Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Bruder Jodok - unvergessen

von Hajo Stenger

1 Ja, bei meinem letzten Besuch im Oktober 2016 in Haigerloch stand ich vor der großen Totentafel mit den zahlreichen Gedenkbildchen im Gang vor der Kapelle und ließ meinen Blick über die einzelnen Namen schweifen: Einige von uns Gegangene kannte ich nur namentlich, andere habe ich persönlich erlebt, damals vor vielen Jahren in irgendeinem Missionshaus. So blieb mein Blick an einem Bildchen hängen, darauf abgebildet ein seriös wirkender älterer Herr im Porträt, die Haare ordentlich nach hinten gekämmt; bekleidet mit Anzug, weißem Hemd und dunkler Krawatte. Der Mund war leicht zu einem Lächeln geöffnet; sodass die Erscheinung äußerst freundlich wirkte. Darunter steht: BRUDER PHILIPP WOLPERT, Afrikamissionar, geb. 4.1.1913 in Wachbach/Wttbg – gest. 13.2.1995 in Haigerloch. Ich dachte nach, der Name sagte mir nichts, aber das Gesicht kam mir recht bekannt vor. War das nicht …? Es ließ mir keine Ruhe und daraufhin habe ich kürzlich in Köln bei den Weißen Vätern angerufen, um mir Klarheit zu verschaffen. Da saß doch an der Pforte Bruder Alois Platz, den ich noch aus dem Noviziat in Hörstel 1966 kannte. Platz war damals Postulant gewesen.

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Abb. 1: Die Belegschaft von Hörstel 1966-1967; die damaligen Novizen mit den Patres; vorn links sitzend in Zivil Alois Platz, der zu dieser Zeit gerade sein Postulat dort begonnen hatte; in der ersten Reihe 4. von rechts Novizenmeister P. Schneider, wegen seiner unbändigen Arbeitswut Shuffle-Bock genannt

Er hat mir dann bestätigt, dass Bruder Wolpert nach dem Generalkapitel in Rom Ende der 50er Jahre seinen Familiennamen angenommen und somit seinen Ordensnamen abgelegt hatte. Wie bei vielen Orden und religiösen Gemeinschaften war es üblich, dass meist Brüder oder Schwestern mit der Profess einen besonderen Namen bekamen, währenddessen die Patres ihren Familiennamen behielten. Auch äußerlich gab es Unterschiede: Die Brüder der Weißen Väter trugen nur Gandura und Burnus, allenfalls noch die Scheschia; während die Patres noch den dreifachen Rosenkranz als doppelte Halskette trugen. Böse Zungen sagten damals gelegentlich: Die Brüder müssen den Rosenkranz beten – sie sollten täglich drei Rosenkränze beten - die Patres dürfen ihn tragen; sollten aber neben dem Brevier wenigsten einen Rosenkranz täglich beten. Diese Kleiderordnung änderte sich nach dem Kapitel und Brüder und Patres sahen nun bis auf einen kleinen Unterschied gleich aus: Das Kreuz des Rosenkranzes bestand bei den Brüdern nur aus schwarzen Perlen.


Nun, ich erinnere mich gern an Bruder Jodok, alias Wolpert; er war zuständig für alle Probleme im Haus und Keller; er war meist mit einem grauen Arbeitskittel gekleidet und ging freundlich grüßend, seine Arbeit verrichtend durch das Haus. Er war irgendwie Vorbild und Meister zugleich. Ich kann mich nicht an irgendeine unschöne Szene oder etwa einen Konflikt mit ihm erinnern. So war er wahrlich ein Missionar in der Heimat, der uns eher unbewusst zum Leitbild des Glaubensverkünders wurde. Sein Gedenken an ihn möchte ich nicht missen.

Stadecken, den 4.1.2017

Hajo Stenger