Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Totengedenken – P. Rudolf Schnez

BumillerEs gibt Menschen, die vergisst man schnell und das, obwohl man doch fürwahr viel mit ihnen zu tun hatte, mit ihnen gearbeitet hatte, in ihrer Nähe gelebt hatte. So gibt es Lehrer, Kollegen, die man schnell aus dem Gedächtnis entfallen lässt. Mit den Patres, mit denen man Tage, Wochen, Monate, Jahre unter einem Dach im Missionshaus verbracht, verbindet mich irgendwie ein Band, zumal dann, wenn es Berührungspunkte gegeben hat. Dies war natürlich primär bei denen der Fall, die uns – wenigsten zeitweise - unterrichtet haben. Als ich bei unseren letzten Klassentreffen sinnierend aus der Kapelle im ersten Stock des Missionshauses in Haigerloch kommend in Richtung Treppe schritt, fiel mein Blick immer wieder gleich auf die links aufgehängte große Gedenktafel, die an die Brüder und Schüler der Weißen Väter, die im ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben, erinnert.

Totengedenken
Abb. 1:Kunstvoll geschnitzte Gedenktafel zur Erinnerung an die im ersten Weltkrieg gefallenen Brüder und Schüler der Weißen Väter; die beiden Bildtafeln rechts und links listen die im zweiten Weltkrieg verstorbenen Brüder, Schüler, Patres und Fratres auf.


Der Zwischenraum zwischen den nächsten beiden Türen – diese führen zu Patreszimmern – ist seit einigen Jahren mit einer neuen Gedenktafel ausgefüllt, die sich freilich viel schlichter und übersichtlicher zeigt als die älteren Tableaus. Hier hängen Gedenkbildchen, der in letzter Zeit verstorbenen Mitglieder der Weißen Väter. Die meisten sind in dem inzwischen zum Altersheim umfunktionierten Missionshaus gestorben. Unwillkürlich schaue ich als Ehemaliger freilich auf diese Memorienbildchen mit den Porträts der Dahingeschiedenen. Und sofort stellen sich in meinem Kopf Erinnerungen ein.

Totengedenken
Abb. 2:Moderne Toten-Gedenktafel; hier befinden sich die Gedenkbildchen der in den letzten Jahren verstorbenen Weißen Väter.


Da ist beispielsweise das Erinnerungsbildchen an P. Rudolf Schnez. Er hat damals in Haigerloch u.a. als Lehrer gewirkt: Sport und Mathe. Schnez galt als besonders sportlich. An seiner ganz speziellen Gangart, die ich nicht zu beschreiben vermag, aber irgendwie an militärisches Paradieren erinnerte, war er schon von weitem erkennbar. Sein Bruder Albert war deutscher Offizier der Reichswehr, der Wehrmacht und der Bundeswehr und diente zuletzt von 1968 bis 1971 im Rang eines Generalleutnants des Heeres als dessen Inspekteur. Dieses militärische Führungswesen muss wohl in der Familie Schnez gelegen haben (bei Wikipedia nachzulesen) und sich irgendwie auch auf seinen Bruder Rudolf ausgewirkt haben. Daher wurde er auch oft Generalissimus Schnez genannt. Nur ganz selten hat er aber von seinem „berühmten“ Bruder gesprochen. Schüler, die ihm negativ aufgefallen sind, hat er gern als „Schluri“ betitelt.

Totengedenken
Abb. 3:Sonntäglicher Rundgang mit P. Schnez über den Hof, vor dem Küchenfenster. Da wurde dann über Gott und die Welt gequatscht und schnell bildete sich eine „Fangemeinde“ um P.Schnez; hier v.r.n.l. P. Schnez mit Burnus und Scheschia /Fez), Günter Baur, Hajo Stenger, ? Bronner.


Schnez
Abb. 4: Sterbebild von P. Schnez; das Foto zeigt ihn, wie er war: liebenswürdig, freundlich und zurückhaltend

In der Regel gab es sonntags mittags sog. „Freistudium“, da durfte man dann in die Klassenräume (sub silentio!) oder sich im Freien aufhalten. Ansonsten war P. Schnez ein beliebter Gesprächspartner für uns Schüler, obgleich er im Grunde eher zurückhaltend war. Man konnte eigentlich mit ihm über alles reden, er wählte seine Worte mit Bedacht. Eine gewisse Zackigkeit ließ die Nähe zum Soldatentum erkennen. Oft haben wir ihn diesbezüglich angesprochen; er ist aber nicht so gern darauf eingegangen. Ich erinnere mich auch noch an den Sportunterricht bei ihm. Meist fand dieser in der Wandelhalle neben dem Sportplatz statt. Nach einem kleinen Dauerlauf rund um das Haus wurden dann an Bock, Kasten oder Barren entsprechenden Übungen absolviert. Wenngleich Schnez in zünftigem Trainingsanzug auftrat, so überließ er das Vorturnen doch meist irgendwelchen routinierten Mitschülern. Obwohl er mit damals knapp 50 Jahren noch in der Blüte seines Lebens stand, war Geräteturnen wohl nicht so seine Sache. P. Schnez gehört zu der Generation der Weißen Väter, die die afrikanische Mission nur vom Hören-Sagen gekannt haben und ihre Lebensaufgabe bestand in der Rekrutierung künftiger Missionare. Darüber hat er meines Wissens eigentlich nie geklagt, sondern immer still und hingebungsvoll seinen alltäglichen Dienst verrichtet. Gelegentlich war er zu gottesdienstlichen Aushilfen unterwegs. Als (wöchentlicher) Beichtvater war er beliebt, wohl auch deswegen, weil er auf lästiges Nachfragen bei der confessio in der Regel verzichtet hat.
P. Schnez war ein wahrer miles christi, einer, der ohne viel Tam-Tam ohne Aufregung und Unruhe seinen Weg gegangen ist, in aller Bescheidenheit und in aller Aufrichtigkeit. Und so war er ein echtes Vorbild für alle, die ihn kannten und schätzen. Er ist lebendig in meiner Erinnerung und ich werde seiner in Ehren gedenken.

Hajo Stenger Stadecken, den 3.1.2017