Anmerkungen zu Rufus Weg
Raimund Pousset
Wie aus dem Datum eingangs ersichtlich, schrieb ich diesen Text im Rahmen einer kurzen Serie von
drei Erzählungen als Fünfzehnjähriger in Haigerloch. Das etwas großzügig formulierte op. I
(opus) lässt darauf schließen, dass ich wohl - wie als echter Schriftsteller! - weitere Texte in
Planung hatte. Tatsächlich fand ich nach vielem Umräumen noch zwei weitere Texte. So gibt es
jetzt neben diesem „Rufus Weg“ (III) noch „Schwert oder Kreuz (I)“ und „Ein Römer sucht Gott
(II)“. Die Texte sind wohl ohne Entwurf, gleich als Manuskript geschrieben, wie einige
Verbesserungen zeigen können.
Dieser Text spiegelt gewiss die intensive religiöse Erziehung wider, die wir genossen haben. Was
mir den Anstoß zu dieser kleinen Erzählung gegeben hat, weiß ich nicht mehr. Leider habe ich
dazu keine Notiz gemacht, wie bei den beiden ersten Texten.
Dieser, wie auch die anderen beiden Texte versuchen immer, die Bibel als erzählerische Vorlage
zu nehmen, um den dort auftretenden Figuren eine eigene, sehr persönliche Geschichte und Tiefe
zu geben. Und Figuren und ihre Lebenswege zu verknüpfen; hier also verfolgen wir eine
Nebenfigur, den Sohn des Simon von Cyrene, Rufus, bis zum Märtyrertod nach Rom. Das
Markusevangelium nennt die beiden Söhne des Simon von Cyrene, der Christus das Kreuz tragen
helfen musste, beim Namen: Alexander und Rufus. Der Überlieferung nach stammte Simon aus Libyen
(heute: Ruinen Cyrenes beim Dorf Shaha), war also ein dunkelhäutiger Nord-Afrikaner und
einfacher Feldarbeiter (Lukas-evangelium). Die Namen der Söhne lassen aufhorchen: es sind
römische oder griechische Namen, keine jüdischen. Vielleicht war die Mutter römisch/griechisch.
In meiner Erzählung geht Rufus dann spät zurück ins Heimatland seiner Mutter, nach Rom. Bei
Simon von Cyrene wurde gelegentlich spe-kuliert, er sei statt Jesu gekreuzigt worden. Ähnliches
findet sich auch in Sure 4,157 im Koran. Mein damals locker gebrauchtes Wort „Haik“ musste ich
beim Transkribieren erst mal nachschlagen. (Wei-tes Gewand der Tuareg, wird in ganz Nordafrika
getragen.) Warum ich hier nicht das Wort „Gandou-ra“ benutzt habe, die schließlich die Weißen
Väter trugen, weiß ich nicht. Vielleicht ein kleiner Ein-fluss aus Karl-May?
Über die Rezeption der Texte im Missionshaus weiß ich nicht allzu viel. Ich muss diese drei
Geschich-ten jedenfalls im Kreise der Kameraden vergeben (deshalb die Namenskorrektur) oder
sogar vorgele-sen haben. Freddy beispielsweise kann sich dunkel an „Ein Römer sucht Gott“
erinnern; mein Bruder Meinolf (ein Jahr unter mir) dagegen ganz und gar nicht.
Hier geht es zum Original-Text mit anschließender
Transkription
22.2.2016
Raimund Pousset