Prolog auf Erden in Haigerloch
von Raimund Pousset
Jüngst hatt‘ ich einen schönen Traum.
Ich träumt’, ich hielt ein Pferd im Zaum.
Jetzt kommt, ihr ahnt’s, was kommen muss:
der alte Gaul hieß Pegasus.
Für meine Klasse - nicht den Rest -
war unser Treff (1989) ein großes Fest,
In jenem Jahr vor 30 Sonnen (1959)
Hab‘n wir in Haigerloch begonnen,
in das wohl kaum ein Feiger kroch,
denn wer in jenem Haus studiert’,
ward hart für Afrika trainiert.
"Missionshaus” hieß das weiße Haus
dort hoch im Fels. Fest schaut’ es aus.
Geführt von Weißen Vätern klug,
nur Nachwuchs gab es nie genug.
Superior war Pater Haag,
der folgt Rousseau bei Nacht und Tag;
führt ein Gespräch, statt harter Strafe,
mit manchem fehlgetret‘nen Schafe.
Mit Schärfe sprach einst Pater Buse:
“Heut‘ bin ich Chef, kenn‘ kein Geschmuse!
Wenn aus dem Haus die Katze ist,
bin ich’s - der Kater - der euch frisst.
Ein Musikus war Pater Schröter,
wollt‘ gern für Sexta-Schwerenöter
statt Winnetou ein Lied ins Hirn
- schlug sich verzweifelt an die Stirn.
Dem Pater Herrmann - früh verschieden -
war Afrika nicht mehr beschieden.
Statt dem zu folgen, was ihn rief,
übt‘ er den Quinta-Genitiv.
Die Quarta leitet Pater Vogt,
in seinem Busen beides wogt':
prinzipientreu wollt‘ uns formen
nach pädagogisch neu‘ren Normen.
Der alte Bumiller war stets
erfüllt von düst‘rem Mythen-Fez.
Sprach auch von edelsten Gefühlen,
vom Kampfe in den Thermophylen.
Der Pilo war ein arger Schinder
schlug nackte Pos der fremden Kinder,
Das kam zu Ohren Pater Gypkens,
hat rasch versetzt den Paule Strütjens.
Wer unterrichtet Religion?
Das war der Pater Wirthensohn!
Er hat studiert den Lehrerjob,
für Schüler hatt’ er Herz und Kopp.
Mit strammem Schritt "Wie geht’s? Wie steht‘s?"
marschiert' vorbei der Pater Schnez.
Die Wirtschaft hielt er treu in Schwung,
sonst fehlt mir die Erinnerung.
In Haus und Stall, in Feld und Garten,
da gab es täglich was zu warten
durch Männer, deren Ton oft rüder,
das waren unsre "Weißen Brüder".
Im Küchendunst fünf Frauen schaffen,
bei einer tat ein Schüler gaffen.
Wir wissen nicht, was nachts geschah;
am Tag drauf war er nicht mehr da.
Der weisen Mütter waren drei,
Miss Scherzinger und Oma. - Mei -
die Aldejohann später kam,
zog uns als Ewig-Weib hinan.
Bei Oma war gut abzuschreiben,
bei Scherzinger ließ man das bleiben;
bei dieser gab’s allein Latein,
bei jener musst‘ es Englisch sein.
Der Uli war auch so nicht stumm,
spielt‘ obendrein Harmonium,
dann sprachen seinen jungen Hände
dem Frommen wahrlich ganze Bände.
Silentium - jetzt kommt der Jupp!
Ein Künstler, dem gelang es - schwupp!
- ein wildes Comic hinzuwerfen;
zum Anschau‘n braucht‘ es starke Nerven.
Wer stürmt beim Fußball wie ein Tiger?
Wen zog es stark zur Bundesliga?
Wer dribbelt‘ keck und schoss ein Tor?
Wir brüllten laut: "Los, Elser, vor!"
Wer las noch "Räuber Hotzenplotz"?
Ihr ahnt es, das war Günther Hotz!
Der jüngste fesselt', hart wie Stahl,
den Strähle an den Marterpfahl.
Den Walther zog’s als Sakristan
{statt wie einst Faust} zum Himmel ran.
Der Senior der ganzen Klasse,
er ist es noch, des muss mer‘m lasse!
Das Klo war letzter Lese-Ort
für den, der strebt' vom Studium fort.
