P. Adolf Eisele - Priester mit Leib und Seele
und im Visier der Gestapo
von Br. Joe Eberle / WV, Hechingen
P. Adolf Eisele (* 14.03.1905 in Sigmaringen, +
02.03.1978 in Riedlingen) lässt sich nicht messen mit den
Maßstäben für Durchschnittsmenschen; er hatte etwas
Besonderes zu eigen.
Adolf stammte aus einer gut katholischen, kinderreichen
Familie. Seine Mutter war eine sehr aufgeschlossene und
aktive Frau, die überall Hand anlegte, wo Not am Mann war.
Wie sie einmal selber erzählte, hat sie alle ihre Kinder schon
vor der Geburt dem Herrn angeboten für den geistlichen
Stand. Als Adolf von der Volksschule auf das Gymnasium
seiner Heimat wechseln wollte, machte P. Baurmann
gelegentlich eines Missionssonntags einen Besuch in der
Familie und fragte, ob er nicht Weißer Vater werden und nach
Haigerloch gehen wollte. Die Familie und Adolf stimmten zu.
So kam er im Herbst 1916 im Alter von 11 Jahren in der
Missionsschule in Haigerloch an.
Die Verhältnisse waren nach den heutigen Begriffen alles andere als
komfortabel. Es war Kriegszeit. Obwohl sich die Patres des Hauses alle Mühe gaben,
mangelte es überall. Das Essen war dürftig; Kartoffeln gab es täglich mittags und
abends und mussten die Mägen füllen. Es war kalt im ganzen Haus. Nur der
Studiensaal wurde etwas geheizt. Im Schlafsaal fror das Wasser über Nacht in den
Waschschüsseln ein. Oft musste morgens nach dem Aufstehen etwas Warmwasser aus
der Küche geholt werden. Alle Schüler fanden die Erziehung streng. Die Erholungen
hatte man selbst bei großer Kälte im Freien zu verbringen. Es galt als
Verweichlichung, die Hände bei kaltem Wetter in die Hosentaschen zu stecken. Das
Brennholz wurde täglich von den Schülern selbst gesägt. Kohlen gab es keine. Der
Schüler Adolf Eisele, der aus besserem Haus stammte, hielt durch und ordnete sich
wie alle anderen ein. Die meisten Schüler erreichten durch diese Erziehung ihr Ziel.
Seine Studien absolvierte Adolf problemlos. Er war außerordentlich begabt in
allen Fächern. Die meisten seiner Lehrer waren erstaunt über sein Wissen. Fehler in
1
P. Adolf Eisele
Lehrtätigkeit in
Haigerloch von 10. Okt.
1946 bis 6. Apr. 1947
Griechisch oder Latein waren für sie bei Adolf kaum denkbar. Er hatte höchstens zu
frei übersetzt, worüber er selber nur lächeln konnte. Von seinem Allgemeinwissen
war er selber nicht so sehr überzeugt wie seine Lehrer.
Ihn zeichnete eine besondere Originalität aus. Vor der Priesterweihe ging in
seinem Kurs die Frage um, wer für die Heimat ernannt würde und wer für die
Mission. Man übergab Adolf den Auftrag, für das gemeinsame Primizbildchen einen
Spruch zu suchen, und er fand auch einen: "Gleichen Anteil soll haben, wer in den
Streit zieht und wer beim Gepäck bleibt, und sie sollen gleichmäßig teilen" (1 Kg 30,
24).
Wegen seiner Fähigkeiten schien er prädestiniert für den Lehrberuf an den
Schulen der Weißen Väter in Rietberg, Marienthal, Großkrotzenburg. Als im Krieg
zu Ostern 1940 die Schulen durch Regierungsbeschluss geschlossen wurden, zog
er mit 8 Schülern aus Haigerloch nach Ulm. Die Schüler stammten aus dieser
Gegend. Er wurde Kaplan an der Wengenkirche, Seelsorger in Lazaretten und gab
Religionsunterricht für seine Jungen und einer Gruppe aus dem städtischen
Gymnasium, das seine Schüler besuchten und katholische Klassenfreunde mit P.
