Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten
Die uns prägten: unsere Pauker
Lange habe wir überlegt, wie man wohl dieses kleine Kapitel unserer Weiße-VäterVergangenheit
überschreiben könnte. Worum es geht, resultiert freilich aus der Überschrift. Es soll um unsere
ehemaligen Lehrer und Lehrerinnen gehen. Darüber etwas zu Papier zu bringen, ist gar nicht so
einfach. Einerseits möchten wir uns nicht anmaßen, unsere ehemaligen Lehrer zu beurteilen, wie sie
es mit unseren Leistungen gemacht haben, andererseits kann eine solche Beschreibung nur subjektiv
sein, denn jeder hat die ehemaligen Pädagogen anders erlebt, gesehen, beurteilt. Daher kann das
Folgende niemals objektiv und allgemeingültig sein. Auch soll es kein „Nachtreten“, oder gar Rächen
an früheren Lehrern sein. Gewiss bleiben auch negative Erinnerungen lebendig, wenn man auch vielfach
sagt, die Zeit heilt alle Wunden. Genauso falsch wäre sicherlich, wenn man über alles den Schleier
des Gloriosen und Wunderbaren legen würde, im Sinne von Ach, war das doch alles sooo schön! Freilich
gilt der schon in der Antike benutzte Satz de mortuis nisi nihil bene auch heute noch. Unsere
früheren Lehrer dürften inzwischen fast alle im seligen Paukerhimmel sein. Dennoch gebührt ihnen
eine kleine Erinnerung, die wieder etwas aus früheren Zeiten lebendig werden lässt. Um Wertungen
beim Berichten auszuschließen, wollen wir unsere ehemaligen Pauker in zwei Gruppen einteilen und
dabei alphabetisch vorgehen: 1. Patres 2. weltliche Lehrer.
P. Gotthardt Dorn (* 23.12.1913 † 30.05.2002 in Linz, 89 Jahre)
P. Dorn haben wir als Ökonom in Erinnerung. Er war eigentlich sehr schweigsam und hat wenig erzählt,
weder von sich noch von anderen. Es hatte sich herumgesprochen, dass seine Eltern ein Café-Haus in
Königstein im Taunus besitzen. Soweit uns bekannt, war er wohl, bedingt durch die Kriegszeit, nie in
Afrika gewesen, sondern hat sein Leben in den Häusern der WeißenVäter in Deutschland verbracht. Wir
sehen ihn noch heute schnellen Schrittes mit leicht gesenktem Kopf durch die Gänge des Hauses
huschen.
Abb. 1:P. Dorn
Unterricht hat er kaum gehalten. Bei uns war das Religion in der Oberprima. Man konnte leicht merken,
dass das Unterrichten wohl nicht seine Sache war. Er kam in die Klasse und nach kurzem Gruß und Gebet
setzte er sich für die gesamte Stunde vorn ans Pult und begann die Texte unseres Unterrichtsbüchleins
Licht und Leben zu paraphrasieren. Dadurch wurde der an sich schon sehr theologisch-wissenschaftlich
gehaltene Inhalt auch nicht viel besser verständlich. Wir können uns nur noch an eine Geschichte
erinnern. Da erzählte P. Dorn von seiner Zeit als Sanitäter im Zweiten Weltkrieg und zwar wurde da ein
Mann ins Lazarett ein- 2
geliefert, dessen Verwundungen am Unterkörper so gravierend waren, dass seine Geschlechtsteile völlig
entfernt waren. Der Verletzte empfand das als so gravierend, dass er nicht mehr weiterleben wollte. P.
Dorn konnte überhaupt nicht verstehen, wie man wegen so einer Verletzung ein solches Theater machen
muss…
Eine andere kleine Episode ist Hajo auch noch im Gedächtnis. Es war vor dem Abendessen. Wir standen
schon aufgereiht an den Tischen im Speisesaal. Es gab grüne Heringe und Pellkartoffeln. Da Hajo Heringe
nicht essen kann und das Schälen der Pellkartoffeln am Tisch ihm auch nicht angenehm war, murmelte er
spontan, aber vernehmbar „Saufraß“ vor sich hin. In diesem Moment kam P. Dorn, aus der Küche zum
Patrestisch eilend, von hinten an ihm vorbei und hat Hajos Ausspruch wohl gehört. An diesem Abend war P.
