Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

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Ein neuer Morgen - Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft

Am Beispiel eines Leserbriefs zur Schließung der Heilig-Kreuz-Kirche in Bornheim
von Dr. Hajo Stenger



… und ein neuer Morgen bricht auf … Dieses moderne Kirchenlied fiel mir spontan ein, als ich kürzlich einen Brief von einem ehemaligen Haigerlocher Mitschüler im Briefkasten vorfand. Gerhard W. war damals 1956/1957 mit 5 weiteren Schülern aus dem Frankfurter Nordend im Missionshaus an der Eyach: Friedel M., Gunthart S., Josef und Fritz R. , sowie Hajo S. Wir kamen alle aus der Pfarrei Heilig Kreuz in Frankfurt am Main. Mag sein, dass der damalige, unvergessene Pfarrer Dekan Georg Nilges einen besonderen Drath zu den Weißen Vätern hatte und alle Priester-Interessenten zunächst einmal an die Missionare für Afrika verwiesen hat.
Als ich den Brief dann öffnete, fand ich darin einen Zeitungsabschnitt aus der FAZ vom 28. September 2026 mit dem Titel „Ein Ort meiner Kindheit schwindet“. Der Schreiber Clemens Becker beklagt darin, dass die architektonisch bedeutsame Kirche Heilig Kreuz, 1929 von dem berühmten Kirchenbaumeister Martin Weber erbaut – dieser hatte übrigens auch die Kreuzburg der Weißen Väter in Großkrotzenburg errichtet, endgültig geschlossen wird.
Becker hatte in der Nähe dieses Gotteshauses gewohnt und erinnert daran, was er damals alles in Heilig Kreuz erlebt hatte: von der Taufe bis zur Firmung fand alles in dem prächtigen Gotteshaus statt. Und nun ist alles aus. Die Pfarrgemeinde ist aufgelöst, aus dem wunderbaren, denkmalgeschützten Gebäude soll möglicherweise eine Kletterhalle entstehen. Da überkommt den Schreiber eine tiefe Traurigkeit. Dem kann ich mich nur anschließen.
Wenn man auf Haigerloch und die Weißen Väter schaut, dann kann man die gleiche Entwicklung erkennen. Nicht nur Haigerloch ist geschlossen, auch die anderen Missionshäuser sind inzwischen Geschichte. Jene Stätten, wo wir gebetet und gearbeitet haben, wo wir uns auf eine künftige Missionsarbeit in Afrika vorbereitet haben. Die letzten Weißen Väter siechen heute noch in einigen meist Altersheimen dahin und die Tage dieser Orte sind gezählt.
Und wenn wir auf die Kirche in Deutschland schauen, erkennen wir das gleiche Bild. Neben den zahlreichen Kirchenschließungen fallen die abfallenden Zahlen der Gläubigen auf. Man ist geneigt, darin das Ende der Kirche zumindest in Deutschland zu erahnen. Und doch scheint sich Hoffnung abzuzeichnen, wie es in dem modernen Kirchenlied von Gregor Linßen 1990 heißt: „Herr, du bist die Hoffnung, wo Leben verdorrt, auf steinigem Grund wachse in mir, sei keimender Same, sei sicherer Ort, treib Knospen und blühe in mir. Und ein neuer Morgen bricht auf dieser Erde an in einem neuen Tag, blühe in mir. Halte mich geborgen fest in deiner starken Hand und segne mich, segne mich und deine Erde.“
Freilich spiegelt sich auch diese Grundhaltung außerhalb der Kirche, so etwa im Song von Andreas Gabalier: „Olles steht auf Anfang. I frog mi, wo i bin Des Leben, des mi antreibt. Was des woi no bringt?...Ein Ende kann ein neuer Anfang sein ...“
Schmerzlich ist immer der Verlust von Schönem, Erfolgreichem, aber dieser Tiefpunkt wird durch die Hoffnung auf Neues sublimiert. Diese hat schon vor 2000 Jahren die Apostel anregt, neue Wege zu gehen und so ist die Kirche geworden, die nun schon 2000 Jahr überstanden hat.

Stadecken, den 06. Oktober 2026

Hajo Stenger

heilig_kreuz_kirche
Im Leserforum FAZ vom 28.9.2026 findet sich der Beitrag von Clemens Becker.