Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Priesterweihe in der Kreuzburg 1960

Bis heute steht für mich fest: der Alltag im Missionshaus war recht eintönig: immer wieder der gleiche Tagesablauf, genau nach der Uhr; immer wieder die gleichen Mitmenschen, freundliche und unfreundliche; immer wieder die gleichen Räumlichkeiten, Schlafsaal, Kapelle, Speisesaal, Studiensaal u.a.m. Fernsehen und Radio waren nahezu undenkbar. Erst später ergab sich die Möglichkeit, in der Abenderholung Nachrichten zu sehen. Und oft wurde dann beim Aufsichtspater darum - meist vergeblich! - gebettelt, vielleicht die ein oder andere Sendung nach der Tagesschau, betrachten zu dürfen. Da waren wir als Missionsschüler für Abwechslung natürlich dankbar.


Priesterweihe
Abb. 1: Superior Buck begrüßt den hohen Gast Bischof Adolf Bolte von Fulda; der Pfarrer von Großkrotzenburg (1. v.r.); P. Jetter (3. v.r.) P. Freckmann (4. v.r.)
Priesterweihe
Abb. 2: Der alte Bruder Eduard, ein echtes Original in Großkrotzenburg, begrüßt die Exzellenz mit ehrfürchtigem Handkuss; links P. Fritz Engelbert

Eine solche Unterbrechung der alltäglichen Routine war beispielsweise die in der Großkrotzenburger Hauskapelle stattfindende Priesterweihe im Februar 1960. Dazu reiste der Bischof von Fulda Adolf Bolte an. Die Patres- und Brüderschar, ergänzt durch weitere Weiße Väter und Geistliche, hatte sich vor dem Eingang der Kreuzburg versammelt. P. Superior Buck empfängt den hohen Gast, die weiteren Kleriker standen im Halbkreis dahinter. Ob die Schüler bei dieser ersten Begegnung mit dem Amtsträger dabei waren, weiß ich heute nicht mehr genau; ich glaube, wir mussten in der Kapelle auf die bevorstehenden Geschehnisse warten.


Priesterweihe
Abb. 3:Die Weihezeremonie (Handauflegung) in der Kapelle; ganz links GR Braunwart, der nach seinem offiziellen Ruhestand bei uns noch Latein unterrichtete; er kam mit seiner BMW-Isetta von Mainflingen zum Unterricht; links neben ihm steht P. Jetter, der spätere Schulleiter; hinten war extra ein Thron mit Baldachin für den Bischof aufgebaut; vorn rechts ist von hinten P. Hirt zu sehen.

Nach der Weihe war dann ein Festessen im Speisesaal. Solche Festlichkeiten brachten eine gewisse Abwechslung für die Schüler und sollten gleichzeitig das Ziel von Schule und Ausbildung den Knäblein vor Augen führen. Und so hat sich dann auch mancher in der Phantasie ausgemalt, wie es wohl einmal sein wird, wenn er letztendlich zum Priester geweiht würde. Dieses Ziel ist aber für nur wenige schließlich in Erfüllung gegangen. Ob diesem entgangenen Ziel manche nachtrauern, weiß ich nicht. Für mich kann ich nur sagen, dass dies nicht der Fall ist und dass ich froh bin, einen anderen Weg gegangen zu sein, der mich erfüllt und glücklich gemacht hat. Im Zusammenhang mit so einer Feier hörte man gelegentlich den Spruch Willst Du ein Leben voll Segen und Glanz, dann werde Priester und werde es ganz! Heute würde ich diesen Satz bei weitem nicht mehr unterschreiben, sondern würde sagen: Segen und Glanz werde ich immer dann finden, wenn ich so leben kann, wie es meinem Lebensentwurf entspricht.

Stadecken, den 14.10.2015


Hajo Stenger