Dorn Vertreter des Superiors und hatte seinen Platz in der Tischmitte. Es gab kein „Deo gratias“ und wir
lauschten der Tischlektüre. Hajo hatte sich ein paar Kartoffeln geschält und sie gerade verzehrt, da
schellt P. Dorn ab und sagte kurz: „Stenger raus“. Soweit er sich erinnert, hat Dorn ihn später nur
gefragt: „Weißt Du, warum ich Dich rausgeschickt habe?“
P. Friedrich (Fritz) Engelbert PENG (* 12.03.1913 † 21.08.1982 in Haan,
69 Jahre)
Abb. 2: P. Engelbert (PENG)
Lange bevor Hajo von Haigerloch in die Kreuzburg wechselte, hatte er P. Engelbert bereits
kennengelernt. Hajos damaliger Küster - er war früher Prokurist gewesen und war nun mit über 65
Jahren als hauptberuflicher Messner noch sehr aktiv - hatte sich in Hajos Heimatpfarrei Heilig Kreuz
in Frankfurt in besonderer Weise um seine ehemaligen Messdiener gekümmert. Als wir, Friedel May und
ich, dann 1956 zum ersten Mal von Haigerloch nach Hause in
die Sommerferien kamen, hat er mit uns eine Radtour nach Großkrotzenburg gemacht (ca. 30 km). Dabei
haben wir natürlich die Kreuzburg besichtigt. Hier haben wir u.a. P. Engelbert angetroffen, der
sogleich mit uns zum Kahler See gewandert ist. Ein weiteres Treffen mit PENG hat Hajo unter dem
Bericht über P. Gypkens geschildert. So waren PENG und Hajo bereits vor unserem regulären Eintreffen
in Großkrotzenburg nach dem Weißen Sonntag 1959 gut bekannt. Als wir dann in der Kreuzburg waren,
war PENG zeitweise unser Klassenlehrer und hat uns eigentlich die ganze dortige Schulzeit begleitet
als Lehrer für Mathe, Physik und Chemie. Irgendwann, ich glaube auf Obersekunda, regte er an, dass
wir uns dem Flugzeug-Modellbau widmen sollten. Dies ist dann auch geschehen und wir haben in unserer
Freizeit fleißig solche Flugzeuge gebaut. Da waren zunächst die Anfängermodelle, einfache Segler,
dann kamen irgendwann die Dieselmotormodelle. Hajo hat damals, zusammen mit Rudi Schäfer einen
silbernen Doppeldecker gebaut, der gute Flugeigenschaften hatte. Diese waren allerdings zu gut,
sodass dieses Fluggerät sich eines Tages selbstständig gemacht hat, weder zurückgekommen ist noch
aufgefunden werden konnte. Warum wir zu diesem Hobby angeregt wurden, ist uns bis heute nicht klar:
Es hatte nichts mit der künftigen Afrikamission zu tun und es förderte auch nicht die Frömmigkeit,
aber es war eine nette Abwechslung in dem monotonen Internatsleben.
PENG schien immer am Tun der Missionsschüler irgendwie interessiert zu sein. Nach dem Spaziergang
fragte er beispielsweise zweideutig ostentativ: „Wie war’s? Habt Ihr eine Fahne (oder einen Wimpel)
mitgebracht?“ Und PENG wusste viel über die einzelnen Eleven. Ob er dieses Wissen immer zum Wohl der
betroffenen Schüler angewandt hat, ist uns bis heute nicht klar.