Es steckt das Buch, man war kein Doofer,
im Hosenbund unterm Pullover.
Als einstmals ich zum Klo geschlichen
fasst’ Pater Herrmann, der verblichen,
mir an den Bauch! - Welches Entzücken,
denn diesmal steckt mein Buch - am Rücken.
Licht war im Schlafsaal kaum verloschen,
ham wir schon feste losgedroschen,
die Handtücher geknüpft zu Knoten -
trotzdem, dass dies (wie das) verboten.
Drauf mancher las und war so frei
im Bett bis früh um vier Karl May.
Per Taschenlampe, nun erschreck net,
verschwitzt und müde unterm Deckbett.
Frühmorgens wenn man halb noch schlief,
ein Mensch uns gern zum Frühsport rief.
Und später sahn wir ganz genau
um 20 Uhr die Tagesschau.
Wo tönt das reinste Hosianna?
Am Donnerstag - früh in St. Anna!
Wenn Schwörer sang, was wohl erfreute,
Herrn Pastor Gulde, viele Leute.
Im Winter fuhr’n wir Ski und Schlitten,
nur übern Kies war’s nicht gelitten.
Des Morgens war’n die Fenster nass
und Atem Eis - "Deo Gratias"”
Ein Fresspaket mit Kuchen frisch,
ward stets verteilt am eignen Tisch.
Doch manchmal manche man erspähte,
die feierten nachts eine Fete.
Fromm "ora et labora” hieß es,
Für jenen war das eine Fieses,
dem and‘ren dieses - laut er pries es!
Und mancher gerne beides ließ es.
Lasst mich nun doch in dieser Stunde
erwähnen auch die Ehrenrunde,
mit der traktiert ein jeder Neuer -
aus Büblein wurden Ungeheuer.
die eigne Schul‘ tat sich kaum lohnen.
Der Schülerpulk - das war nicht dumm -
ging drum ins Progymnasium.
Wir hofften heimlich nach vier Jahren
auf Wesen dort mit langen Haaren,
denn schwäbisch sprach die Libido:
"Vergnüget euch, denn i bi do!"
Wir Jungen schauten noch mit Bangen
nach Mädchen aus und Beinen - langen.
Natürlich gab’s, ich will nicht lügen,
auch Wesen dort mit ält‘ren Zügen.
Herr und Frau Schick regierten fair
im Schulhaus mit Familienflair.
Physik gab sie und Mathe er,
mir war das ganze Zeugs zu schwer.
Er war Direktor, sie der Boss,
Jetzt auch für uns, den Schülertross,
"Missions-Klepfer" war’n wir genannt
und oft als kecke Jungs bekannt.
Herr Einert trug mit Charme und Chique
und Wissenschaftsministerblick,
in Deutsch statt Schlips nur seine Fliegen,
doch nie ließ er den Anspruch fliegen.
Nun saßen da in jenen Bänken,
zwei Gruppen, die sich bald verschränkten.
Die Frommen, die zum Priester strebten,
sich mit den Weltlichen verwebten.
Bald hinter allem Kreideduft
macht sich die Liebe Platz und Luft.
Aus zwei der Klassen, vier genau,
zwei Pärchen wurden Mann und Frau.
Dem Max die Heide imponiert,
er hätt‘ so gern mit ihr poussiert.
Sie ziert sich noch für ein paar Wochen
bis sie ihm auf den Leim gekrochen.
Beim Proben des "Kirschblütenzweigs”
hat’s dann gefunkt, - ach, Max, verschweig’s!
Nicht alle solche Liebelein,
fuhr’n in den Ehehafen ein.
Doch Gabi hörte Hochzeitsglocken,
denn einst den Meinolf sie tat locken.
Prompt klettert‘ der nachts übern Zaun;
weil er sich traut’, ließ sie sich trau‘n!
Hier endet die Chronistenpflicht,
denn länger ging zur Schul‘ ich nicht.
Und meine Klasse zog allein
nach Hechingen und Königstein.
hab ich am Weißen Haus gehangen.
Ins Städtchen hübsch im Eyachtal,
kehrt‘ ich zurück so manches mal.
Bei Klassentreffen wie soeben,
erblühte unser Schülerleben.
Ließ mir das Bier beim "Meyer" schmecken,
bestellte mir statt Schrippen - Wecken.