Eisele bekannt machten. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit die
Widerstandsgruppe gegen das Nazi-Regime (Anm.: siehe in Auszügen den Beitrag
unten aus dem kirchlichen Sonntagsblatt „Zeitschnitte“ 40/2012 von Andreas Morgenstern:
„Briefe gegen das Morden“).
Nach der Zerstörung Ulms durch den Luftangriff am 23.12.1944 zog er nach
Dautmergen bei Balingen und diente dort als Vikar. Am 01.09.1945 wurde er Vikar in
Geislingen bei Balingen. Bei Wiedereröffnung der Missionsschulen nach dem Krieg
begann P. Eisele wieder die Lehrtätigkeit in Haigerloch. Von 1947 bis 1949
absolvierte er an der Universität Frankfurt pädagogische Studien und machte das
Staatsexamen. Danach war er als Studienrat in Großkrotzenburg, Rietberg und Linz
tätig. Als das neue Studienheim der WV in Amberg/Oberpf. 1960 die Pforten öffnete,
wurde er als Superior und Lehrer dorthin ernannt und blieb dort bis zur Auflösung
dieser Schule in 1966. Von 1966 - 1970 war er Lehrer am Spätberufenen-Gymnasium
in Königstein. 1970 nahm er Abschied vom Lehrberuf und zog nach Haigerloch, aber
nicht, um sich zur Ruhe zu setzen. Er machte oft längere pastorale Aushilfen und
Vertretungen.
Im Dezember 1973 übernahm er die Pfarrei Neufra-Erisdorf. Er war ein
geachteter und geliebter Seelsorger. Während seiner Amtszeit entwickelte sich in der
Pfarrei ein offener, missionarischer Geist, der ihn bis an sein Grab begleitete. Seine
Ehrfurcht vor der Eucharistie zeigte sich schon in der Sakristei und bei seinen
liturgischen Handlungen wurde diese Ehrfurcht und sein Glaube sichtbar. Diese
Haltung musste er auch seinen Messdienern übertragen haben, die bei seinem
Requiem regungslos wie Soldaten mit gefalteten Händen Ehrenwache hielten.
Mit der WV-Gemeinschaft in Haigerloch hielt er stets regen Kontakt. Für das
Gemeinschaftsleben der WV war er sein Leben lang begeistert. Diese Begeisterung
ließ er sich auch nicht nehmen durch gelegentliche Missgeschicke. Darüber ging er
hinweg mit Worten wie: "Wir sind doch ein herrlicher Orden!" und sprach mit
Überzeugung von "den Söhnen des Stifters".
Sein sehnlichster Wunsch war, in den Missionen arbeiten zu dürfen. Als er in
schon vorgerücktem Alter den Wunsch dem Provinzial Pater Georg Steinhage wieder
einmal vortrug, sagte ihm dieser unwillig: "Schlagen Sie sich solchen Spleen endlich
aus dem Kopf!" P. Eisele gab ihm schlagfertig zur Antwort: "Diesen Spleen habe ich
seit meinem 11. Lebensjahr und wegen dieses Spleens bin ich Weißer Vater
geworden". Den Spleen konnte er auch in seiner Pfarrei nicht ablegen. Er trug dort
das Kleid der Afrikamissionare, und er sprach und sammelte unentwegt große
Summen für die Missionen. Seine Pfarrei kannte seinen Spleen und brachte zu
seinem Begräbnis einen größeren Betrag für die Missionen.
Im Laufe seines Lebens entwickelte P. Eisele eine ganz außergewöhnliche Liebe
zu seinem Priestertum und zur Kirche. Wenn man diese leidenschaftliche Liebe
übersehen würde, würde man ihn verkennen. Er war Priester mit Leib und Seele. Als
es immer mehr an Priestern fehlte, da litt es ihn nicht mehr im Schuldienst; er musste
der Kirche seinen priesterlichen Dienst anbieten. Es schmerzte ihn tief, wenn man
abfällig über sie sprach oder ihnen Unehre erwies. Das traf ihn in seiner Seele. Doch
er war nicht der Mann, der zu allem Ja und Amen sagte. Ausgerüstet mit soliden
Gaben von Geist, Urteil und Temperament konnte er die eigene Meinung verfechten
und auch gelegentlich übers Ziel hinausschießen. Die schweigende Natur war nicht
seine Sache.