Im Haus hatte PENG im Lauf der Zeit alle möglichen Pöstchen, wovon einer uns besonders in Erinnerung
ist: So war er für den kleinen Kaufladen vorn am Beginn des Ganges zu den Klassen- bzw. Studiensälen
zuständig und hat immer dafür gesorgt, dass alles, was Missionsschüler so brauchten, auch vorrätig
war. PENG war außerdem ein beliebter Beichtvater. Und beichten war für die Knaben jede Woche
angesagt. Und da musste man schon jemanden haben, der nicht viel nachgefragt, sondern schnell die
Absolution erteilt hat. Und das traf auf PENG zu. Wenngleich wir uns nicht erinnern können, dass
PENG jemals länger wegen Krankheit ausfiel, so hatte er doch ein uns unbekanntes Kriegsleiden, das
er geschickt zu verbergen wusste. Wenn einzelne Schüler nicht mit ihm zurechtkamen, dann lag das
meist an seinen Unterrichtsfächern: Mathe und Physik sind ja nicht jedermanns Sache, obwohl wir PENG
zugestehen müssen, dass er den jeweiligen Stoff uns recht gut erklären konnte, was uns sehr geholfen
hat. Die höhere Mathematik, Wahrscheinlichkeits-, Infinitesimal-, Differentialund Integralrechnung
in der Oberstufe wurden nur kurz gestreift – waren wir doch ein altsprachliches Gymnasium. Doch beim
Abitur ist es Hajo gelungen, die beste Mathearbeit mit der Note 1 zu schreiben. Und obwohl er damals
zwischen zwei und drei stand, hatte er die Vorschlagsnote drei. Folglich musste Hajo in die
mündliche Prüfung und sich der Kurvendiskussion stellen. Er kann sich da nur noch an die letzte
Frage erinnern: „Was kommt heraus, wenn man bei einer Sinuskurve das umschlossene untere Feld von
dem oberen abzieht?“ Die Antwort musste lauten 0; da Hajo diese nicht sofort, sondern erst nach
einigen Überlegungen gab, erhielt er in der Prüfung auch nur die Note drei, was dann zu einer drei
im Abizeugnis führte. Dies hielt und hält Hajo bis heute für unangemessen. Aber das war ihm egal,
wollte er ohnehin nicht Mathe studieren und hatte sich bereits auf Theologie eingestellt. Heute
sieht er das etwas anders und glaubt, dass dies eine Fehlentscheidung war, zumal er sich bei PENG 4
noch in einer Ein-Mann-Arbeitsgemeinschaft der elektronischen Tonerzeugung widmete, was ihm ohne
Prüfung die Note 1 in Physik einbrachte.
Predigen und Singen war nicht PENGs Sache; in diesen liturgischen Disziplinen hat er sich eher
zurückgehalten und den Kollegen den Vortritt gelassen. PENG war einer der Patres, die eigentlich
immer im Haus waren, meist bekleidet mit der Weiße-Väter-Gandura und dem Rosenkranz, mit einem
verschmitzten Lächeln, wie ihn das Foto zeigt.
PENG hat mit uns – es war eine Schülerauswahl u.a. durften Franz Scholz und Gustl Teichmann auch mit
- eine Skiausfahrt nach Hinterglemm bei Saalbach zusammen mit unserem Lateinlehrer Walter
organisiert. Es waren, soweit Gustl sich noch erinnern kann, noch zwei Plätze frei und es sollten
Jungs aus dem süddeutschen Raum daran teilnehmen dürfen. Gustl erinnert sich noch gut daran, dass er
in der Buckelpiste auf dem Zwölferkogel (?) gar nicht zu Recht kam und mehr lag als fuhr. Damals
hatte er auch keine vernünftige Skiausrüstung. Allerdings haben Walter und PENG dafür gesorgt, dass
er Skier (mit Stahlkanten) und Schuhe ausleihen konnte. Insgesamt hat Gustl an diesen Aufenthalt
noch sehr positive Erinnerungen. Abends hat die Gruppe in der Hütte, begleitet vom „Pfadi“ Walter
auf der Gitarre, jede Menge Lieder geträllert.