Bei Max und Heide war ich immer
und auch im alten Klassenzimmer;
weil mir das hier für vier, fünf Jahr!
ein Stückchen meine Heimat war.
Bevor ich ab nach Kenya flog,
es mich noch einmal hierher zog.
Ein Fremder bot Willkommensworte
im Weißen Haus mir an der Pforte.
Durch eine Türe, halbgeschlossen,
sprach jemand zu mir unverdrossen:
"Das ist der Raimund – alter Geier!“
Wer also sprach, war Otto Maier.
Wir waren all, wie eh und je,
voll Stärken und - na, klar — auch Schwächen,
ich wollte mehr von Stärken sprechen.
Denn eigne Schwächen sind ein Dorn -
für jeden der sich kennt - enorm.
Warum soll ich in Tiefen wühlen,
die jedermann allein kann fühlen?
Wohl keiner seine Schuld erkennt,
dadurch, dass sie ein andrer nennt,
und hier beim Schultreff ungehemmt,
mit Rachsucht gegen Mauern rennt,
Und falls mir doch ein Pfeil zerschellt
voll Gift, an einem Mensch voll Welt,
habt Nachsicht mit dem Dorfpoeten:
dies ist die Frucht, die andre säten!
Nur selten: ich üb‘’ Selbstkritik:
weil euch verkauft‘ ich jeden Mist
zum Wucherpreis (was schäbig ist)!
Tu Buße und - vernehmt die Kunde -
schmeiß allen jenen eine Runde,
die nicht für das, was sie erstanden,
nun selbst betrog‘ne Käufer fanden.
zum Anlass, weil es uns her zog.
Erneut zum Klassentreff, den beide,
organisiert hab’n, Max und Heide.
Und Freddy nährt wie eine Mutter,
die Klepfer-Site mit Cyber-Futter.
Wir woll‘n uns seh’n, vor allen Dingen,
nicht so wie die, die vor uns gingen.
Sie sitzen still in unserm Kreis,
auf ewig jung und nicht als Greis.
Ich träumt’, ich hielt ein Pferd im Zaum.
Jetzt kommt, ihr ahnt’s, was kommen muss:
der alte Gaul hieß Pegasus.
Für meine Klasse - nicht den Rest -
war unser Treff (1989) ein großes Fest,
In jenem Jahr vor 30 Sonnen (1959)
Hab‘n wir in Haigerloch begonnen,
Der Geschichte erster Teil
Es steht ein Haus in Haigerloch,in das wohl kaum ein Feiger kroch,
denn wer in jenem Haus studiert’,
ward hart für Afrika trainiert.
"Missionshaus” hieß das weiße Haus
dort hoch im Fels. Fest schaut’ es aus.
Geführt von Weißen Vätern klug,
nur Nachwuchs gab es nie genug.
Superior war Pater Haag,
der folgt Rousseau bei Nacht und Tag;
führt ein Gespräch, statt harter Strafe,
mit manchem fehlgetret‘nen Schafe.
Mit Schärfe sprach einst Pater Buse:
“Heut‘ bin ich Chef, kenn‘ kein Geschmuse!
Wenn aus dem Haus die Katze ist,
bin ich’s - der Kater - der euch frisst.
Ein Musikus war Pater Schröter,
wollt‘ gern für Sexta-Schwerenöter
statt Winnetou ein Lied ins Hirn
- schlug sich verzweifelt an die Stirn.
Dem Pater Herrmann - früh verschieden -
war Afrika nicht mehr beschieden.
Statt dem zu folgen, was ihn rief,
übt‘ er den Quinta-Genitiv.
Die Quarta leitet Pater Vogt,
in seinem Busen beides wogt':
prinzipientreu wollt‘ uns formen
nach pädagogisch neu‘ren Normen.
Der alte Bumiller war stets
erfüllt von düst‘rem Mythen-Fez.
Sprach auch von edelsten Gefühlen,
vom Kampfe in den Thermophylen.
Der Pilo war ein arger Schinder
schlug nackte Pos der fremden Kinder,
Das kam zu Ohren Pater Gypkens,
hat rasch versetzt den Paule Strütjens.
Wer unterrichtet Religion?
Das war der Pater Wirthensohn!
Er hat studiert den Lehrerjob,
für Schüler hatt’ er Herz und Kopp.
