P. Karl Stärk
6.10.1932 - 9.3.2023
Karl wurde am 6. Okt. 1932 in der oberschwäbischen Kur- und
Bäderstadt Bad Saulgau als zweitältester der sechs Söhne und einer
Tochter des Ehepaares Dominikus und seiner Frau Maria, geb.
Rundel, geboren. Sein Vater war von Beruf Maschinenarbeiter. Er
wurde zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Soldat, kam in
Kriegsgefangenschaft und wurde aus ihr erst mehrere Jahre nach
Kriegsende entlassen. Karl musste während der Schulferien Geld
verdienen, um die Mutter zu unterstützen, sowie später, um das
Schulgeld aufzubringen.
Karl wurde 1939 in die Volksschule in Saulgau eingeschult. 1943 wechselte er auf das
Gymnasium in seiner Heimatstadt. Ab April 1949 war er Schüler des Progymnasiums der
Weißen Väter in Zaitzkofen und ab April 1951 des Gymnasiums in Großkrotzenburg, wo er
im März 1955 das Abitur bestand. Schon früh hatte sich Karl für die Mission entschieden, so
dass er 1955 um Aufnahme in das Ausbildungshaus der Weißen Väter in Trier bat. Im
September begann er sein Noviziat in Alexandria, USA, und machte seine theologischen
Studien in Eastview, Ottawa, Kanada. Dort legte er auch am 25. Januar 1961 seinen
Missionseid ab und wurde dort am 18. Juni 1961 zum Priester geweiht.
Seine erste Ernennung war nach Ruanda und er belegte von März bis August 1962 den
Sprachkurs in Save. Anschließend arbeitete er bis 1968 in der Diözese Kabgayi in den
Pfarreien Nyarubuye und Zaza. In den jeweiligen Gemeinschaften war Karl als Ökonom tätig,
eine Tätigkeit, die seinen Fähigkeiten entsprach. Schon während des Gymnasiums in
Großkrotzenburg war er als „Arbeitsminister“ tätig und seine Lehrer bescheinigten ihm ein
besondere organisatorische Talent. Die Mitarbeit in der pastoralen Arbeit war für ihn eher
eine Herausforderung. Karl war lieber ein stiller Begleiter als ein inspirierender Animator.
Im Januar 1969 unterbrach er sein aktives Leben in Ruanda. Die deutsche Provinz brauchte
Mitbrüder, die sich in der missionarischen Bewusstseinsbildung engagierten. Er gehörte zur
Gemeinschaft in Haigerloch und war in seinen heimatlichen Gefilden in der Propaganda, wie
es damals hieß, tätig. Er predigte in den Pfarreien und erzählte in den Schulen im
Religionsunterricht von seiner Arbeit in Afrika.
Im November 1971 kam Karl wieder nach Ruanda und arbeitete in der Diözese Nyundo für
zwei Jahre in den Pfarreien in Gisenyi und Kibungo. Aus gesundheitlichen Gründen rieten
ihm die Ärzte 1973, sich in Deutschland behandeln zu lassen. Die Behandlungen stellten sich
als schwierig heraus und Karl blieb bis 1978. Um den Aufenthalt zu nutzen, wurde er Vikar in
den Pfarreien Rechberghausen und Zwiefalten im Schwabenland. Anschließend war er jeweils
zwei Jahre in der Gemeinschaft in Dillingen sowie in Walpersdorf in Österreich. An beiden
Orten war Karl in die missionarische Bewusstseinsbildung eingebunden.
Karl wurde 1979 erneut nach Afrika ernannt, jedoch nicht mehr nach Ruanda, sondern nach
Burundi in die Diözese Ruyigi, in die Pfarrei Gisuru. Nach nur zwei Jahren musste er
gesundheitsbedingt wieder nach Deutschland zurück und wohnte während der Behandlung in
der Gemeinschaft in Hörstel. Im Oktober 1986 kam er nach Burundi zurück und arbeitete in
der Pfarrei Muremera. Er hatte keine Zeit, sich einzurichten, denn im März 1987 wurde er
vom Prefekten der Region ohne jede Angabe von Gründen ausgewiesen.
Karl kam nach Deutschland zurück, übernahm im Juni 1987 das Ökonomat in Haigerloch
und wechselte im September 1993 nach Linz. Die Weißen Väter waren dort bekannt und er
hatte viele Gelegenheiten, Aushilfen in den Pfarreien der umliegenden Dörfer zu machen.
1994 orientierte sich Karl ganz neu. Aus Rom kam die Anfrage, ob er im Fotoarchiv im
Generalat mitarbeiten möchte. Karl stimmte zu und in den nächsten zehn Jahren sortierte und
ordnete er Fotos und Diapositive und recherchierte den Ursprung von Fotos ohne genaue
Angaben - eine Tätigkeit, in der er sich wiederfand.
Im Jahr 2005 beendete Karl diese Arbeit im Generalat und kehrte endgültig in die Heimat
zurück. Er wurde in die Seniorengemeinschaft in Haigerloch aufgenommen und zog mit ihr
Anfang 2018 in das Seniorenhaus in Hechingen. Trotz aller gesundheitlichen Schwierigkeiten
konnte Karl mit Genugtuung auf sein langes missionarisches Leben zurückblicken.
Seine Kräfte schwanden in den letzten Monaten und am 09. März 2023 entschlief Karl
friedlich im Beisein seiner Mitbrüder. Möge er seinen Frieden finden bei Gott.
Hans Vöcking