P. August Freckmann PAF (*05.04.1914 † 07.01.1998 in Linz, 84 Jahre)
Abb. 3:P. Freckmann (PAF)
PAF war, wie er auf dem Bild erscheint: korrekt, selbstbewusst, konsequent und zielstrebig. Sein
Deutschunterricht (in UII auch Latein, Französisch) war exakt geplant und gut aufgebaut. Zugegeben,
ihm haben wir doch einiges zu verdanken, auch unseren eigenen Deutschunterricht,– wir, Gustl und
Hajo, haben u.a. auch Deutsch unterrichtet – hat er beeinflusst. Besonders seine Systematik hat uns
es uns angetan. Dabei hat er mit „Brenners Deutscher Literaturgeschichte“ gearbeitet. Wir wussten,
wo wir dran war. Ich lernte dies später noch mehr schätzen, als wir Deutschlehrer hatten, die aus
diesem Fach gern eine bloße Erzähl- und Interpretationsstunde machten. Das „Interpretieren“ war für
die meisten Schüler damals ein Schreckgespenst. Dennoch ist es PAF gelungen, vielen von uns
zunehmend diese besondere Technik auf Grund seiner Hilfestellungen näherzubringen; dazu gehörte der
Umgang mit den sog. „W“-Fragen, die sich ebenso in den sog. PAFschen Regeln niederschlugen: quis,
quid ubi, cur, quomodo, quando…Oberflächlichkeit und Schnodderigkeit konnte er par tout nicht
ertragen. So hatten wir einen Schüler, Günter W., der seine Aufsätze immer recht schnell und zügig
hingeschrieben hat, entsprechend war auch sein Schriftbild. Eine schnoddrige Schrift konnte PAF gar
nicht leiden. Einmal sollten wir ein Stimmungsbild über den Herbst zu Papier bringen. Und da kam im
Text von Günter vor: „Die Bäume kräschzten…“. Die flotte, zügige Schrift des Schülers machte den
Text schwer lesbar. Und so las PAF dann ohne Namensnennung vor „Die Bämme krächsten“, die ganze
Klasse brach in tosendes Gelächter aus, war doch damit die ganze triste Herbststimmung hin, die
vermittelt werden sollte.
Abb. 4:Die Melodie von PAFs Krotzenburger-See-Song hat Rudi noch seiner
Erinnerungskiste gefunden. Der Text ist verschollen.
PAF war immer bemüht, keinen Schüler zu bevorzugen, bei PENG war das etwas anders. Gelegentlich
brachte er auch seine Gitarre mit und lehrte uns einen neuen Song, den er kreiert hatte. So erinnern
wir uns noch, dass er einmal ein neues Nikolauslied geschaffen hat: Nikolaus, komm in unser Haus und
teile Deine Gaben aus. Wie in Deinem Erdenleben willst Du Gnad‘ und Güte geben…Die dazugehörige
Melodie hat sich wie ein Ohrwurm bis heute, nach über 50 Jahren fest in Hajos Ohr eingebrannt. Auch
der Schlager „Am Sonntag will mein Süßer mit mehr segeln gehen“ bleibt uns unvergesslich. Ein
bisschen Schauspieler war und wollte PAF sein. Seine professionell eingeübten Theaterstücke und Gags
sind uns bis heute in bester Erinnerung und lösten bei den Zuschauern immer begeisterten,
uneingeschränkten Beifall aus. Was er gemacht hat, war professionell und gut. Wenn er etwas zu
kritisieren hatte, kam das meist im Unterton oder mit ordentlicher Begründung.
Ein anderer Song aus PAFs Feder hieß Hahalloho, wir fahren an den Krotzenburger See und du
verbrennst mir meine Haut, du verbrennst mein Herz, du meine Sonne… Leider ist der gesamte Text
nicht mehr bekannt. Allerdings hat Rudi Schäfer noch ein Liedblatt gefunden, da er damals an
Fastnacht diesen Song auf der Trompete begleitet hat.
Abb 5:PAF hat den Krotzenburger-See-Song für den Heiteren Theaterabend 1962
(siehe
gesonderter Bericht)geschaffen; auf dem Fahrrad: Jakob Weber und Klaus SchnabelAbb. 6:Die + an Fastnacht mit Iffland, Hück, Schäfer und Welde
Gut erinnern wir uns noch an eine Szene in der Faschingszeit abends vor dem Fernseher. Wir durften in
der Regel nur die Nachrichten des 1. Programms an einem Gerät in der Aula während der abendlichen
Erholung anschauen. Als Ausnahmen wurden uns gewisse ausgewählte Sendungen zugestanden. Dies musste
zuvor mit dem Superior oder dem Aufsichtspater abgeklärt werden. So war es auch eine Besonderheit,
dass wir eine Fastnachtssitzung schauen durften. Als zu unserer Freude plötzlich ein Ballett
auftrat, klatsche PAF in die Hände und rief laut und vernehmlich: „Ausschalten! Jetzt gehen wir ins
Bett!“ Am nächsten Tag erklärte er uns dann im Deutschunterricht, dass Ballett abends nur für
Eheleute gedacht sei, diese müssten nämlich entsprechende Anregungen erhalten… Honi soit qui mal y
pense.
PAF sollte dann später das Gymnasium Africanum aufbauen, was aber schließlich gescheitert ist (siehe
a.a.O.). Ich denke, er wäre ein guter Schulleiter gewesen, der seine Aufgaben mit bestem Erfolg
gemeistert hätte.