Mit strammem Schritt "Wie geht’s? Wie steht‘s?"
marschiert' vorbei der Pater Schnez.
Die Wirtschaft hielt er treu in Schwung,
sonst fehlt mir die Erinnerung.
In Haus und Stall, in Feld und Garten,
da gab es täglich was zu warten
durch Männer, deren Ton oft rüder,
das waren unsre "Weißen Brüder".
Im Küchendunst fünf Frauen schaffen,
bei einer tat ein Schüler gaffen.
Wir wissen nicht, was nachts geschah;
am Tag drauf war er nicht mehr da.
Der weisen Mütter waren drei,
Miss Scherzinger und Oma. - Mei -
die Aldejohann später kam,
zog uns als Ewig-Weib hinan.
Bei Oma war gut abzuschreiben,
bei Scherzinger ließ man das bleiben;
bei dieser gab’s allein Latein,
bei jener musst‘ es Englisch sein.
Der Uli war auch so nicht stumm,
spielt‘ obendrein Harmonium,
dann sprachen seinen jungen Hände
dem Frommen wahrlich ganze Bände.
Silentium - jetzt kommt der Jupp!
Ein Künstler, dem gelang es - schwupp!
- ein wildes Comic hinzuwerfen;
zum Anschau‘n braucht‘ es starke Nerven.
Wer stürmt beim Fußball wie ein Tiger?
Wen zog es stark zur Bundesliga?
Wer dribbelt‘ keck und schoss ein Tor?
Wir brüllten laut: "Los, Elser, vor!"
Wer las noch "Räuber Hotzenplotz"?
Ihr ahnt es, das war Günther Hotz!
Der jüngste fesselt', hart wie Stahl,
den Strähle an den Marterpfahl.
Den Walther zog’s als Sakristan
{statt wie einst Faust} zum Himmel ran.
Der Senior der ganzen Klasse,
er ist es noch, des muss mer‘m lasse!
Das Klo war letzter Lese-Ort
für den, der strebt' vom Studium fort.
Es steckt das Buch, man war kein Doofer,
im Hosenbund unterm Pullover.
Als einstmals ich zum Klo geschlichen
fasst’ Pater Herrmann, der verblichen,
mir an den Bauch! - Welches Entzücken,
denn diesmal steckt mein Buch - am Rücken.
Licht war im Schlafsaal kaum verloschen,
ham wir schon feste losgedroschen,
die Handtücher geknüpft zu Knoten -
trotzdem, dass dies (wie das) verboten.
Drauf mancher las und war so frei
im Bett bis früh um vier Karl May.
Per Taschenlampe, nun erschreck net,
verschwitzt und müde unterm Deckbett.
Frühmorgens wenn man halb noch schlief,
ein Mensch uns gern zum Frühsport rief.
Und später sahn wir ganz genau
um 20 Uhr die Tagesschau.
Wo tönt das reinste Hosianna?
Am Donnerstag - früh in St. Anna!
Wenn Schwörer sang, was wohl erfreute,
Herrn Pastor Gulde, viele Leute.
Im Winter fuhr’n wir Ski und Schlitten,
nur übern Kies war’s nicht gelitten.
Des Morgens war’n die Fenster nass
und Atem Eis - "Deo Gratias"”
Ein Fresspaket mit Kuchen frisch,
ward stets verteilt am eignen Tisch.
Doch manchmal manche man erspähte,
die feierten nachts eine Fete.
Fromm "ora et labora” hieß es,
Für jenen war das eine Fieses,
dem and‘ren dieses - laut er pries es!
Und mancher gerne beides ließ es.
Lasst mich nun doch in dieser Stunde
erwähnen auch die Ehrenrunde,
mit der traktiert ein jeder Neuer -
aus Büblein wurden Ungeheuer.
Der Geschichte zweiter Teil
Schwarz war die Zukunft der Missionen,die eigne Schul‘ tat sich kaum lohnen.
Der Schülerpulk - das war nicht dumm -
ging drum ins Progymnasium.
Wir hofften heimlich nach vier Jahren
auf Wesen dort mit langen Haaren,
denn schwäbisch sprach die Libido:
"Vergnüget euch, denn i bi do!"
Wir Jungen schauten noch mit Bangen
nach Mädchen aus und Beinen - langen.
Natürlich gab’s, ich will nicht lügen,
auch Wesen dort mit ält‘ren Zügen.
