Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

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Nonstop-Lauf von Ochsenhausen nach La Fère

Partnerstädte vertiefen Beziehung durch sportliches Highlight

In dieser Rubrik erscheinen Berichte über Aktivitäten ehemaliger Klepfer nach dem Weggang von den Weißen Vätern. Es sind in der Regel karitative, interessante Aktivitäten, die auch ein Zeugnis für die Prägung durch die Zeit bei den Weißen Vätern sind. Hier berichtet Hans Geisinger über einen spektakulären "Nonstoplauf" von Ochsenhausen nach La Fère nordöstlich von Paris.

Hintergrundinformation zu der Partnerschaft

Nach den Erfahrungen der schrecklichen Weltkriege ist die Verständigung über Sprach- und Ländergrenzen hinweg in Ochsenhausen seit langem ein Anliegen. Bereits seit dem Jahr 1980 pflegt die Stadt partnerschaftliche Beziehungen mit der französischen Stadt La Fere, die am Rande der Champagne gelegen ist.
Die offizielle Städtepartnerschaft mit La Fère besteht seit 1980. Rund 700 Kilometer beträgt die einfache Entfernung zwischen La Fère und Ochsenhausen. La Fère liegt in der Picardie am Rande der Champagne, etwa 120 Kilometer nordöstlich von Paris. Die Stadt hat etwa 3000 Einwohner und zählt zu den ältesten Städten im Nord-Osten Frankreichs.

Dem folgenden Bericht liegt ein Zeitungsbericht der Schwäbischen Zeitung zugrunde.:

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Die Ochsenhauser Crew unmittelbar vor dem Startschuss durch Bürgermeister Herold

Zehn Freizeitsportler der Leichtathletik-Abteilung aus Ochsenhausen hatten sich ein außergewöhnliches Ziel gesetzt: Sie wollten die rund 720 Kilometer bis nach La Fère, der französischen Partnerstadt Ochsenhausens, laufend zurücklegen – nonstop, Tag und Nacht, bei Wind und Wetter.

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Die Strecke führte durch den Schwarzwald, über die Vogesen, durch Lothringen und die Champagne. Rund 65 Stunden waren die Läufer unterwegs. Sie wechselten sich auf den Landstraßen ab, liefen bergauf und bergab und wurden dabei von zehn Fahrern begleitet und versorgt. Am Ende erreichte die gesamte Gruppe gemeinsam La Fère. Das „Unternehmen La Fère“ war gelungen – vor allem dank einer hervorragend organisierten Teamleistung.

Der Startschuss fiel am Freitag, dem 3. Juli 1987, morgens um zehn Uhr auf dem Marktplatz in Ochsenhausen. Bürgermeister Herold schickte den Tross auf die Reise: zehn Läufer und zehn Begleiter, verteilt auf drei Campingbusse und zwei Pkw. Jeder Läufer war jeweils etwa eine Stunde unterwegs, bevor er vom nächsten abgelöst wurde.

Das organisatorische Rückgrat der Unternehmung bildeten die drei Campingbusse. Jeder Bus war mit drei Läufern und zwei Fahrern besetzt. Innerhalb von drei Stunden legte die jeweilige Mannschaft etwa 35 Kilometer zurück, anschließend übernahm die nächste Crew. So entstand ein fester Rhythmus aus drei Stunden Einsatz und sechs Stunden Pause.

Eine besonders wichtige Rolle spielten dabei die Fahrer. „Sie behielten den Läufer immer im Auge“, erinnerte sich Franz Baur, „und kontrollierten ständig seine körperliche Verfassung.“ An unübersichtlichen oder schwierigen Stellen wiesen sie zudem den richtigen Weg.

Auch für die Verpflegung war bestens gesorgt. Drei campingerfahrene und kartenkundige Ehepaare kümmerten sich unterwegs um die hungrigen Sportler. „Es gab alles, vom Müsli bis zu Schweinelendchen“, lobte Erich Mohn die Versorgung.

Zu den größten Herausforderungen gehörte die Überquerung der Vogesen. Besonders hart traf es Hans Geisinger: Seine zehn Kilometer lange Etappe führte praktisch nur bergauf. Franz Baur, neben Helmut Gaibler einer der „Männer für alle Fälle“, zog bereits Sporthose und Laufschuhe an und bereitete sich darauf vor, Geisinger auf den letzten Kilometern abzulösen. Doch als Baur startklar war, hatte Geisinger den Anstieg bereits aus eigener Kraft geschafft.

Trotz aller Strapazen blieb die Stimmung hervorragend. „Man merkte einfach, dass es klappte“, erinnerte sich Erich Mohn. Die Strecke war sorgfältig vorbereitet worden, und auch die Radfahrer, die nachts neben den Läufern herfuhren, bewährten sich. Sie schützten sie vor vorbeifahrenden Autos, leisteten Gesellschaft und sorgten dafür, dass niemand allein durch die Dunkelheit laufen musste. Zusätzlich trugen die Läufer Leuchtstäbe bei sich, um besser gesehen zu werden.

