Festrede lanlässlich des 40-jährigen Priesterjubiläum von
Frido Bogenrieder
Hans Geisinger
Die folgende Rede hielt Johannes Geisinger zum 40-jährigen Priesterjubiläum von Pater
Frido Bogenrieder. Sie wird nicht zuletzt darum auf unserer Webseite veröfffentlicht, weil
sie beispielhaft die Karriere eines „typischen“ Weißen Vaters nachzeichnet und damit auch
ein schönes Zeitdokument ist.
9. Juli 2000
Sehr geehrte Anwesende, lieber Frido!
Als ich gebeten wurde, zu Deinem Jubiläum einige Worte zu sagen, habe ich mir als Gerüst
für meine Rede „Stationen eines Afrikamissionars“ ausgedacht. Ich möchte dabei aber nicht
nur nüchterne Jahreszahlen nennen, sondern die Stationen deines Lebensweges etwas genauer
ausleuchten.
Als ehemaliger Schüler der Weißen Väter ist für mich der Bezug leichter herzustellen, da mir
die Beweggründe‚ diesen Weg zu gehen‚ nämlich dem Ruf Christi zu folgen „Gehet hin in alle
Welt und lehret alle Völker“, bekannt sind.
Du, lieber Frido, bist diesem Ruf gefolgt. Geprägt wurdest du durch ein christliches Elternhaus
und durch deinen Onkel‚ Pater Dr.Rauscher, der schon Weißer Vater war. Er sprach einige
aufgeweckte Jungen rund um den Federsee an. Ich denke da an Pater Beck aus Moosburg, an
Pater Sauter aus Oggelshausen, an Pater Weidelener aus Bad Schussenried, an Pater Stärk aus
Saulgau.
Sicher war bei dir, einem jungen Menschen, auch eine gewisse Neugier auf das ferne, unbekannte
Afrika vorhanden.
Aber du bist auch der inneren Bereitschaft gefolgt auf dem Weg für einen besonderen Beruf.
Und in diesem Wort „Beruf“ steckte und steckt auch noch „Ruf“, der Ruf, das Evangelium,
die Frohbotschaft Christi zu verbreiten. Dies war auch der Beruf deines Namenspatrons, des
Hl. Fridolin, der von Irland kommend in den Vogesen‚ in Vorarlberg und in der Schweiz
missionierte.
Nach dem Schulbesuch in Ahlen von 1940 — 1946 bist du zusammen mit Hermann Schilling,
dem Sohn des damaligen Lehrers Schilling‚ den bestimmt einige hier noch kennen, in die
Missionsschule nach Haigerloch gegangen. Hermann Schilling blieb dort einige Jahre. Anschließend
bist du nach Großkrotzenburg bei Frankfurt gegangen und das bis zum Abitur im
Jahr 1954.
Und ich erinnere mich noch ganz genau, wie unser damaliger Bürgermeister Gebhard Menz dir
nach dem Sonntagsgottesdienst zum bestandenen Abitur seine Glückwünsche ausgesprochen
hat.
Das Jahr 1954 war auch für die Pfarrei Ahlen ein besonderes Jahr, da die neuen Glocken von
Dekan Dolp aus Ummendorf unter der Assistenz von Pfarrer Hartmann und Pfarrer Dorn
feierlich geweiht wurden.
An diese Zeit bis zum Abitur denke auch ich gerne zurück, sind doch in dieser Zeit Freundschaften
entstanden, die sich bis heute gehalten haben, obwohl die Wege sich trennten und
entweder geistliche oder andere Berufe ergriffen wurden. Noch letzten Sonntag hatte unsere
Abiturklasse von 1965 ein Treffen in Bonn und Linz und selbstverständlich haben wir in Linz
das Missionshaus der Weißen Väter besucht.
Geblieben ist allen das Fundament einer christlichen Erziehung, „das Offensein für den
Nächsten“, „das Offensein für die Not der 3. und 4. Welt“ - kurz: der ärmsten Länder dieser
Erde. Dazu gehört auch dein Einsatzort Mali.
Geblieben ist auch ein Gefühl der Dankbarkeit für eine Erziehung, die uns nicht um materielle
Dinge wie um das „Goldene Kalb“ tanzen lässt, sondern uns frei macht für Werte wie
Nächstenliebe,
Rücksichtnahme auf Schwächere, die unsere Chancen nicht hatten und haben, Toleranz und
Solidarität mit den Ärmsten der Armen sind uns Wert‚ aber auch Verpflichtung. Und dass
man etwas bewirken kann, konnte ich selber erfahren, als ich lange Jahre an einem Projekt für
Burkina Faso,dem Nachbarland von Mali mitgearbeitet habe. Es ist zwar nur der berühmte
Tropfen auf den heißen Stein, aber es erfüllt einen auch mit tiefer Zufriedenheit, etwas
Sinnvolles getan zu haben.