Seit vielen Jahren beschäftigte er sich mit Kardinal Newman. Er hatte alle seine
Werke in Englisch nicht nur gelesen, sondern auch deren Geist sich zu eigen gemacht
und konnte jederzeit daraus zitieren, oft auch in seinen Predigten. Er fühlte, wie
dieser Kirchenfürst seine Kirche liebte und wie sehr er auch für diese Liebe zu leiden
hatte.
Ein Leben voller Hingabe an seinen Beruf als Priester und Missionar. Wir
Mitbrüder, die mit ihm zusammenarbeiteten, und sicher auch alle aus der Pfarrei
Neufra-Erisdorf, werden dem Verstorbenen eine schonungslose Einsatzbereitschaft
bescheinigen. Aber das schonungslose Von-sich-selbst-fordern konnte er nur
aushalten durch das Bewusstsein, von Gott berufen zu sein. Daher kam die letzte
Kraft seines Einsatzes aus einem ganz tiefen Glauben... Gott holte ihn aus der vollen
Arbeit heim. Vielleicht gut für ihn, denn keiner weiß ob er nicht Unsägliches getragen
hätte, wenn er die Hände in den Schoß hätte legen und zusehen müssen, wie andere
sich abzumühen haben.
Noch am 27. Februar 1978 spielte er in Haigerloch Doppelkopf mit den
Mitbrüdern und verabschiedete sich mit guter Laune, um an einem Priestertreffen in
seinem Dekanat teilzunehmen. Bei diesem Treffen schien es eine lebhafte
Auseinandersetzung gegeben zu haben, die wohl selbst seiner Kämpfernatur zu viel
war. Am selben Abend hatte er einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er am 2. März
1978 im Krankenhaus zu Riedlingen starb.
P. Eisele war einer der älteren Mitbrüder, deren Herz ganz für Afrika schlug, die
jedoch infolge der Zeitumstände nie einen Afrikaeinsatz leisten konnten, die aber
vielen jungen Missionaren den Weg in die Missionen bahnten.
Zeugnis-Auswahl von P. Albert Straub und Br. Franz-Otto Oberreuter, mit Auszügen
aus der Predigt von P. Alfons Wehmeyer beim Begräbnis von Adolf. -- Bearbeitet: Br.
Joe Eberle
Es kann leider nicht nachgewiesen werden, auch können sich Mitbrüder, die P.
Eisele noch persönlich kannten, nicht erinnern, ob und dass er je einmal über seine
Zeit in Ulm, besonders in Zusammenhang mit dem Widerstandsgruppe der Schüler
am Städtischen Gymnasium und der "Weißen Rose" zum NS-Regime berichtet hat.
Erst in den Nachkriegsjahren, der Stiftung "Weiße Rose", dem Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg in
Ulm und privater Forschungen kamen Ereignisse ans
Licht, in denen er direkt oder indirekt involviert war.
Siehe Referenzen:
- DAGEGEN, Widerstand der Ulmer Schüler gegen die deutsche Nazi-Diktatur,
116 Seiten,
Autor: Heinz A. Brenner, ISBN-Nr. 3-98 000 35-4-X
(Ref. to P. Eisele auf Seiten 9, 12-15, 16, 20-21, 29) - Historisches Seminar Basel, Forschung von Benedikt Samuel Pfister 2004/2005
- http://dg.philhist.unibas.ch/print/forschung/abschlussarbeiten/detailss.. www.br-online.de/download/pdf/alpha/m/mueller franz josef.pdf
- Katholisches Sonntagsblatt, Diözese Rottenburg-Stuttgart Nr. 40/2012, Seiten 36-37 (s. Anhang mit Textauszügen); Nr. 42/2012,Seiten 38-39 Nr. 39/2013, Seiten 36-37; Nr. 40/2013, Seiten 38-39; Nr. 41/2013, Seiten 42-43
Aus einer E-Mail-Nachricht von Frau M. Goeser, Rottweil, zeitweise in Ulm wohnend, soll P. A. Eisele im Visier der Gestapo gestanden haben. Dies konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
P. Eisele zog am 15. März 1940 mit 8 Schülern der Missionsschule Haigerloch, die aus der Ulmer Gegend stammten nach Ulm und wohnte im katholischen Kaufmannsheim, Glöcklerstr. 37. Eine Kopie dieser Schülerliste aus dem Archiv der Afrikamissionare in Köln wurde im April 2013 dem Dokumentationszentrum "Weiße Rose" in Ulm übergeben.