P. Karl Jetter (* 16.06.1911 † 20.05.1978 in Haigerloch, 67 Jahre)
Abb. 7: P. Jetter beim Klassenbucheintrag nach der Stunde
Betrachtet man diese Lebensdaten, fällt auf, dass P. Jetter eigentlich nicht alt geworden ist Wenn
wir an ihn denken, fallen uns drei Dinge ein, die wir unmittelbar mit ihm verbinden: weiße
BMW-Isetta, dicke Zigarren und Schachspielen. P. Jetter gehörte zu den wenigen Patres, die quasi ein
eigenes Auto besaßen und es auch alleine benutzten. Nahezu an jedem Wochenende war Jetter mit diesem
Gefährt unterwegs, um (Vertretungs) Gottesdienste irgendwo in der näheren Umgebung zu halten.
Gelegentlich ließ er eine Bemerkung über seine außerhäuslichen Aktivitäten fallen und wir erfuhren,
dass er bei diesem oder jenem Pfarrer zur Aushilfe war und dass er dort eine gute Zigarre bekommen
sowie ein Schachspiel gewonnen habe.
Gustl weiß, dass Pater Jetter, wenn er in seine Heimatstadt Hechingen kam, immer bemüht war, einen
Schachspieltermin mit dem Geislinger Pfarrer Münch, der früher auch Missionsschüler in Haigerloch
gewesen war, zu arrangieren. Auch Wanzura musste wie Gustl immer wieder gegen Jetter antreten. Wenn
sie gelegentlich gewannen, spendierte er dem Gewinner 1 DM.
Jetter war auch ein sehr guter Tischtennisspieler.
Wir taten uns schwer, ihn zu schlagen. Eine Niederlage hat er nicht gut verkraftet.
In der Kreuzburg war P. Jetter zuletzt Schulleiter und unterrichtete bei uns Griechisch. Wollte man
bei der Schulleitung nicht negativ auffallen, musste man also im Griechischunterricht etwas bringen.
Wir lasen damals Text aus der Odyssee, der Ilias und von Platon.
Die Unterrichtstunden liefen in der Regel nach einem gleichen Schema ab: Jetter trat selbstbewusst
und aufrecht ein, grüßte, sprach das übliche Gebet und dann hieß es: Wer kann den Text der letzten
Stunde wiederholen, natürlich auf Griechisch und das konnte nur einer, nämlich Heiner P. Er konnte
dann die 10 bis 20 Zeilen der Übersetzung aus der letzten Stunde aufsagen. Und da war natürlich auch
klar, wer der King in der Klasse war und die Note 1 im Abitur erhalten wird. Wir anderen quälten uns
mehr oder weniger recht als schlecht durch die antiken
Texte. Und wir erinnern uns noch gut, dass bei uns wie auch bei anderen Griechisch einen Großteil
der täglichen Hausaufgaben ausmachte; vor allem mit dem Bestimmen der Verbformen waren wir manchmal
bis zu zwei Stunden beschäftigt. Griechisch hatten wir bis zu 5 Stunden pro Woche. Jetter versuchte,
unser Interesse damit zu wecken, indem er besonders das Leben der Götter entsprechend ausmalte und
auch sonst durch kleine Episoden das Ganze etwas auflockerte.
P. Jetter war außerdem zuständig für den sonntäglichen gregorianischen Choralgesang. Dieser wurde in
der Kapelle am Samstagmittag eingeübt. Und Jetter ließ es sich nicht nehmen, gelegentlich schwere
Passagen vorzusingen. Er stand leicht dirigierend im Mittelgang; am Harmonium vorn rechts, später an
der Orgel spielte der Organist kräftig mit, sodass es meist auf Anhieb gelang entsprechend
mitzusingen. Eine gewisse Übung erleichterte im Laufe der Zeit das Erlernen der mittelalterlichen,
lateinischen Gesänge. Diese Liebe zur Musik zeigte sich zudem darin, dass P. Jetter 1961 Hajos
Vorschlag, eine Pfeifenorgel für die Hauskapelle zu bauen, unterstützte. Dieses Unterfangen brachte
Hajo ein kleines Prae bei ihm ein.
