P. Ernst Zender – zurückhaltend und unauffällig
Im Laufe eines Schülerlebens erleben die Eleven so manche Lehrerin, manchen Lehrer. Einige von
diesen Pädagogen bleiben irgendwie in guter Erinnerung, andere verschwinden fast
ganz spurlos aus dem Gedächtnis. Zur Gruppe der letzteren zählt P. Ernst Zender: Klein von
Gestalt und eher wortkarg wirft er nur einen kleinen Schatten in unsere Erinnerungslandschaft.
Wir hatten schon einige Schuljahre erfolgreich durchlaufen und waren in Großkrotzenburg am
Ende der Mittelstufe angekommen, da erhielten wir einen neuen Deutschlehrer, Herrn P. Zender. Er
hatte vor nicht allzu langer Zeit sein Germanistikstudium an der Uni in Frankfurt abgeschlossen
und begann nun bei uns seine Lehrtätigkeit. Gleichzeitig trat er in der Kreuzburg
in Konkurrenz zu einem etablierten Deutschpädagogen, der schon seit Jahren qualifiziert die
Unterrichtung der Muttersprache durchführte: P. August Freckmann (PAF). Über ihn ist an
anderer Stelle schon mehrfach ausführlich berichtet worden. Er war gleichsam eine Institution
in Haus und Schule. Da hatte es der junge P. Zender schwer, Fuß zu fassen. Sein Unterricht
war traditionell und verlangte seitens der Schüler einige Anstrengungen, um die Inhalte und
wesentlichen Gehalte der Germanistik zu erfassen. Ansonsten sollte er nun auch die seit Jahren
erfolgreichen PAFschen Theateraufführungen fortsetzen. Er inszenierte mit uns das Stück
DIE FREIHEIT DES GEFANGENEN von Edzard Schaper; dies war vom Inhalt her eher
ernst und tiefgründig religiös. Von daher passte es gut zur zenderschen Grundhaltung.
Abb. 1: Szenenbild aus Edzard Schapers FREIHEIT DES GEFANGENEN mit Albert
Schrenk (links) und Franz-Josef Eulenbach (†) im November 1962
Abb. 2: Klassenbild mit Klassenlehrer P. Zender
vor der Kreuzburg am 11.01.1963; auf
Abb. 3 v.l.n.r: Gustl Teichmann, Franz Lienen, Franz Scholz, Otto Martin, Franz-Josef
Eulenbach
(†), Hubert
Bonke (†), Theo
Stüer (†), Heiner Parusel (†), P. Zender
(†), Günther Mayer,
Rudi Schäfer, Albert
Schrenk, Hajo Stenger, Werner Wanzura, Franz Hohmann. Die Aufnahme wurde gemacht, als
Gustl und
Franz Scholz gerade
einen Skiurlaub mit
Günther Walter in
den Alpen hinter sich
hatten; man kann
noch bei ihnen die
Schneebräune erkennen.
Abb. 3: Klassenbild mit P. Zender
Besonders in Erinnerung ist mir noch die Planung unserer großen Klassenexkursion als Abschluss
der Mittelstufe. P. Zender bracht von sich aus eine mehrtägige Fahrt nach London ins
Gespräch. Das war für uns Schüler höchst interessant und spannend, denn damals waren Fahrten
nach England schon etwas Besonderes. Also machten wir uns mit großem Eifer an die
Planung; wozu natürlich auch die Berechnung der Kosten gehörte. Alles in allem kam doch
für jeden Einzelnen ein beträchtliches Sümmchen zusammen, was wohl dann auch die anderen Patres
des Hauses auf den Plan rief. Also sollten wir unsere für damalige Zeiten hochtrabenden Pläne
abspecken. P. Zender versucht mit allen Mitteln, uns den Zahn London zu ziehen, was ihm auch
letztendlich gelang. Wir gaben zähneknirschend unsere Exkursionsideen
nach Britannien auf. P. Zender sorgte für Trost. Er schlug eine Fahrt nach Berlin vor. Der
Mauerbau am 13. August 1961 hatte Berlin irgendwie interessant gemacht. Außerdem sollten
damals Schulfahrten in die alte deutsche Hauptstadt politisch gefördert werden. Auch diese
Idee mussten wir schon nach kurzer Zeit begraben: Berlin sei zu gefährlich, war die rasch
zitierte Begründung. Auch das war für uns Schüler in Anbetracht der Ereignisse damals
nachvollziehbar. Damit war auch das Alternativziel für uns gestorben. P. Zender gab sich dennoch
nicht geschlagen und machte uns als neue Zielsetzung den Vorschlag, eine Wanderung auf
den unweit gelegenen Hahnenkamm zu machen. Dies wurde letztendlich realisiert.
Abb. 4: Vor dem Eingang zum Römerkastell Saalburg; v.l.n.r. Franz Scholz, P. Zender, Heiner
Parusel, Hubert Bonke, Otto Martin, Franz-Josef Eulenbach, Werner Wanzura, Hajo Stenger,
Albert Schrenk, Josef Hück, Franz Lienen (verdeckt), Franz Hohmann, Theo Stüer, Rudi
Schäfer
Ein anderer schulischer Wandertag mit P. Zender ist mir noch im Gedächtnis: Wir fuhren im
Winter 1960-61 zur Saalburg in den Taunus. Bei eisiger Kälte ging’s zum Kastell und zurück.
