Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Beerdigung von P. Werner Wanzura

von Hajo Stenger

Glücklicherweise hatte mir P. Pfaff aus Hechingen den Bestattungszeitpunkt der Urne mit der Asche unseres Klassenkameraden Werner Wanzura mitgeteilt; es war nämlich der Wunsch von Werner gewesen auf dem Friedhof in Haigerloch im Kreise ehemaliger Mitbrüder bestattet zu werden. Schon als Schüler waren wir regelmäßig zu dieser Stätte in der Oberstadt gepilgert und hatten dort für die ehemaligen Weißen Väter gebetet. Zunächst sollte das Requiem in der St. Annakirche um 13.30 Uhr stattfinden, anschließend sollte die Urne auf dem Friedhof beigesetzt werden.

St. Anna
Obwohl der Weg von Stadecken nach Haigerloch immerhin 275 km lang ist, gab es für mich keinen Zweifel, dass ich zu diesem Ereignis fahren muss, zumal ich dann wieder einmal an den besonderen Ort meiner Schulzeit kommen werde. Leider ist das Missionshaus dort seit einigen Jahren verkauft und die Weißen Väter wohnen jetzt in Hechingen; dennoch hat Haigerloch einen festen Platz in meinem Gedächtnis. Die im Rokokostil erbaute Wallfahrtskirche St. Anna in Haigerlocher Oberstadt. Obwohl ich keine Einzelheiten zur Bestattungsfeier von Werner wusste, habe ich mich ans Telefon bez. an den Computer gesetzt und gleich weitere Ehemalige informiert: Alfred Epple, Gustl Teichmann und Jack Geisinger und das mit Erfolg. So setzte ich mich an jenem 6. Februar morgens im 8 Uhr ins Auto und steuerte in Richtung Haigerloch. Bei heutigen Straßenverhältnissen kann man nicht sicher sein, dass man pünktlich sein Zeil erreicht, doch ich hatte Glück. Um kurz nach 11 Uhr stand ich vor der prächtigen Annakirche, die zu meinem Erstaunen offen war. Wenngleich sich auf den wunderbaren Altären und Figuren der Alltagsstaub abgelagert hatte, fühlte ich mich sofort in eine andere Welt versetzt, in die herrliche Welt des Barock, in ein Stück Himmel auf Erden und der Blick nach hinten zur Orgel erinnerte mich gleich an P. Schröter, der damals gelegentlich das Barockinstrument herrlich erklingen ließ. Wie wohl ich mich hier doch fühlte! Welche unbeschreibliche Kraft diese Kunst auf mich ausübte! – schon damals als Pennäler habe ich das nur in den Anfängen gespürt und heute hat das Barockempfinden in mir seine Vollkommenheit erreicht.



Doch die Realität hat mich gleich wieder erfasst: Ich hatte mich mit Alfred Epple um 12 Uhr vor Ali Baba etwas unterhalb der Kirche verabredet; also ging ich dorthin und Alfred stand vor der Gaststätte. Gemeinsam gingen wir dann in die Netto-Bäckerei, um einen Cappuccino und einige Kleinigkeiten zu genießen, bevor wir uns wieder in St. Anna zum Requiem einfanden. Zunächst trafen wir auf den Organisten, der mit seiner Frau gerade die Orgelempore aufschloss. Das ermöglichte mir einen kurzen Blick auf das historische Instrument, das von der Bittelbronner Orgelbaufirma Stehle wieder hergerichtet worden war.


So langsam tauchten in der Kirche auch die Trauergäste auf, so die über 90jährige Schwester des Verstorbenen und einige ältere Patres aus dem Seniorenheim der Afrikamissionare in Hechingen. In der ersten Reihe vorn rechts platzierten sich die 4 ehemaligen Haigerlocher: Alfred Epple, Hans Geisinger, Gustl Teichmann und Hajo Stenger. Letztlich waren es dann aber nur 13 Trauergäste, die den von P. Albert Schrenk mit seinen beiden Konzelebranten P. Pfaff und P. Österle gestalteten Gottesdienst mitfeierten. Zugegeben: Ich war etwas enttäuscht über die arg kleine Schar, die sich hier zum Requiem eingefunden hatte. Albert skizzierte in seiner Predigt kurz das Leben des verstorbenen Mitbruders, der zuletzt als Hausseelsorger im Altenheim der Franziskanerinnen in Aachen gewirkt hatte.
Albert bei seiner kurzen Ansprache über das Leben des Verstorbenen

Werner Wanzura als Chorleiter in Trier

Werner Wanzura als Helfer beim Orgelbau in Nordfrankreich 1955 und in seinem Zimmer in Trier

Werner Wanzura als Helfer beim Orgelbau und in seinem Zimmer in Trier

Nach dem Gottesdienst begab sich die kleine Schar bei frostiger Kälte zum Friedhof. Dort sprach Albert in der Halle vor der Urne die Trauergebete. Anschließend ging es dann zum Grab, wo die Urne im Feld der Weißen Väter beigesetzt wurde.

Der Leichenschmaus fand dann später im Speisesaal des Weiße-Väter-Hauses in Hechingen statt. Hier waren neben den Patres nur noch Hans Geisinger und Hajo Stenger dabei.

Werner Wanzura als Helfer beim Orgelbau und in seinem Zimmer in Trier

Die eigentliche besondere Gedenkstunde war dann am Abend im Haus Teichmann in Weilstetten, wo Hajo noch die Gastfreundschaft seines Klassenkamerades Gustl genoss. Das leckere Abendmahl hatte Gustls Frau Brigitte vorbereitet.

Adieu, lieber Werner, wir werden uns beim himmlischen Gastmahl demnächst treffen.

Hajo Stenger
Stadecken, 7.2.2025