Deine nächste Station war das Philosophiestudium in Trier von 1954 — 1956. Daran schloss
sich das einjährige Noviziat in Maison Carree in der Nähe von Algier an.
1957 - 1961 folgte das Theologiestudium in Carthago bei Tunis. Dann kehrtest du wieder in die
Heimat zurück, um vom Erzbischof von Bujumbura aus Burundi, am 9.7.1960 in Geislingen
bei Balingen mit sechs anderen Kandidaten zum Priester geweiht zu werden. Und du erinnerst
dich bestimmt auch an Sonntag, den 10.Juli 1960, als du von der Musikkapelle Tiefenbach
feierlich vom Elternhaus zur Kirche begleitet wurdest und am Ende des Hochamtes den
Primiziantensegen spenden durftest.
Für die kleine Gemeinde Ahlen war das übrigens die 3. Primiz innerhalb weniger Jahre.1957
konnte in Untermarchtal unser ehemaliger Bürgermeister Anton Heitele seine Primiz feiern
und das im Mannesalter von 59 Jahren, wie es im Zeitungsbericht von damals zu lesen ist.
1959 folgte dann die Primiz von Pater Pedro Arias,der mit Pfarrer Prinz sein Fest feiern konnte.
Du warst jetzt voll integriert in die Gemeinschaft der Weißen Väter, deren Missionsgebiet
ausschließlich in Afrika liegt, so wie es der Gründer Kardinal Lavigerie wollte.
Am 1. Mai 1961‚ nach der Sonntagsmesse in Ahlen, bist du dann mit einem VW zur Reise nach
Marseille aufgebrochen.
An deiner Wirkungsstätte sieht es zum Glück so aus, dass die Arbeit der Missionare von
Regierungsseite anerkannt wird.
Während dieser 23 Jahre konntest du öfters einen Heimaturlaub antreten. Wenn wir von Urlaub
sprechen, denken wir an Reisen, Abschalten vom Beruf, Neues sehen, es sich gut gehen lassen.
Bei einem Missionar auf Heimaturlaub sieht das etwas anders aus.
In dieser Zeit wirbt er in Vorträgen und Predigten für den Missionsgedanken, versucht Geld
aufzutreiben für Projekte, die er in seiner Mission durchführen möchte, vertritt oft Pfarrer hier,
die ihren Jahresurlaub antreten und er muss in dieser Zeit einen „Gesundheitscheck“, wie man
heute sagt, durchführen lassen‚ u. a. die Schutzimpfungen am Tropeninstitut, so dass die paar
Monate oft zu kurz sind.
Gerne erinnerst du dich aber bestimmt an den 14.Juli 1985, als du zusammen mit deinem
Freund Pater Otto Bailer aus Weitingen das Silberne Priesterjubiläum feiern konntest. Ebenfalls
1985 warst du dabei, als Pfarrer Kurschatke 80 Jahre alt wurde und am 8.Dezember der
Abschluss der Kirchenrenovation mit Altarweihe gefeiert wurde.
Und wenn vorhin das Wort Solidarität und „aufeinander zugehen“ gefallen ist, dann gilt
das auch hier für uns, die wir uns Christen nennen und schließt die Menschen ein, die in
besonderer Weise ihr Leben Gott geweiht haben‚ um ganz frei und unbelastet zu sein für den
Dienst am Menschen, nämlich unsere Ordensleute und Priester.
Auch ein Priester muss sich angenommen fühlen in seiner Gemeinde, braucht menschliche
Nähe in seinem Dienst.
Zudem ist die Gemeinde gefordert, „ihren Priester“ oder „Missionar“nach Kräften zu unterstützen, sei
es finanziell, sei es ideell, wenn sie seine Vorstellungen und Ideen mitträgt, über
den eigenen Kirchturm hinaus das Ganze sieht, wie es das griechische „über die
ganze Erde“, aus dem dann „katholisch“ entstanden ist, ausdrückt.
Dein vorletzter Urlaub ist eiwas länger ausgefallen, als du von von 1984 - 1988 zu den „Wurzeln
deiner Jugend“, nämlich nacn Haigerioch zurückgekehrt bist, diesmal als inzwischen erfahrener
Missionar. Durch das Missionshaus auf dem Berg schallte aber nicht mehr das manchmal
fröhliche Lärmen und Treiben der Jugend. Es war stiller geworden in dem großen Haus, denn
aus dem Missionshaus war ein Altersheim geworden für die Missionare der Weißen Väter.
Deren Leiter wurdest du jetzt, ehe du dann 1989 wieder nach Mali gingst, aber diesmal in den
Süden des Landes, nahe der Elfenbeinküste. Wieder musstest du eine andere Sprache lernen.
