Scotch (Peter Edele)
von Fidel Fischer
Ich war in der Zeit von Frühjahr 1962 bis November 1965 Missionsschüler. Auch wenn ich nicht nur
schöne Erinnerungen an Haigerloch habe, war es eine Zeit, die mich doch für mein späteres Leben
stark geprägt hat. Außerdem kommen mir immer wieder Erinnerungen, die ich auch gerne meinen Söhnen
und Enkeln weiter erzähle.
Eine Zeit lang war der stark sehbehinderte Peter Edele, allgemein „Scotch“ genannt, als Hausgehilfe
im Missionshaus beschäftigt. Ihm wurde nachgesagt, dass er gelegentliche „Sünden“ einzelner
„Klepfer“ dem Superior melde. Er war darum entsprechend beliebt und deshalb auch gelegentlich
Zielscheibe von Streichen. Sein Hauptbetätigungsfeld war der Garten und die Landwirtschaft. In den
Sommermonaten wurden die Gemüsefelder mit Rasensprengern bewässert. Diese Rasensprenger wurden durch
den Wasserdruck immer ein kleines Stückchen im Kreis bewegt und gaben dem-entsprechend Geräusche von
sich. Einige von uns kamen auf die Idee, den Zuleitungsschlauch abzuknicken und so die Wasserzufuhr
zu unterbrechen. Scotch, der in der Nähe Unkraut jätete oder sonst eine Gartenarbeit verrichtete,
konnte es zwar nicht sehen, aber hörte jetzt, dass mit dem Sprenger irgendetwas nicht stimmte. Also
ging er zu ihm, um den Grund der Störung zu erkunden. Als er in unmittelbarer Nähe des Sprühkopfes
war stellten die Scherzbolde die Wasserzufuhr wieder her und verhalfen Scotch zu einer
unfreiwilligen Dusche. Wenn ich mich richtig erinnere konnte nie geklärt werden, wer die Übeltäter
waren.
Fidel Fischer
Anmerkungen von Alfred Epple
Peter Edele war der Bruder von P. Andreas Edele, und war stark sehbehindert. Er stammte, wie ich, aus Stetten bei Haigerloch und hat sich deshalb auch um mich gekümmert. Ich kann mich noch gut erinnern, wie er mir versucht hat - mit Erfolg übrigens - die klassische Musik am Beispiel von der "Kleinen Nachtmusik" schmackhaft zu machen.
Aufgrund seiner Behinderung war er leider oft auch Zielscheibe von Spott und Ausgrenzung.