Wie ein zweites Mal Bewegung wurde.....
... weiß (Motor) Egon Schmid.
Wenn man es genau nimmt, gehen die Wurzeln unserer Haigerloch-Treffen bis ins Jahr 1955 zurück.
Damals beschlossen Hermann Kurfeß und ich, erstmals der Stätte unserer Jugenderinnerungen einen
Besuch abzustatten.
Zaghaft wagten wir uns in den Hof des Missionshauses, wo noch die Glocke hing, die uns einst einst
jeden Moment zur Pflichterfüllung gerufen hatte. Superior P. Georg Eisele hatte uns schnell entdeckt
und bat uns freundlich in sein Zimmer. Dort erzählte er von seinen Nöten um die Missionsschüler, die
offensichtlich auch nicht frommer waren als wir früher. Auch beklagte er sich über seine Pumpe', die
zu nichts mehr tauge, und die dann auch in der Tat kurze Zeit später ihre Funktion (Herzversagen)
einstellte.
Erst im Jahre 1958 kam es wieder zum Kontakt mit den Weißen Vätern. Ich besuchte damals die
Verwaltungsschule im Haigerlocher Schloß. Eines Tages rief Pater Nöker an und lud mich ins
Missionshaus ein. Es war eine freundliche Begegnung.
Nach Ende meines Studiums in Berlin (1956-64) kam mir die Idee zu einem Treffen ehemaliger Schüler
in Haigerloch - ala früherem Schwabentag. Doch wo die einstiegen Missionsschüler hernehmen? Zum Glück
hatte ich ein altes Schulheft aus Großkrotzenburger Zeiten mit den Anschriften von Mitschülern
verwahrt, zusammen mit mehreren Klassenarbeitsheften, die noch von Pater Bumiller in Haigerloch
(Latein), Pater Fuchs, Pater Lange und Assessor Böttcher (Deutschlehrer in Krotzenburg) zensiert
worden waren.
Das erste Treffen, stieg dann im Jahre 1965 in Haigerloch im Nebenzimmer vom 'Gasthaus Schlößle'.
Neben Hermann (Kurfeß) und Werner (Isenmann), die von weiter her kamen, waren wir nur einige
Ehemalige aus dem Beritt Haigerloch. Beim Treffen selbst entstand der Gedanke zu regelmäßigen
Begegnungen im Zwei-Jahresturnus, der sich in der Tat dann auch bewährt hat.
Laut Beschluß trafen wir uns dann 1967 wieder; diesmal im Nebenzimmer vom 'Gasthaus Löwen’ (Gruol),
wohin uns die Qualität der hauseigenen Schinkenwurst geführt hat. Doch es war eher das dort
reichlich gezapfte 'Haigerlocher Schloßbräu', das uns zu später Stunde in den Innenhof des
Missionshauses trieb, wo schon alles schlief. Geradezu ergreifend in die Stille hinein sang Otto
(Beutler) das Wolgalied. Die Stimmqualität wie auch das Ungewöhnliche des Ereignisses bewirkten, daß
nach und nach in den Zimmern des Hauses die Lichter angingen und sich ein Vorhang nach dem anderen
hob. Zu unseren guten alten Zeiten wäre ein solch frevelhafter Bruch des 'Großen Silentiums' mit der
Höchststrafe eines unverzüglichen Schulverweises geahndet worden. Doch nun erschienen Patres und
Brüder uns und Ottos Gesang durchaus angetan - und dies ab diesem Zeitpunkt nicht nur in dieser
Nacht. Als Entgegenkommen an die Freunde rund um Stuttgart wurde 1969 nach Hermanns Wohnort,
Neckarems, eingeladen. Der Einladung ins dortige 'Gasthaus zum Ochsen' war Hans (Müller) aus
Karlsruhe ebenso gefolgt wie auch Pater Wilhelm Fischer - ein weiterer Schritt der Annäherung.
Im Jahr 1970 trafen wir uns im Haigerlocher 'Cafe Hohenberg' rund um unseren ehemaligen Mitschüler
Frido Bogenrieder, der zu einem wohlverdienten Heimaturlaub aus Afrika gekommen war. Die Chronik
meldet, daß zu diesem 'Treffen außer der Reihe' Hermann, Otto, Werner, Engelbert (Sauter) Georg
(Mäntele) mit Gattin und Kind sowie Fridolin (Stehle) aus Trillfmgen gekommen waren.