Wenn hier von fremden Sprachen die Rede ist, passt vielleicht gerade da der Hinweis‚ dass
es für einen Afrikamissionar, der aus einem frankophonen Land kommt und jahrelang fast
nur die einheimische Sprache gesprochen hat, im Heimaturlaub nicht immer leicht ist, sich
sofort ın der Muttersprache zurechtzufinden. Das braucht eine gewisse Anlaufzeit und es ist
unsere Toleranz gefordert. Schon nach 2 Jahren kamst du wieder zurück in die Heimat und
der Anlass war ein trauriger: Deine Mutter starb Ende Januar 1992 und du konntest sie in
ıhren letzten Stunden noch begleiten.
Normalerweise gibt es ja nach 2 Jahren noch keinen Heimaturlaub,aber hier lag ja ein triftiger
Grund vor. Wieder wartete eine Riesenaufgabe auf dich, als du 1993 mit dem Aufbau einer
neuen Pfarrei betraut wurdest. 1995 erkrankte dein Bischof schwer und als er nach schwerer
Krankheit im November 1996 starb, war die Diözese drei Jahre verwaist, bis im Februar 1999
ein neuer Oberhirte geweiht wurde. In der Zeit der Sedisvakanz haben dich deine Mitbrüder
zu der zwar ehrenvollen, aber äußerst verantwortungsvollen Aufgabe eines Administrators
bestimmt. Auch nach der Ernennung des neuen Bischofs im Februar bliebst du noch ein halbes
Jahr an seiner Seite.
Nach 7 Jahren aufopferungsvollen Schaffens konntest du im Februar 1999 endlich wieder
den wohlverdienten Heimaturlaub antreten. Das war auch dringend notwendig, denn die
Verschleißerscheinungen durch die vielen Fahrten mit dem Motorrad zu den Außenstationen
waren so gravierend, dass die rechte Hüfte operiert werden musste und jetzt ebenso die linke.
Da wird manch Außenstehender und auch manch Wohlwollender denken: „Jetzt hat er genug
geschafft, jetzt soll er es ruhiger angehen lassen mit 66 Jahren“, die man dir im übrigen gar
nicht ansieht. Nicht so du und das steckt in den Missionaren einfach drin, dass dieser Beruf
kein „Pensionsalter“ in unserem Sinne kennt, dafür aber Solidarität mit den Menschen in Mali,
wenn du in St.Paul, einer neuen Pfarrei, weiterwirken willst.
Wie du mir sagtest, können noch nicht alle 8 Pfarreien dem einheimischen Klerus übergeben
werden.
Aber das Ziel ist klar: die afrikanische Kirche soll befähigt werden, eines Tages auf eigen Füßen
zu stehen, sprich: der einheimische Klerus soll eines Tages die Aufgabe der Weißen Väter
übernehmen.
Und wenn man die Berichte in dem Magazin „Kontinente“ verfolgt, sind sie auf einem
guten Weg, wenn die Katechisten als Multiplikatoren der Frohen Botschaft in ihre Dörfer
zurückkehren und dort das Wort Gottes verkünden.
Noch aber brauchen die Afrikamissionare unsere gemeinsame Unterstützung für die Ausbildung des
Nachwuchses. Und hier können wir zeigen, dass wir neben „dem Glauben
teilen“ auch echte Menschlichkeit besitzen. Denn die Aufgabe ist gewaltig. Zwei Drittel aller
Missionsberufe kommen heute aus Ländern der Dritten Welt. Viele Jugendliche wollen als
Afrıkamissionare in einer internationalen Gemeinschaft leben und arbeiten und sich einsetzen für
eine bessere und gerechtere Welt. Sie werden die Frohbotschaft des Evangeliums
ıhren Landsleuten verkünden,wie es schon jetzt geschieht. „Afrika kann nur durch Afrikaner
bekehrt werden“ hat Kardinal Lavigerie einmal gesagt und er meinte wohl, dass bei dieser
„Mammutaufgabe“ seine Missionare, die Weißen Väter, allein überfordert wären, dass also
„der afrikanische Nachwuchs“ diese Aufgabe einmal ganz übernimmt. Noch aber werden die
Weißen Väter gebraucht und auch du, lieber Frido, willst das begonnene Werk in deiner Pfarrei
bis zur Übergabe an den einheimischen Klerus zu Ende führen.
Dazu darf ich dir im Namen der Pfarrgemeinde und aller, die dein Wirken wohlwollend
begleiten, recht viel Kraft und Mut wünschen.
Ganz besonders aber möchte ich dir im Namen der Pfarrgemeinde zu deinem Jubiläum reght
herzlich gratulieren und dir für deine weitere missionarische Tätigkeit Gottes Segen wünschen
und beste Gesundheit und weiterhin Optimismus, denn Christen sind Optimisten.