P. Hück in Haigerloch und „Sag‘ die Wahrheit!“
von Hajo Stenger
Die Überschrift passt eigentlich gar nicht zu dem, über das ich berichten möchte. Dennoch
habe ich sie so ausgewählt, weil sie die Verbindung zu dem Eyachort aufzeigt. Kürzlich hat
der unermüdliche Klepfer-Administrator Alfred Epple dankenswerterweise wieder einen
Rundbrief an alle geschickt, um sie auf die Sendung „Sag die Wahrheit“ vom 22. Mai 2017
aufmerksam zu machen. Bei diesem SWR-Beitrag hatte ich einen kurzen Auftritt. Zahlreiche
Reaktionen habe ich darauf erhalten: Freunde und Bekannte haben sich gemeldet. Als ich an
Christi Himmelfahrt gerade in der Küche stand, um ein kleines Mittagsmenü für meine Frau
und mich zu kreieren, klingelte das Telefon und Josef Hück rief mich an und erzählt mir, dass
er die Fernsehsendung gesehen habe und so kamen wir ins Gespräch und alte Erinnerungen
wachten auf.
Nun, Josef Hück war der Neffe von P. Hück, der mich als Superior von Haigerloch 1956 ins
Missionshaus aufnahm, siehe dazu den Beitrag unter „Erinnerungen – Paters und Brüder - P.
Hück“. Ja, wenn ich an Josef denken, fallen mir ganz viele Erinnerungen ein, vor allem weil
er auch als Organist im Missionshaus wirkte und von daher hatten wir viele Gemeinsamkeiten
beim Orgelbau für die Großkrotzenburger Hauskapelle. Am bedeutendsten war aber die Fahrradtour in
den Sommerferien 1961. Wir hatten gerade zu Ostern 1961erfolgreich unser
„Schmalspurabitur“ erreicht und konnten schon mit einem gewissen Stolz auf unsere schulische
Vergangenheit zurückblicken.
Wir waren nun 18 – damals war das noch nicht die Schwelle zur Volljährigkeit. Dennoch fühlten wir uns schon ein bisschen erwachsen und verspürten einen gewissen Taten- und Erlebnisdrang. Und so starte ich mit meinem Klassenkameraden Franz Hohmann eine zünftige Fahrradtour in Richtung Nordosten. Franz wohnte unweit von mir in Bergen-Enkheim, was schon eine gewisse emotionale Verbindung zueinander bewirkte. Franz hatte seinen Weg bei den Weißen Vätern in Linz begonnen und kam dann über Rietberg nach Großkrotzenburg, während ich über Haigerloch in die Kreuzburg eingelaufen war. Damals war es noch recht einfach möglich, mit dem Fahrrad auf den Straßen zu fahren, ohne sich von rasenden Autos in Angst und Schrecken versetzen zu lassen. Auch hatten wir ein kleines Zelt sowie Kochgerät dabei, um uns unterwegs ordentlich versorgen zu können. Unsere Fahrräder entsprachen dem damaligen durchschnittlichen Stand: d.h. ohne Gangschaltung und ohne viel Schnick Schnack. Wir waren ja noch jung und dynamisch und außerdem mussten wir unsere Kräfte für den geplanten späteren Einsatz in Afrika erproben.
Rechtsrheinisch ging es in Richtung Koblenz und in einem Tag schafften wir die Strecke bis zu jenem kleinen Weinort Kobern-Gondorf an der Mosel. Hier besuchten wir unseren Mitschüler Rudi Schäfer in seinem Heimatort und nahmen ihn mit auf die nächste Etappe. Jetzt ging es in die gebirgige Eifel nach Lind, einem kleinen, verschlafenen Örtchen mit ein paar Dutzend Einwohnern. Und einer von ihnen war unser Klassenkamerad Josef. Irgendwie idyllisch war es hier schon und das zeigen auch die beigefügten alten Fotos. Hier zelteten wir für ein paar Tage und dann ging’s weiter in Richtung Linz, denn hier im Missionshaus hatten Josef, Rudi und Franz einige Jahre zuvor den ersten Kontakt mit den Weißen Vätern aufgenommen. Und mit einem gewissen Stolz konnten sie nun den dortigen Patres, von denen sie einige noch aus ihrer Schulzeit kannten, von ihrem gemeinsamen Aufenthalt in der Kreuzburg berichten.
Den gleichen Weg über Lind und Kobern-Gondorf ging’s zurück. Franz und ich fuhren dann weiter die Mosel entlang in Richtung Trier. Hier besuchten wir nicht das Haus der Weißen Väter – das war uns damals noch zu fremd – sondern gingen zu einer Familie Kellendonk.
Hajo Stenger Stadecken, den 15.Mai 2017

