P. Alfons Hirt
von Dr. Hajo Stenger
P. Hirt war anfangs der 60er Jahre, als wir u.a. aus Haigerloch nach
Großkrotzenburg kamen, Schulleiter am hauseigenen
Kreuzburggymnasium. Er war von fülliger Gestalt und verbreitete
damit schon eine dem Amt zugehörige Autorität. Wenn ich mich
recht erinnere, hatten wir bei ihm Biologie. Bei schönem Wetter
waren wir in seinem Unterricht dann oft im Umkreis der Schule auf
Exkursion. Da wurden Pflänzchen und sonstige Lebewesen erklärt.
Dies macht er recht wohlwollend und gütig und so begeisterte er die
Eleven für die Natur und ihre Schönheiten. P. Hirt gehörte damals
schon zu den älteren Patres und hatte damit eine gewisse
Anerkennung, was sich zweifellos auch auf das Verhältnis zu den
Schülern auswirkte. Gelegentlich wirkte er als Musikpädagoge und
übte mit uns den sonntäglichen Choral ein. Etwa 1960/61 wurde P.
Hirt von Großkrotzenburg in ein anderes Haus versetzt. Und beim
Packen seiner Koffer, oder besser Missionsblechkisten, musste er freilich Ballast
abwerfen: Dazu gehörten auch Bücher, die er wahrscheinlich nicht mehr brauchen
wird. Einige landeten in der Patresbibliothek. Diese befand sich in den
Kellerräumen unter den Klassensälen. Hier hatte sich im Laufe der Zeit allerlei
Literatur angesammelt und es war nur dem für die Bibliothek zuständigen Schüler
erlaubt, diese während der Handarbeitszeit zu betreten, um etwas Ordnung zu
schaffen. Angeblich füllten die Regale auch Schriften, die auf dem Index standen.
Index bedeutete hier: Diese Bücher waren für Schüler verboten zu lesen. Nicht alles
aus dem Bestand von P. Hirt war für diese Büchersammlung wohl brauchbar,
manches landete auf dem Müll und hier fand ich ein Buch über die Orgel, das für
mich damals ganz wert voll war. So fischte ich es aus dem Haufen und habe es bis heute aufbewahrt:
Kleine Anmerkung: Wenn heute an einem Gymnasium eine Schulleiterstelle ausgeschrieben ist und neu besetzt werden soll, dann ist dies mit einem enormen Aufwand verbunden: Lehrproben, allerlei Überprüfungen, Konferenzführung, Gespräche, Schulausschuss etc. Damals ging das durch ein kurzes Wort des Provinzials, u.U. auf Empfehlung eines Mitbruders. Und dieser Schulleiter brauchte auch kein Büro mit Sekretärin etc., sondern da genügte ein kleines Zimmerchen mit Schreibtisch und Bücherregal…
Hajo Stenger
Stadecken, den 14. Oktober 2015