Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

P. Hochheimer

Trauer um Pater Josef Hochheimer

Nachruf in Hohenzollerischen Zeitung vom 22.4.2022 von Wilfried Selinka

Der 82-jährige Priester hat 40 Jahre in Afrika gewirkt und stets den Kontakt zu seiner Heimatstadt Haigerloch gepflegt.

Haigerloch/Hechingen. Die Kleine Gemeinschaft der Afrikamissionare „Weiße Väter" in Hechingen muss Abschied nehmen von ihrem Mitbruder Pater Josef Hochheimer, der überraschend am Abend des Ostermontags im 83. Lebensjahr in Hechingen gestorben ist. Am Morgen des zweiten Osterfeiertages feierte er noch die heilige Messe im Altenheim St. Josef in Haigerloch und besuchte am Nachmittag zusammen mit seinem Bruder Heinrich seine Cousine.
Geboren ist Pater Josef Hochheimer am 22. Juli 1939 in Haigerloch als jüngster von drei Söhnen von Schmiedemeister Heinrich Hochheimer und Franziska, geborene Eith. 1952 trat er in die damalige Missionsschule der WeiBen Väter in Haigerloch ein. Weitere Stationen seiner Schul- und Studienzeit waren Zaitzkofen und Großkrotzenburg, wo er sein Abitur ablegte. Es folgte das Studium der Philosophie in Trier gefolgt vom Noviziat in Gap und abschließend dem Theologiestudium in Frankreich.
Am 2. Juli 1966 erhielt Pater Hochheimer mit weiteren sieben Weißen Vätern in Frankfurt Seckbach die Priesterweihe, bei der außer der Familie auch die damaligen Ministranten aus Haigerloch anwesend waren. Der Jungpriester und Missionar stellte sein Leben unter das Wort aus dem Johannes-Evangelium. „Gott ist die Liebe - Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er sie richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wer- de".
Nach der Priesterweihe und nachfolgender Primiz in der Schlosskirche seiner Heimatpfarrei Haigerloch erhielt er zunächst den Auftrag, im Internat in Linz am Rhein den erkrankten Schulleiter zu vertreten. Nach zwei Jahren, im Oktober 1968, wurde er dann endlich nach Westafrika in die Diözese Nouna im heutigen Burkina Faso entsandt. Sein Aufenthalt dort wurde von 1984 bis 1989 unterbrochen, weil er als Verantwortlicher der Philosophiestudenten zu den Weißen Vätern in Trier gerufen worden war.
Zurück in Burkina Faso wirkte er als Vizeprovinzial für die Weißen Väter in Burkina, Niger, Tschad und Elfenbeinküste. Hochheimers Aufgabe war es, seine Mitbrüder zu begleiten, den Kontakt mit den Lokalkirchen zu halten und diese in ihren Aufgaben zu fördern.
Nach sechs Jahren kehrte er in seine frühere Pfarrei „Tansilla" zurück. Als die Pfarrei 2009 dem einheimischen Klerus übergeben wurde, wirkte Pater Hochheimer noch vier lahre in der Stadt Koudougou als Studentenseelsorger, Beichtvater und geistlicher Begleiter vieler jungen Menschen.
Pater Josef Hochheimer hat in Afrika vier Jahrzehnte segensreich gewirkt und dort mehrere Pfarreien aufgebaut. Durch die Verleihung eines Verdienstordens anerkannte auch die Regierung von Burkina seine gute Arbeit für die Bevölkerung. Bei einem seiner Besuche in Haigerloch hat der Verstorbene einmal gesagt:

