Räucher-Rhabarber
Zu jedem Mittagessen im Missionshaus gehörte auch der Nachtisch. Am Sonntag in der Regel eine Schale
Pudding, während der Woche ein Apfel, Apfelmus oder jahreszeitbedingt Rhabarberkompott. Meist war
der so sauer, dass es einem buchstäblich das Hemd auszog. Einmal muss bei der Zubereitung der ganze
Rhabarbertopf angebrannt sein. Zumindest hatte das Kompott einen Geschmack, als ob es eine Woche
lang geräuchert worden wäre. Meinem Gesichtsausdruck muss man bei jedem Löffelschub den Widerwillen
angesehen haben. Superior Haag hat dies scheinbar beobachtet und mir dann befohlen, meinen
Rhabarber, neben dem Lesepult stehend und ohne Grimassen vor dem versammelten Speisessaal zu mir zu
nehmen. Unter schadenfrohem Grinsen und den Hänseleien der Mitschüler habe ich dies schließlich
auch fertig gebracht. Allerdings schüttelt mich seit dieser Zeit schon der Gedanke an
Rhabarber.
Fidel Fischer