Bruder Eduard, ein echtes Original als Verkünder des Glaubens
von Hajo Stenger
Nachrufe und ähnliche Rückblicke haben die Angewohnheit, das Leben des Verstorbenen
irgendwie zu glorifizieren. Entsprechend dem lateinischen Logion "de mortuis nihil nisi bene"
spricht man nur über die guten Taten, die der Verstorbene in seinem Leben erbrachte, über
das Negative deckt man den Mantel des Schweigens.
So habe ich das früher oft erlebt, als ich noch Trauerfeier gestaltet habe und über Verstorbene und deren Leben zu sprechen hatte. Nur einmal, da gab es einen Eklat, als nämlich die Schwester der Verblichenen aufsprang und die Wahrheit über die im Sarg Liegende lautstark verkünden wollte. Schaut man auf das Totenbildchen von Bruder Eduard, stößt man auf eine geradezu beneidenswerte Lebensskizze. Und ich muss sagen, aus meiner Sicht ist das alles zutreffend und korrekt, was da steht.
Ich erlebte Bruder Eduard, als ich 1959 von Haigerloch kommend meine Schulzeit in Großkrotzenburg fortsetzte. Hier war Br. Eduard für die Landwirtschaft zuständig, besonders für den Schweinstall, denn weitere landwirtschaftliche Aktivitäten gab es in der Kreuzburg kaum. Ich sehe Br. Eduard noch heute mit dem alten Unimog mit Hänger durch die Gegend brausen. Er fuhr, als wäre der Teufel hinter ihm her; sicher war dazu das angesprochene, unbegrenzte Gottvertrauen nötig, um mit heiler Haut wieder nach Hause zu kommen. Mindestens dreimal in der Woche musste Br. Eduard nach Hanau fahren, um die Küchen- und Essensabfälle von einem Krankenhaus abzuholen. Diese landeten dann – heute wäre das nicht mehr denkbar – in den Schweinetrögen. Soweit uns bekannt hatte Bruder Eduard irgendwann ein Auge verloren; diese „Widrigkeit des Lebens“ konnte seinen ungebremsten Einsatz nicht beeinträchtigen. Er sprach nicht drüber, sondern verhielt sich so, als ob alles normal wäre und das mit einer unerschütterlichen Heiterkeit auf den Lippen.
Soweit ich mich erinnere, war Bruder Eduard nie in der Afrikamission gewesen, aber durch sein gottgefälliges Leben hat er sicher sehr viel für die Mission getan. Er war Missionar mit Kimme und Korn. Einmal war er wohl mit seinem Unimoggefährt in so wilder Fahrt durch Hanau unterwegs, dass die Polizei auf ihn aufmerksam wurde und ihn in die Kreuzburg eskortierte. Normale Fahrzeugführer hätten jetzt einen Strafzettel begleichen müssen. Eduard ist es aber wohl gelungen, die Polizeibeamten von seinem besonderen Gottesschutz zu überzeugen, sodass er nach einigem Reden ungeschoren davonkam.
Ja, schon sein Vollbart machte Br. Eduard äußerlich zu einem Missionar, wie man sich ihn zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorstellte und sein Herz am rechten Fleck schlug bis zuletzt für ein Leben aus, mit und für den Glauben: ein echtes Missionarsoriginal, ein moderner Paulus, ein wahres Vorbild für alle, die überzeugt den Glauben verkünden!
Stadecken, den 5.1.2016
Hajo Stenger
Markus Strobel kann sich noch sehr gut an Bruder Eduard erinnern. Er schreibt dazu:
[ . . . ]Darf ich noch ein paar persönliche Erinnerungen anfügen? Bruder Eduard war wirklich ein frommer Mann. Er hatte eine besondere Ausdrucksweise über seine Spiritualität. Vor seinem Eintritt bei den Weißen Vätern war er Bankmann. Deshalb äußerte er sich immer, wenn er etwas Gutes tun wollte: „Man muss fürs Jenseits falsche Devisen schieben.“ Er hatte wirklich ein unerschütterliches Gottvertrauen. Das befähigte ihn die schwierigsten Aufgaben anzunehmen. So bekam er den Auftrag den Schweinestall zu übernehmen. Er kniete sich vor den Tabernakel und betete: „Ich weiß nicht wie man Schweine züchtet. Jesus lehre mich das.“ So begann er einen vorbildlichen Schweinestall aufzubauen. Er spezialisierte sich auf Ferkelerzeugung. Dabei ließ er sich von zwei Grundsätzen leiten. Die Ferkel werden von Anfang an etwas rau aufgezogen. Wenn sie dann zu den Bauern kommen, die sie bei ihm kaufen, sind sie nicht verwöhnt sondern gedeihen besser. Er verkaufte nur gute prächtige Ferkel. Die Schwächlinge zog er selber auf. So hatte er den besten Ruf als Ferkelerzeuger im ganzen Umkreis. Schülern der landwirtschaftlichen Berufsschule wurde sein Stall als vorbildlich vorgestellt. Ich durfte ihm bei der Geburt von neuen Frischlingen behilflich sein. Den Frischlingen mussten die spitzen Zähne abgezwickt werden. Bruder Eduard übergab mir diese Aufgabe, die ich mit Freuden ausführte. Er mochte mich, weil ich ihm auch bei einer anderen Aufgabe behilflich sein durfte. Bruder Eduard versorgte die Zentralheizung. Täglich musste er den Ofen mit Koks beschicken, am Morgen er selber und ich in der Arbeitszeit. Dabei befreite ich den Ofen von Schlacke und Asche und schaufelte vom hinteren Teil des Kellers neue Kohle für den anderen Morgen. Für diese Tätigkeit wurde ich belohnt, indem mir das Amt des Bibliothekars übergeben wurde.