Frl. Sorger
Abb. 9:Frl. Sorger
Eigentlich wussten wir nicht allzu viel über diese ältere Dame. Sie wohnte im Ort Großkrotzenburg und
kam morgens mit einer Aktentasche in der Hand zur Schule. Sie unterrichtete Englisch (in UII auch
Geschichte) und achtete auf gepflegte Umgangsformen. Vermutlich war sie früher an einem staatlichen
Gymnasium Lehrerin gewesen und nutzte nun die Zeit im Ruhestand, noch etwas Gutes zu tun.
Persönliche Gespräche mit ihr sind mir nicht bekannt.
Einzelheiten aus dem Unterricht haben wir ebenfalls weitgehend vergessen. Wir wissen nur, dass wir
u.a. die Geschichte aus Ovids Metamorphosen Philemon and Baucis in Englisch in einem kleinen
orangefarbenen Heftchen gelesen haben. Soweit wir uns noch erinnern, hat diese Darstellung die
Lehrerin sehr bewegt.
Herr Becker
Abb. 10:Herr Becker, korrekt gekleidet und voller Ernst
Herr Becker war Lehrer an der örtlichen Volksschule und konnte für ein paar Stunden
Erkunde-Unterricht an der Kreuzburg gewonnen werden. Er war Heimatvertriebener und kam aus
dem Osten, vermutlich aus der Gegend Mährisch Ostrau. Darüber hat er gelegentlich berichtet. Ja, das
Erzählen war seine große Stärke. Das zentrale Thema war natürlich der Fußball. Da genügte nur ein
kleines Stichwort und schon waren die nächsten 45 Minuten gerettet. Das war ganz hilfreich, denn
u.U. konnte man jetzt in aller Ruhe Aufgaben für andere Fächer nachholen.
Ein weiteres Thema war „Krieg“. Es ist dem Mann nicht zu verdenken, dass er gut 15 Jahre nach diesen
schrecklichen Ereignissen seine Erlebnisse, die ihn wohl tief in der Seele getroffen hatten, von
sich geben musste. Mit seinem kleinen Schnauzer wirkte er wie ein Mann aus einer vergangenen Zeit.
Da er ja am Ende des Schuljahres Noten geben musste, sollte auch abfragbares Wissen vermittelt
werden. Dazu blieben dann bisweilen nur die letzten 5 bis 10 Minuten der Stunde; jetzt wurde schnell
etwas diktiert und notiert, was dann später für die Klassenarbeit zu verwenden war. Insgesamt war
Becker aus Schülersicht ein angenehmer Lehrer.
Herr Hefner
Abb. 11:Herr Hefner
Er unterrichtete Kunst und kam meist nachmittags mit dem Auto von seinem Wohnort Obernburg. Der
Chemiesaal war sein Unterrichtsraum, weil dort ein Diaprojektor stand. Hier erläuterte er anhand
entsprechender Lichtbilder irgendwelche Kunstobjekte. Für uns Schüler war das auch ein recht
vergnüglicher Unterricht. Da gab es immer mal etwas zu lachen und die Stunden vergingen schnell und
unproblematisch. Die Kunst und die Kunstgeschichte haben mich damals genauso wie meine Mitschüler
eigentlich wenig interessiert, aber Hefners aufgelockerter Stil hat uns gut getan.
Herr Hofmann
Abb. 12:Herr Hoffmann
Herr Hoffmann war Turnlehrer an der örtlichen Grundschule; er war noch recht jung und hatte die für
einen Sportlehrer notwendige Dynamik. Im Sommer fand der Unterricht am Kahler See statt. Das war recht
angenehm, wenn wir wieder eine kleine Abwechslung außerhalb des Haus- und Schulgeländes erleben durften.
Ihm habe ich zu verdanken, dass ich als ausgesprochen unsportlicher Eleve im Sommer 1963 den
Rettungsschwimmer-Grundschein des DLRG erwerben konnte. Auf jeden Fall hatten wir bei ihm unseren Spaß
und auch einiges gelernt. Oft haben wir in der etwas kühleren Jahreszeit auf dem in der Nähe im Wald
gelegenen Sportplatz Fußball gespielt.