Eine Akte mit weiteren Details aus dieser Zeit befindet sich im Archiv der Afrikamissionare Köln.
E-Mail: afmi-archiv@afrikamissionare.de
Köln, 18.10.2013
Br. Joe Eberle
Mehr über das Wirken von Pater Adolf Eisele im Nationalsozialismus erfahren wir aus dem katholischen Sonntagsblatt 40/2012 der Diözese Rottenburg-Stuttgart in einem (hier leicht gekürzten Beitrag) von Andreas Morgenstern unter dem Titel:
Briefe gegen das Morden
Ulmer Schüler verbreiten regimekritische Predigten
[…] „Du sollst nicht töten!“ An dieses Gebot Gottes - Fundament christlicher Ethik und menschlichen Zusammenlebens überhaupt - erinnert 1941 in seinen Predigten der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen. Das Deutsche Reich befindet sich zu diesem Zeitpunkt mitten m Krieg. Hitlers Truppen haben die Sowjetunion überfallen, die Einsatzkommandos« töten gezielt Menschen. Im Schatten dieser Ereignisse regelten die Nationalsozialisten seit 1940 eine weitere Mordaktion. Angeblich „überflüssige Esser“ sollen vernichtet werden. Als geistig und körperlich behindert geltende Menschen werden in Tötungsanstalten wie Grafeneck oder Hadamar umgebracht. Bischof von Galen wendet sich in der traditionsreichen St. Lamberti-Kirche Münsters entschieden gegen dieses Verbrechen. In seinen Predigten nimmt er kein Blatt vor den Mund: „Jesus weint, der Sohn Gottes weint. Seit einigen Monaten hören wir Berichte, dass aus Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke auf Anordnung von Berlin Pfleglinge, die schon länger krank sind und vielleicht unheilbar erscheinen, zwangsweise abgeführt werden. Regelmäßig erhalten die Angehörigen nach kurzer Zeit die Mitteilung, der Kranke sei verstorben, die Leiche sei verbrannt, die Asche könne ausgeliefert werden. Allgemein herrscht der an Sicherheit grenzende Verdacht, dass diese zahlreichen unerwarteten Todesfälle von Geisteskranken nicht von selbst eintreten, sondern absichtlich herbeigeführt werden.“Zum Verbrechen tritt hier noch die Lüge der Nationalsozialisten.
Als „nutzlos“ deklarierte Menschen sind nun ebenso vom Tod bedroht, wie politische und rassische Gegner der »Volksgemeinschaft«. Den Schwachen droht die Vernichtung. Schienen sich die Verfolgungen bisher stets gegen Randgruppen gewendet zu haben, weshalb viele Deutsche vor den Taten und Opfern ihre Augen verschlossen, richtet sich die herrschende Politik hier gegen die „Volksgenossen“ selbst. Sogar Kriegsversehrte sind bedroht. Von Galens (Anm.:1933 bis 1946 Bischof von Münster) Protest aus der Mitte der katholischen Kirche heraus darf aus Sicht der Nationalsozialisten nicht weitergegeben werden.
Abiturienten des Humanistischen Gymnasiums Ulm bringen jedoch den Mut und Erfindungsreichtum auf, die Worte des Bischofs auch in Südwestdeutschland zu verbreiten. Die Schüler Heinz Brenner, Heiner Guter, Walter Hetzel, Hans Hirzel und Franz Müller prägt ihr christlicher Glaube. Sie setzen sich gegen die unchristliche Schulpolitik der Nationalsozialisten zur Wehr, die den Kirchen die Jugend und so die Zukunft entziehen möchten. Als Ersatz für den seit 1939 verbotenen Religionsunterricht treffen sich die Jugendlichen daher regelmäßig im Ulmer katholischen Kaufmannsheim in der Glöcklerstraße mit Pater Adolf Eisele, der ihnen die Grundsätze des katholischen Glaubens vermittelt.
