Die Königin unterm Dach
Die Hausorgel von Hajo Stenger
Der folgende Text ist eine KI-Zusammenfassung aus einem Artikel im
Rheinhessen-Magazin
Wer Hans-Joachim Stengers Eigenheim im rheinhessischen Stadecken-Elsheim betritt, findet unter dem
Satteldach ein Instrument von unerwarteten Dimensionen. Seine selbst gebaute Hausorgel füllt ein
rund 40 Quadratmeter großes Musikzimmer und zählt zu den größten ihrer Art in Deutschland. Tritt
Stenger das Pedal, ist der Bass der längsten Pfeife nicht nur zu hören, sondern beinahe körperlich
zu spüren.
Die Anlage besteht aus einer West- und einer Ostorgel mit jeweils eigenem Spieltisch. Drei Manuale,
Pedale, zwei monumentale Prospekte und rund 60 Register ermöglichen ein breites Klangspektrum – von
Rohrflöte, Principal und Mixtur bis zu Gedackt und Krummhorn. Hinzu kommen Glockenspiel und
Zimbelsterne. Die größten Subbasspfeifen sind mehr als zwei Meter lang. Gemeinsam verfügen die
beiden Werke über rund 2.300 Metall- und Holzpfeifen.
Dabei wirkt die Orgel keineswegs wie ein improvisiertes Hobbyprojekt. Die Gehäuse aus Eichenholz
schmiegen sich präzise an die Dachschrägen. Geschnitzte Notenständer, kleine Putten und Verzierungen
aus Blattgold zeugen von Stengers handwerklichem Ehrgeiz. Vieles entstand in seiner eigenen
Werkstatt, wo er zimmert, schraubt und sogar Zinnpfeifen lötet. Für einen kompletten Neubau dieser
Größenordnung wären nach damaliger Schätzung etwa eine halbe Million Euro nötig.
Der Grundstein für das außergewöhnliche Lebenswerk wurde bereits 1957 gelegt. Als 13-jähriger
Internatsschüler sollte Stenger während einer Sammelaktion Kartoffeln beschaffen. Stattdessen
klopfte er bei einer Orgelbaufirma an, ließ sich die Werkstatt zeigen und kehrte mit drei Pfeifen
zurück. Ein Jahr später entlockte der Autodidakt ihnen mithilfe einer selbst gebauten Windlade und
eines Blasebalgs aus Packpapier die ersten Töne. 1959 war seine erste Orgel fertig.
Inzwischen hat Stenger sieben Instrumente gebaut. Eines davon steht in der katholischen Kirche St.
Johannes Evangelist in Großwinternheim. Die „Königin“ seines Schaffens aber blieb im eigenen Haus.
Mit ihrem Bau begann der promovierte Pädagoge 1986; 22 Jahre später wurde das vereinte Werk
eingeweiht. Seine Frau Mechthild, Organistin der örtlichen Pfarrkirche, spielt regelmäßig darauf.
Bei Hauskonzerten treten zudem bekannte Gastorganisten auf. Dank der beiden Spieltische können zwei
Musiker sogar gleichzeitig vierhändig und vierfüßig musizieren.
Stenger ist außerdem in der Gesellschaft der Orgelfreunde engagiert und leitet einen Arbeitskreis
für Hausorgeln. Seine eigene betrachtet er trotz jahrzehntelanger Arbeit nicht als abgeschlossen.
Der einst formulierte Traum sei zwar weitgehend Wirklichkeit geworden – doch ein solches Instrument,
sagt er, werde niemals wirklich fertig. Als nächstes schwebt ihm eine „Spanische Trompete“ mit
waagerecht herausragenden Pfeifen vor. Nur der Platz unter dem Dach wird langsam knapp.