Nachdem die Gruppe Lothringen, die Schlachtfelder von Verdun und die Argonnen hinter sich gelassen hatte, erreichte sie einen Campingplatz. Dort gönnten sich die Teilnehmer erstmals etwas Ruhe – und natürlich auch ein Bier. Nur noch rund 90 Kilometer trennten sie nun von La Fère.

Am Montag ging es weiter. Da der offizielle Empfang im Rathaus von La Fère erst gegen 18 Uhr vorgesehen war, legte die Gruppe kurz vor dem Ziel noch eine Pause auf einem Reiterhof ein. Dort konnten sich alle frisch machen und für den gemeinsamen Einzug in die Partnerstadt vorbereiten.

Alfred Klumpp übernahm die letzte reguläre Etappe. Vom Ortsschild bis zum Rathaus jedoch liefen alle Teilnehmer gemeinsam. Dort überreichte Erich Mohn Bürgermeister Catalifaud eine Europaflagge – als „Zeichen der freundschaftlichen Beziehungen und der Verständigung zwischen den beiden Völkern“.

Damit war der sportliche Teil der Reise beendet. In den folgenden anderthalb Tagen wurden die Gäste aus Oberschwaben von ihren französischen Gastgebern herzlich empfangen und bestens bewirtet. Auf dem Programm standen Empfänge, Aperitifs, ein Museumsbesuch, eine Besichtigung der Feuerwehr und weitere Begegnungen mit den Freunden in La Fère.

Am Mittwochmorgen machte sich die Gruppe schließlich mit den Fahrzeugen auf den Heimweg.
Mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Jörg Hebel stieg auf sein Fahrrad und legte auch die rund 720 Kilometer zurück nach Ochsenhausen aus eigener Kraft zurück.





Und so sieht das Unternehmen aus der Sicht der Franzosen aus (Zusammenfassung)

720 Kilometer zu Fuß – für die Freundschaft


Eine außergewöhnliche Aktion sorgte in der französischen Partnerstadt La Fère für große Aufmerksamkeit: Sportler aus Ochsenhausen machten sich auf den Weg, die rund 720 Kilometer lange Strecke zwischen den beiden Städten zu Fuß zurückzulegen. Der Lauf sollte jedoch weit mehr sein als eine sportliche Herausforderung. Er stand zugleich für die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich und für die lebendige Partnerschaft zwischen Ochsenhausen und La Fère.

Am Freitagmorgen gab Bürgermeister Max Herold vor dem Rathaus in Ochsenhausen das Startsignal. Die Läufer wollten die gesamte Strecke bewältigen und dabei nicht nur ihre Ausdauer unter Beweis stellen, sondern zugleich ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit setzen. Einer der Teilnehmer brachte es bei der Ankunft auf den Punkt: Natürlich gehe es zunächst um den Sport, mindestens ebenso wichtig sei aber die menschliche und politische Bedeutung der Aktion.

Die Städtepartnerschaft war zu diesem Zeitpunkt längst mehr als ein offizielles Abkommen. Seit über zwanzig Jahren hatten sich zahlreiche persönliche Kontakte entwickelt. Aus ersten Begegnungen waren Freundschaften entstanden, die Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen miteinander verbanden. Gerade diese persönlichen Beziehungen galten als Grundlage dafür, dass die Partnerschaft dauerhaft Bestand haben konnte.

Die Strecke führte die Läufer durch Nordostfrankreich und die Champagne. Über Orte wie Reims, Laon und Vailly-sur-Aisne näherten sie sich schließlich La Fère. Unterwegs wurde die Gruppe immer wieder herzlich aufgenommen. Die französischen Gastgeber hatten die Reise aufmerksam verfolgt und sorgten dafür, dass die Besucher aus Deutschland nicht nur offiziell, sondern auch ganz persönlich willkommen geheißen wurden.

Nach der Ankunft in La Fère folgten zahlreiche Begegnungen. Im Rathaus wurden die Gäste empfangen, anschließend blieb viel Zeit für Gespräche, gemeinsames Essen und geselliges Beisammensein. Besonders deutlich wird in dem Bericht, wie selbstverständlich die Freundschaft inzwischen geworden war: Familien luden die Besucher zu sich nach Hause ein, es wurde gemeinsam gegessen, gesungen und gelacht. Aus einer kommunalen Partnerschaft war längst ein enges Netz persönlicher Beziehungen entstanden.

Auch der Abschied fiel entsprechend schwer. Bei einem gemeinsamen Aperitif wurde noch einmal deutlich, wie sehr sich die Menschen auf beiden Seiten verbunden fühlten. Gleichzeitig wartete auf die Läufer die Rückreise nach Ochsenhausen – nun allerdings deutlich bequemer: Statt erneut Hunderte Kilometer zu Fuß zurückzulegen, ging es mit dem Fahrrad oder dem Wohnmobil zurück.

Der außergewöhnliche Lauf von Ochsenhausen nach La Fère blieb damit weit mehr als eine sportliche Leistung. Die 720 Kilometer wurden zu einem eindrucksvollen Symbol dafür, was Städtepartnerschaften bewirken können: Sie bringen Menschen zusammen, überwinden Grenzen und verwandeln offizielle Kontakte in echte Freundschaften.