Pater Eisele gibt Schülern Predigt-Texte.
Er zeigt ihnen den Widerspruch zu den Lehren der Nationalsozialisten auf. Pater Eisele beruft sich dabei auf den aus seiner Heimatdiözese verwiesenen Rottenburger Bischof Joannes Baptista Sproll und seinen Amtsbruder von Galen. Schließlich übergibt der Geistliche den Schülern Kopien der Predigten Bischof von Galens gegen die »Euthanasie« und den Kampf gegen die katholische Kirche.[...]
Heinz Brenner tippt die Ausführungen von Galens auf einer Schreibmaschine ab. Das notwendige Material kaufen unterschiedliche Personen an verschiedenen Orten. Aufmerksamkeit soll vermieden werden. Die Blätter werden anschließend mittels eines Opalographen vervielfältigt. Dieser stammt aus dem nahen Kloster Obermedlingen, wo ihn Josef Vidal, ein Freund Brenners, entliehen hat. Auch Vidal engagiert sich bei der Widerstandsaktion. [...]
Mühevoll werden die Blätter von den Schülern kopiert. Zu ihrer größeren Sicherheit vor Verrat und Verfolgung findet auch dies an wechselnden Orten statt. Als Vidals Haus für die Vervielfältigung ausgewählt wird, weiht dieser selbst seinen Vater, den abgesetzten früheren Bürgermeister Oberelchingens Konstantin Vidal, nicht ein. Der Kreis der Mitwisser muss so klein wie möglich bleiben. Das Vervielfältigungsgerät selbst wird unter einer Hakenkreuzfahne versteckt. Auf Toleranz oder gar Unterstützung können die mutigen Abiturienten kaum vertrauen. In weiten Teilen der Gesellschaft herrscht der Gedanke der nationalsozialistischen »Volksgemeinschaft« vor, dessen Gegner oder Kritiker mit schweren Strafen rechnen müssen.
Schließlich werden die kopierten Blätter im Oktober 1941 verschickt. Hierfür bringen die Schüler sie nach Stuttgart - noch eine Sicherheitsmaßnahme. Der Ursprung der Briefe soll im Dunkeln bleiben. Bei der Auswahl der Empfänger spielt die mögliche Verbreitung der Predigten eine Rolle: Ulmer Friseure, Richter und Pädagogen werden bevorzugt. Hinzugefügt wird der Aufruf, die Predigten weiterzugeben. Um die Verfolgungsbehörden in die Irre zu führen, versenden die Freunde auch an die Gestapo und an ihre eigenen Adressen Predigten. [...]
Die Vorsicht der Schüler ist von Erfolg gekrönt. Im Unterschied zu vielen anderen Gruppen bleiben sie unentdeckt und von den Repressionen des immer grausamer agierenden Regimes verschont. Zugleich sorgen die verschiedenen Proteste vor allem aus dem Raum der Kirchen tatsächlich für den Abbruch der Mordaktion. Dennoch wird es später weiterhin zu gezielten Tötungen kommen. [...]
Das Engagement der Schüler entfacht eine noch größere Widerstandswelle. Einen der Briefe erhält die Ulmer Familie Scholl. Als deren Sohn Hans die Predigt liest, soll er sich für ihren Inhalt und das Medium Flugblatt begeistert haben. Seine Schwester Inge AicherScholl erinnert sich an Hans Scholls Worte: »Endlich hat einer den Mut, zu sprechen. (...) Man müsste ein Vervielfältigungsgerät haben.« Ein Jahr später wird er gemeinsam mit seiner Schwester Sophie in der »Weißen Rose« selbst Flugblätter verbreiten.
Andreas Morgenstern.
Der „Löwe von Münster“, Clemens August Graf von Galen, wurde 1946 zum Kardinal erhoben und 2005 seliggesprochen.
Transkription, Foto und Layout: Dr. Wolfgang Völker / Lengerich/Westf.

Die Sankt Lamberti - Kirche in Münster, in welcher Bischof Clemens August von Galen 1941 seine Predigten gegen das Töten von geistig und körperlich behindert geltenden Menschen durch die Nationalsozialisten hielt.