Die afrikanische Kirche hat mein Leben geprägt - nach außen arm, im Inneren aber reich an Freude und Glück
. 2013 kehrte Hochheimer 74-jährig zurück nach Trier, wo er zum Hausgeistlichen und Oberen der Weißen Väter und Weißen Schwestern im Seniorenzentrums der Barmherzigen Brüder ernannt wurde. Beim St.-Anna-Wallfahrts-fest 2016 feierte der Verstorbene in Haigerloch zusammen mit dem afrikanischen Bischof Josef Sama aus Burkina Faso sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Bischof Sama damals:
Wir in unserer Diözese haben Pater Iosef viel zu verdanken. Wir danken aber auch für die vielfältige geistige und materiel- le Unterstützung, vor allem aus den Heimatpfarreien der Afrika- missionare.
Als Pater Hochheimer im Jahr 2019 80 Jahre alt wurde, kam er zu seinen Mitbrüdern nach Hechingen, wo er noch gerne in den umliegenden Pfarreien aushalf.
„Sepp", wie man ihn nannte, war „Missionar mit Leib und Seele" von der Bevölkerung geliebt und von seinen Mitbrüdern sehr geschätzt. Dankbar zeigte sich der Verstorbene auch stets für die Unterstützung seiner Arbeit in Afrika, vor allem auch durch seine Schulkameraden, Jahrgänger sowie mit ihm verbundene Haigerlocher Familien.
Das Seelenamt ist am Montag, 25. April, 14 Uhr, in der St. Anna Kirche in Haigerloch mit Maskenpflicht in der Kirche, anschlieBend Beerdigung auf dem Haigerlocher Friedhof.

Wilfried Selinka




Zu diesem Nachruf erschien in der selben Zeitung auch ein sehr berührender Leserbrief von Dr. Jürgen Lehmann, Hechingen

HZ 26.4.2022

Ein väterlicher Freund

Zum Tode von Pater Josef Hochheimer:
„Ich komme nicht mehr runter" So verabschiedete sich Pater Hochheimer am Ostermontag von seinen Brüdern. Die letzten Worte am Ende eines bewegten Lebens. So normal, so pragmatisch. So bescheiden und uneitel. Man hätte gerne „ Adieu gesagt, wie er es selbst zu tun pflegte. Zurück bleibt die Erinnerung an einen wunderbaren Menschen, jemand. der sich nie wichtig nahm. aber seine Sache mit Zielstrebigkeit und Leidenschatt verfolgte. Mit warmer Freundlichkeit und gerne für einen Spaß bereit.
Er konnte reden - für einen WeiBen Vater wichtig: nach vielen Jahren im französischsprachigen Westafrika mit charmantem französischen Akzent. Mehr noch ließ er die Mitmenschen spüren, was er wollte. Die Sprache der Gesten und Augenblicke schufen Verbindendes. Auch in der neuen Welt berührte er die Herzen der Menschen. Immer schwärmte er von seiner Arbeit in seiner Gemeinde Tanzilla. Ein kleines Dorf in der Savanne, dort war er angekommen.
Er lebte mit den Menschen, missionierte und respektierte das Gewachsene. Die „Inkulturation" war seine Leidenschaft, den Glauben vermitteln und die Traditionen der Naturreligion respektieren. Sein bester Freund dort war der „Seher", der Vertreter der Naturreligion. Offenheit im Denken und im Herzen - beim Gottesdienst und beim gemeinsamen Hirsebier.


P. Hochheimer
Pater Hochheimer zu Tisch mit Freundenin seiner zweiten Heimat Burkina Faso.
Foto: Lehmann

Gerne zeigte er Freunden und Gästen aus der Heimat seine reiche Welt in einem der ärmsten Länder der Welt. Viele herzliche Begegnungen in einem gewachsenen Netzwerk zwischen Glaubensverkündigung und kargem Leben, zwischen spröden landschaftlichen Reizen und der Herzlichkeit der Menschen.
Unsere Wege haben sich seit 1992 immer wieder gekreuzt. Vom ersten Augenblick unseres Kennenlernens empfand ich großen Respekt und Sympathie. Als er 2012 während der Rundreise durch Burkina Faso in seinem alten Opel Astra anbot, ihn einfach „Sepp" zu nennen, fiel es mir sehr schwer. Wie kann ich einen würdigen Menschen so ansprechen?
Dies war die Seite seiner Persönlichkeit, die ihn besonders auszeichnete: Er war der Arbeiter im Weinberg Gottes - er wählte den mit Sand und Steinen!
Adieu Sepp - wir treffen uns bestimmt nochmal!

Dr. Jürgen Lehmann. Hechingen