Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten
P. Adolf Pottrick
Nachruf in der Hohenzollerischen Zeitung von Wilfried Selinka
Hohenzollerische Zeitung, Donnerstag, 4. August 2022
Weißer Vater mit
Wurzeln in Weildorf
Pater Adolf Pottrick ist im Alter von
82 Jahren im Hechinger Marienheim, dem
Ruhesitz der Weißen Väter, gestorben.
Foto: Wilfried SelinkaHaigerloch/Hechingen. Adolf Pottrick, Missionar und Weißer Vater, bekannt
in seiner ruhigen Art als ausgleichende Persönlichkeit, ist verstorben. Seine menschlichen Qualitäten
wurden gebraucht und waren geschätzt in der Missionsarbeit in Tanzania, später in Köln in der
Berufsverbung und bald darauf in der Finanzverwaltung. Die Mutter des Verstorbenen und die Geschwister
kamen in den Folgen des Zweiten Weltkriegs als Flüchtlinge von Ostpreußen nach Weildorf. Sie hatten
großes Glück, denn bald erkannten die Weildorfer die guten Qualitäten der fremden Familie und der
Verstorbene wurde in der Familie Hurm adoptiert, die für ihn zu seiner „psychologische" Familie wurde.
Bereits in der Jugend erwachte in dem Verstorbenen der Wunsch, Afrikamissionar zu werden. Deshalb trat
er ins Missionshaus der Weißen Väter in Haigerloch ein, machte später sein Abitur mit anschließenden
Studien und wurde 1968 zum Priester geweiht.
Geheimnis aus Jugendjahren
Bei seiner Primiz in Weildorf plauderte er ein bisher gehütetes Geheimnis aus: Er erzählte, wie er als
junger „Lausbub" mit seine Altersgenossen an der Dorfkirche große Steinbrocken die frisch sanierte
Treppe aus weichem Sandstein Treppe hinunter rollen ließen und ihren Spaß an den hüpfenden Steines
hatten. Diese aber wurden durch den Unfug schwer beschädigt. Am folgenden Sonntag habe der damalige
Pfarrer von der Kanzel deswegen ein „Donnerwetter“ losgelassen. Die Übeltäter konnten trotz aller
Nachforschungen nie ausfindig gemacht werden bis zu Pottricks „Beichte" bei seiner Primiz.
Noch im Jahr 1968 wurde der junge Missionar von seinen Ordensoberen nach Tanzania ernannt. Dort diente
er von der Pike auf und arbeitete nach und nach in verschiedenen Pfarreien. Bei all der vielen Arbeit
gelang es ihm, immer einen kühlen Kopf zu bewahren. Das blieb auch von seinen Superioren nicht unbemerkt
und so wurde er 1987, mit 47 Jahren, mit der Aufgabe betraut, in allen Pfarreien die entstehenden
Spannungen zu beobachten und, wenn nötig, den einen oder andern Mitbruder zu versetzen. Das brauchte
viel Taktgefühl, um niemand zu verletzen.
Darüber hinaus suchte man in Deutschland jemanden, der die Begabung hatte, junge Leute für die Arbeit
der Weißen Väter zu gewinnen. Das war in den schwierigen Jahren 1976 bis1979, nachdem die 68erGeneration
die Stimmung der Jugend sehr antikirchlich beeinflusst hatte. Adolf Pottrick konnte leider nicht viele
Jugendliche für den Orden gewinnen, aber viele engagierten sich nachher in ihren Heimatgemeinden als
Gemeindereferenten oder in ähnlichen Diensten.
1998 ernannte man ihn nach Köln in die Zentrale der deutschen Weißen Väter für die Finanzverwaltung. Er
belächelte oft sich selber, dass er im Abitur nur eine Vier in Griechisch errang, aber rechnen konnte.
In seiner Ära schloss iedes lahr mit einer positiven Bilanz. Seine Sparpolitik konnte er immer so
ausgleichen, dass jeder Mitbruder das Nötige hatte und niemand benachteiligt wurde.
Unvergessen: das Wolgalied
Als er 2007 von dieser Tätigkeit frei kam, wollte er zunächst wieder zurück in die Mission nach
Tanzania. Sieben Jahre später kam er nach Haigerloch in den wohlverdienten Ruhestand. Er war dort der
Unterhaltungsmacher, wenn die Mitbrüder am Sonntagabend bei einem Glas Wein zusammensaßen. Adolf
Pottrick war auch ein sehr guter Sänger. In seinem Ruhestand wurde er nach Bittelbronn und Weildorf
eingeladen, das Wolgalied zu singen, was ihm viel bedeutete.
Das Requiem für den Verstorbenen ist am morgigen Freitag, 5. August, 9 Uhr, in der St. Anna Kirche mit
anschließender Beerdigung auf dem Friedhof in Haigerloch.