Herr und Frau Schick regierten fair
im Schulhaus mit Familienflair.
Physik gab sie und Mathe er,
mir war das ganze Zeugs zu schwer.
Er war Direktor, sie der Boss,
Jetzt auch für uns, den Schülertross,
"Missions-Klepfer" war’n wir genannt
und oft als kecke Jungs bekannt.
Herr Einert trug mit Charme und Chique
und Wissenschaftsministerblick,
in Deutsch statt Schlips nur seine Fliegen,
doch nie ließ er den Anspruch fliegen.
Nun saßen da in jenen Bänken,
zwei Gruppen, die sich bald verschränkten.
Die Frommen, die zum Priester strebten,
sich mit den Weltlichen verwebten.
Bald hinter allem Kreideduft
macht sich die Liebe Platz und Luft.
Aus zwei der Klassen, vier genau,
zwei Pärchen wurden Mann und Frau.
Dem Max die Heide imponiert,
er hätt‘ so gern mit ihr poussiert.
Sie ziert sich noch für ein paar Wochen
bis sie ihm auf den Leim gekrochen.
Beim Proben des "Kirschblütenzweigs”
hat’s dann gefunkt, - ach, Max, verschweig’s!
Nicht alle solche Liebelein,
fuhr’n in den Ehehafen ein.
Doch Gabi hörte Hochzeitsglocken,
denn einst den Meinolf sie tat locken.
Prompt klettert‘ der nachts übern Zaun;
weil er sich traut’, ließ sie sich trau‘n!
Hier endet die Chronistenpflicht,
denn länger ging zur Schul‘ ich nicht.
Und meine Klasse zog allein
nach Hechingen und Königstein.
Der Geschichte dritter Teil
In sechzig Jahren, die vergangen,hab ich am Weißen Haus gehangen.
Ins Städtchen hübsch im Eyachtal,
kehrt‘ ich zurück so manches mal.
Bei Klassentreffen wie soeben,
erblühte unser Schülerleben.
Ließ mir das Bier beim "Meyer" schmecken,
bestellte mir statt Schrippen - Wecken.
Bei Max und Heide war ich immer
und auch im alten Klassenzimmer;
weil mir das hier für vier, fünf Jahr!
ein Stückchen meine Heimat war.
Bevor ich ab nach Kenya flog,
es mich noch einmal hierher zog.
Ein Fremder bot Willkommensworte
im Weißen Haus mir an der Pforte.
Durch eine Türe, halbgeschlossen,
sprach jemand zu mir unverdrossen:
"Das ist der Raimund – alter Geier!“
Wer also sprach, war Otto Maier.
Epilog
Wollt hör’n ihr noch mein Resümee?Wir waren all, wie eh und je,
voll Stärken und - na, klar — auch Schwächen,
ich wollte mehr von Stärken sprechen.
Denn eigne Schwächen sind ein Dorn -
für jeden der sich kennt - enorm.
Warum soll ich in Tiefen wühlen,
die jedermann allein kann fühlen?
Wohl keiner seine Schuld erkennt,
dadurch, dass sie ein andrer nennt,
und hier beim Schultreff ungehemmt,
mit Rachsucht gegen Mauern rennt,
Und falls mir doch ein Pfeil zerschellt
voll Gift, an einem Mensch voll Welt,
habt Nachsicht mit dem Dorfpoeten:
dies ist die Frucht, die andre säten!
Epilog 1989
Aum Schluss erlaubt mir, was heut‘ chicNur selten: ich üb‘’ Selbstkritik:
weil euch verkauft‘ ich jeden Mist
zum Wucherpreis (was schäbig ist)!
Tu Buße und - vernehmt die Kunde -
schmeiß allen jenen eine Runde,
die nicht für das, was sie erstanden,
nun selbst betrog‘ne Käufer fanden.
Epilog 2026
Frisch aufgefrischt sei der Prologzum Anlass, weil es uns her zog.
Erneut zum Klassentreff, den beide,
organisiert hab’n, Max und Heide.
Und Freddy nährt wie eine Mutter,
die Klepfer-Site mit Cyber-Futter.
Wir woll‘n uns seh’n, vor allen Dingen,
nicht so wie die, die vor uns gingen.
Sie sitzen still in unserm Kreis,
auf ewig jung und nicht als Greis.