboten, wenn das Spiel der durch die nebelerfüllten Täler wandernden Lichter nicht so schön und von geheimnisvollen Schauern erfüllt gewesen wäre.

Es war das Ende eines solchen Tales, das ich Mitte August 1898 mit meiner Karawane erreichte. Nur noch als 30 cm breites Rinnsal kam hier der Rukarara aus einer pfadlosen, mit Wald und üppiger Vegetation erfüllten Schlucht In diese drang ich am nächsten Tage mit einem Eingeborenen und einigen meiner Leute ein. Es war eine schlimme Arbeit; für je 500 m brauchten wir fast eine Stunde. Aber mit Äxten und Haumessern brachen wir uns Bahn, und oft im Morast bis zum Leib versinkend, oft auf allen Vieren in dem eiskalten Bache kriechend, durch Schluchten und Nebenschluchten langsam ansteigend, erreichten wir nach mühevollen Stunden, erschöpft, durchnäßt, von oben bis unten besudelt, einen kleinen, feuchten Kessel am Ende einer Klamm, aus deren Boden die Quelle nicht sprudelnd, sondern Tropfen für Tropfen dringt: Caput Nili ...

War es wirklich die Quelle des Nils, die ich gefunden? Und hatte wirklich der Satz kein Recht mehr, den noch in den achtziger Jahren einer der größten Geographen Europas geschrieben hatte:
„On cherche encore la töte du N! comme aux temps de Lucain; personne n’a eu la gloire de voir le fleuve naissant.”

Immer noch sucht man genau wie zur Zeit des Lukanus nach der Quelle des Nils. Bis heute hatte noch niemand de Ehre, den werdenden Fluß zu sehen.

Lucanus (39—65 n. Chr.) läßt Cäsar also sprechen:
Nihil est quod noscere malim Quam fluvii causas per saecula tanta latentis Ignotumque caput; spes sit mihi certa videndi Nilacos fontes, bellum civile relinguam.

(Nichts wollte ich lieber, als die Geheimnisse des Nils kennen, der sich soviel Jahrhunderte verborgen gehalten, wollte erforschen seine unbekannte Quelle, Wenn ich die sichere Hoffnung hätte, sie zu sehen, wollte ich auf allen Ruhm des Bürgerkrieges verzichten.)

Die Nachwelt wird, frei von all den kleinlichen Empfindungen, die die Gegenwart stets für ihre Söhne gehabt hat, die gerechte Antwort darauf finden.
An einem jedenfalls kann nie mehr ein Zweifel, außer von Bornierten und Bösartigen, geäußert werden: daran, daß die Quelle des Rukarara die Quelle des Kagera, des Alexandra-Nils ist. Aber ist der Kagera auch, wie die Eingeborenen zu Speke sagten, die „Mutter des Felsenstromes”, d.h. des Murchison-Nils? Und ist der Viktoria-See nur ein ruhender Punkt im Stromsystem des Nils oder selbst seiner Quelle? Für beide Ansichten haben sich bedeutende Geographen erklärt; für die erstere, mir günstige, der geniale Reclus, für die zweite, mir feindliche, der gründliche Wagner und die Landsleute Spekes.

Eine Befragung von ChatGTP ergab folgende Auskunft:

Die von Stracke besuchte Quelle wird auch in Burundis Eintrag auf der UNESCO-Vorschlagsliste ausdrücklich als südlichste Nilquelle bezeichnet. Dieser Eintrag ist eine staatliche Einreichung, kein wissenschaftlicher Nachweis einer einzig „wahren“ Nilquelle.
Die sachlich belegte Formulierung lautet deshalb: Stracke besuchte und popularisierte die südlichste Nilquelle; entdeckt hat er sie nicht.