Einen kleinen Eindruck unserer sportlichen Aktivitäten am See geben die folgenden Fotos:
Abb. 13:Instruktionen vor dem Schwimmgang, vlnr: Herr Hoffmann, Franz Scholz,
Franz Hohmann, Franz Lienen, Otto MartinAbb. 14:Gelungener Köpfer, rechts Hubert Bonke
Abb 15:Eher misslungener Köpfer von HajoAbb. 16:wichtige Hinweise für die nächsten Übungen durch Lehrer Hoffmann; vlnr:
Hajo Stenger, Heiner Parusel, Gustl Teichmann, Hubert Bonke, Albert Schrenk, Franz-Josef
Eulenbach, Theo Stuer, Franz Hohmann, Otto Martin, Franz Scholz
Abb 17:Absprung: Otto Martin, Albert SchrenkAbb. 18:Kleine Spiele lockern die Stunde immer wieder auf.
Dr. Karl-Friedrich Leucht
Abb. 19:Dr. Leucht vor dem Klavier am Bühnenrand der Aula; im Hintergrund
links ist noch gut der Plattenspieler zu erkennen, mit dem er uns musikalische Kostbarkeiten
nähergebracht hat.
Eigentlich war Dr. Leucht ein ganz prominentes Mitglied unseres Lehrkörpers. Er war Leiter der
Städtischen Musikschule in Aschaffenburg und das seit 1939. Einmal in der Woche machte er sich auf
den Weg zur Kreuzburg, um Musik zu unterrichten. Sein Schwerpunkt lag im Hören und Besprechen von
verschiedenen Musikstücken; freilich wurden auch immer wieder kleine Gesangsstückchen eingeübt. Mit
dem (ehemaligen) Blasorchester – dieses hatte in den frühen 60er Jahren seine Aktivitäten
eingestellt – auch Dank P. Jetter, weil das in Afrika unbrauchbar ist - hatte Dr. Leucht nichts zu
tun. Er hat immer in der Aula unterrichtet. Zweifellos war Musik damals wie Kunst ein ausgesprochenes
Nebenfach. Es musste halt unterrichtet werden, weil es im Fächerkanon der Schulbehörde stand. Aber wir –
und ich glaube auch die Patres - dachten damals anders, wozu brauchen wir das bei unserer Missionsarbeit
in Afrika.
Eigentlich schade, denn nur die wenigsten landeten nach einigen Jahren in den afrikanischen
Missionsgebieten. Aus heutiger Sicht hätte ich mir auch gewünscht, dass man noch nachhaltiger auf das
Instrumentenspiel Wert gelegt hätte. So hätte zumindest das Klavier ein absolutes Muss gewesen sein
sollen.
Herr Lipponer
Abb. 20:Herr Lipponer kommt emotionslos zum Unterricht.
Soweit wir uns erinnern, kam Herr Lipponer gleich nach dem Referendariat als Studienassessor an die
Kreuzburg. Könnte sein, dass er auch sein Referendariat hier absolviert hat. Er war von gewichtiger
Gestalt, was sich auch auf seinen Unterricht auswirkte: ruhig, gelassen und emotionsfrei dozierte er
meist vom Pult aus sitzend. Jetzt lief der Deutschunterricht (Er hat auch zeitweise Sozialkunde und
Geschichte unterrichtet) in ruhigeren Bahnen als dies noch zu PAFs Zeiten war. Wenngleich man
durchaus den Eindruck haben konnte, dass Lippo bzw. Limbo wohl als junger Lehrer alles richtig
machen wollte. Bei ihm haben wir Goethes Faust gelesen und besprochen. Über den Inhalt wissen wir
heute nicht mehr allzu viel, auch sind uns keine Einzelheiten aus dem Unterricht bekannt.
An eine Episode kann sich Gustl noch gut erinnern. Eines Morgens kam Lipponer ganz aufgelöst in den
Geschichtsunterricht und meinte, dass Kennedy verrückt sei und einen Weltkrieg riskiere, wenn er den
Transport der russischen Raketen nach Kuba unterbinde (Kubakrise).
Herr Günther Walter
Abb. 21:Studienassessor Walter dynamisch und forsch
Herr Walter hatte an der Kreuzburg auch seine erste Stelle nach dem Referendariat angetreten.
Im
Gegensatz zu Lipponer kamen bei ihm schon mal Emotionen zum Vorschein. In seiner Jugend war er wohl
als Pfadfinder sehr engagiert oder hatte irgendeiner kirchlichen Jugendgruppe angehört. Und es war
ihm wichtig, die dort gewonnen Erkenntnisse nun auch im Missionshaus der Weißen Väter anzuwenden.