Abb. 5: Totenbildchen
von P. Zender auf
der Tafel vor der
Kapelle in
Haigerloch
Auch das Foto auf dem Totenbildchen zeigt P. Zender so wie er im Leben war: ernst und
nachdenklich. Auch der zwanzigjährige Afrikaaufenthalt hat wohl nichts an dieser seiner
Grundhaltung verändert. Und so werde ich, werden wir ihn ganz blass, fast nur als Schatten in
Erinnerung behalten, obwohl er sich doch für uns und auch für Afrika nach Kräften eingesetzt
hat.
Hajo Stenger
Stadecken, den 09.01.2017
Im Laufe eines Schülerlebens erleben die Eleven so manche Lehrerin, manchen Lehrer. Einige von
diesen Pädagogen bleiben irgendwie in guter Erinnerung, andere verschwinden fast
ganz spurlos aus dem Gedächtnis. Zur Gruppe der letzteren zählt P. Ernst Zender: Klein von
Gestalt und eher wortkarg wirft er nur einen kleinen Schatten in unsere Erinnerungslandschaft.
Wir hatten schon einige Schuljahre erfolgreich durchlaufen und waren in Großkrotzenburg am
Ende der Mittelstufe angekommen, da erhielten wir einen neuen Deutschlehrer, Herrn P. Zender. Er
hatte vor nicht allzu langer Zeit sein Germanistikstudium an der Uni in Frankfurt abgeschlossen
und begann nun bei uns seine Lehrtätigkeit. Gleichzeitig trat er in der Kreuzburg
in Konkurrenz zu einem etablierten Deutschpädagogen, der schon seit Jahren qualifiziert die
Unterrichtung der Muttersprache durchführte: P. August Freckmann (PAF). Über ihn ist an
anderer Stelle schon mehrfach ausführlich berichtet worden. Er war gleichsam eine Institution
in Haus und Schule. Da hatte es der junge P. Zender schwer, Fuß zu fassen. Sein Unterricht
war traditionell und verlangte seitens der Schüler einige Anstrengungen, um die Inhalte und
wesentlichen Gehalte der Germanistik zu erfassen. Ansonsten sollte er nun auch die seit Jahren
erfolgreichen PAFschen Theateraufführungen fortsetzen. Er inszenierte mit uns das Stück
DIE FREIHEIT DES GEFANGENEN von Edzard Schaper; dies war vom Inhalt her eher
ernst und tiefgründig religiös. Von daher passte es gut zur zenderschen Grundhaltung.
Besonders in Erinnerung ist mir noch die Planung unserer großen Klassenexkursion als Abschluss der Mittelstufe. P. Zender bracht von sich aus eine mehrtägige Fahrt nach London ins Gespräch. Das war für uns Schüler höchst interessant und spannend, denn damals waren Fahrten nach England schon etwas Besonderes. Also machten wir uns mit großem Eifer an die Planung; wozu natürlich auch die Berechnung der Kosten gehörte. Alles in allem kam doch für jeden Einzelnen ein beträchtliches Sümmchen zusammen, was wohl dann auch die anderen Patres des Hauses auf den Plan rief. Also sollten wir unsere für damalige Zeiten hochtrabenden Pläne abspecken. P. Zender versucht mit allen Mitteln, uns den Zahn London zu ziehen, was ihm auch letztendlich gelang. Wir gaben zähneknirschend unsere Exkursionsideen nach Britannien auf. P. Zender sorgte für Trost. Er schlug eine Fahrt nach Berlin vor. Der Mauerbau am 13. August 1961 hatte Berlin irgendwie interessant gemacht. Außerdem sollten damals Schulfahrten in die alte deutsche Hauptstadt politisch gefördert werden. Auch diese Idee mussten wir schon nach kurzer Zeit begraben: Berlin sei zu gefährlich, war die rasch zitierte Begründung. Auch das war für uns Schüler in Anbetracht der Ereignisse damals nachvollziehbar. Damit war auch das Alternativziel für uns gestorben. P. Zender gab sich dennoch nicht geschlagen und machte uns als neue Zielsetzung den Vorschlag, eine Wanderung auf den unweit gelegenen Hahnenkamm zu machen. Dies wurde letztendlich realisiert.
Ein anderer schulischer Wandertag mit P. Zender ist mir noch im Gedächtnis: Wir fuhren im Winter 1960-61 zur Saalburg in den Taunus. Bei eisiger Kälte ging’s zum Kastell und zurück.
Auch das Foto auf dem Totenbildchen zeigt P. Zender so wie er im Leben war: ernst und nachdenklich. Auch der zwanzigjährige Afrikaaufenthalt hat wohl nichts an dieser seiner Grundhaltung verändert. Und so werde ich, werden wir ihn ganz blass, fast nur als Schatten in Erinnerung behalten, obwohl er sich doch für uns und auch für Afrika nach Kräften eingesetzt hat.
Hajo Stenger
Stadecken, den 09.01.2017