Seine Unterrichtsfächer waren Latein, Sozialkunde (OII) und Geschichte ( OII-UII) und in allen drei
Fächern hat er uns beglückt. Das Fach Geschichte hatte Hajo eigentlich früher interessiert, aber
irgendwie hat es Walter
verstanden, Hajo die Lust an dieser Disziplin zu vermiesen.
Denn er erinnert sich noch an jene Episode, als Walter ihn fragte, warum seine Leistungen in
Geschichte so schlecht seien. Daraufhin sagte Hajo: „Wenn Sie da vorne erzählen, kann ich genauso
gut zum Fenster hinaus schauen!“ Das hat ihn wohl schwer getroffen, denn seit dieser Zeit war das
Verhältnis zwischen Hajo und Walter getrübt. Trotzdem hat Hajo gut 10 Jahre später mit Erfolg
Geschichte studiert und heute noch ein Faible für geschichtliche Zusammenhänge.
Herrn Walter ist es offensichtlich nicht gelungen, diese besondere Neigung bei Hajo in rechter Weise
zum Leben zu bringen.
Ansonsten hat sich Herr Walter sehr für Schülerinteressen eingesetzt. So ist er im Winter immer
wieder mit Schülern zu Skiaufenthalten aufgebrochen. Das war natürlich ein besonderes Privileg,
während der Schulzeit da mitfahren zu dürfen. Soweit wir uns noch erinnern, hatten einige wenige aus
unsere Klasse die Möglichkeit, in den Genuss dieser Auserwählung zu kommen: Franz Scholz und Gustl
Teichmann. In Erinnerung ist bei einigen noch die Bergsteigertour 1963; mit dabei waren u.a. Guido
Amend, Günther Mayer, Rudi Schäfer und Werner Wanzura. Für seine Klasse das war eine Klasse unter
uns – hat sich Günther Walter immer wieder intensiv engagiert und hat mit ihnen so allerlei
unternommen; von daher hat sich der Kontakt dieser Schüler sowohl untereinander als auch mit Herrn
Walter noch lange nach dem Abi – ich glaube sogar bis heute ! – gehalten.
Insgesamt hat Herr Walter mit uns sehr viel auf sportlichem Gebiet gemacht, hat Fußball- und
Leichtathletikwettkämpfe mit umliegenden Gymnasien ermöglicht. Das war deshalb etwas Besonderes für
uns, weil wir ja nie groß aus der Kreuzburg hinauskamen.
Wie im Internet zu lesen ist, war Günther Walter später dann Schulleiter des traditionsreichen
Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums in Frankfurt und ist nach 15jähriger Schulleitertätigkeit als OStD am
25.06.1999 in den Ruhestand verabschiedet worden. Im Februar 2015 hat Herr Walter mit seiner Frau
noch an einem Orchesterkonzert in seiner ehemaligen Schule teilgenommen.
Herr Wolf
Abb. 21:Herr Wolf mit typischem Lächeln
Aus Aschaffenburg reiste Herr Wolf meist nachmittags an, um uns in Biologie zu unterrichten. Biologie
war für uns damals ein absolutes Nebenfach und entsprechend niedrig war auch die Motivation, hier etwas
zu leisten, zumal der Lehrer wohl auch nicht gerade mit großem Elan seinen Stoff vorgebracht hat. Da gab
es viele Wiederholungen und Duplikationen, was die Sache nicht gerade prickelnd machte. 15
An einen Spruch kann sich Gustl noch gut erinnern, wir sollten bei den Mädchen nicht so sehr auf die
hübschen Beine schauen, sondern auf ihre Gene. Das war wohl eine Anmerkung im Zusammenhang mit der
Vererbungstheorie.
Zeugnis der Reife (Abitur)
Am 5. Februar 1964 legten wir in Großkrotzenburg die mündliche Abiturprüfung ab. Der staatliche
Prüfungsausschuss bestand aus dem Vorsitzenden Oberschulrat Putschbach vom KuMi in Wiesbaden, außerdem
den Patres Direktor Jetter, Freckmann, Dorn und Engelbert, sowie OStR i.R. Braunwarth, StR’in Sorger,
St. Assen. Lipponer, Walter, Wolf und den Lehrern Hoffmann und Dr. Leucht.