Bereits unser Treffen am 20.5.1971 fand ein unerwartetes Echo: Als Ehrengast war unser früherer
Klassenlehrer P. Hans Fuchs aus Trier angereist. Man merkte ihm an, daß er sich unter seinen
ehemaligen 'Hinkels' wohlfühlte. Mit dabei waren auch unsere früheren Lehrer, P. Alfons Hirt und P.
Thomas Mühlbeyer, der damals in Großkrotzenburg auch für unser leibliches Wohl gesorgt hatte. Und
wer hätte sich nicht über das Wiedersehen mit Bruder Eduard gefreut, der uns laufend mit Bonbons
versorgte aus einer Tüte, die überhaupt nicht leer werden wollte? Zum ersten Mal beteiligte sich
Peter Bönsch an unserem Treffen, der schon unser 'Schuldekan' war, als wir noch gar nicht wußten,
was das überhaupt ist. Dieses Treffen zeigte, daß sich unsere Idee mit dem Begegnungsrhythmus 'alle
zwei Jahre' durchgesetzt hatte.
Die Chronik des Treffens am 8. Juli 1973 (letztmalig im 'Cafe Hohenberg') weist folgende Teilnehmer
aus: P.Otto Bailer, Alfons Beutele, Peter Bönsch, Otto Beutter, P. Fridolin Bogenrieder, Eugen
Fleig, Walter Frech, Andreas Hutt, Werner Isenmann, Hermann Kurfeß, Heribert Lachenmaier, Klaus
Litterst, P. Heinrich Österle, Engelbert Sauter, Fridolin Stehle. - 48 Teilnehmer hatten sich
eingefunden, Ehefrauen und Kinder mitgerechnet. Ergebnis dieses Treffens war u.a. der Entschluß,
zukünftig mit Rücksicht auf die Saisonurlauber alternierend im Frühjahr bzw. im Herbst zusammen zu
kommen.
Beim nächsten Wiedersehen am 13.9.1975 konnten wir unseren auf Heimat-Urlaub weilenden Wilhelm
Dreher wie auch Anton Elser aus Merzenich erstmals begrüßen, neben den Pater-Gästen Fritz Huber,
Andreas Schweizer und Karl Stengel. Endlich konnten
wir jetzt unsere Erinnerungen im altvertrauten Refektorium bei Nachmittagskaffee und Abendessen
austauschen, womit wir 'wieder daheim' waren.
Mittlerweile halten sich unsere 'Schwabentage' bis nach Trier herumgesprochen und fanden ihr
Beispiel für Zusammenkünfte der in dieser Region wohnhaften Ehemaligen. Um sich nicht in die Quere
zu kommen, legte man die süddeutschen Rendezvous auf die ungeraden Jahre, die 'trierischen' auf die
geraden. Auf allgemeinen Wunsch fand das nächste Treffen in den Sommerferien (13.8. 1977) statt,
wollten doch viele ihre schulpflichtigen Kinder mitbringen. Wieder war Willi Dreher mit von der
Partie wie auch Pater 'Bartflscher'. Neu in der Runde waren P. Erhard Schneider aus Frankfurt, P.
Josef Stricker aus dem Schwarzwald sowie Engelbert Hoferer und Jochen Schulz. Leider mußten Meinolf
Schänke, Berthold Wahlig, Karl Saal wie auch die Patres Josef Hürth, Alfred Nöker und Hans Fuchs
absagen. Die beim Treffen stark vertretene Geistlichkeit, darunter viele ehemalige Mitschüler
(Wilhelm, Erhard, Frido, Eugen Fleig und Josef Stricker) zelebrierten in der Hauskapelle die
Vorabendmesse. Zugegeben: unser Gesang konnte kaum an frühere Tage anknüpfen. Doch die von Inbrunst
gezündete Lautstärke ersetzte ästhetische Qualität. Der Gottesdienst wurde zum starken Erlebnis.
Beim nächsten Treffen am 12.5. 1979 waren fast alle wieder da. Auch P. Andreas Edele aus Stetten/
Haigerloch, zu der Zeit in Heimaturlaub, ließ sich blicken. Neu stieß Josef Gerlach (Muggensturm)
dazu. Er gehört seither zur Kern-Mannschaft. Durch die bei diesem Treffen erstmalig angebotene
Übernachtungsmöglichkeit hatten wir nun fast wieder den Status des 'Missionsschülers' erreicht. Auch
der Zapfenstreich, der bislang stets gegen 23.00 Uhr fällig war, wurde überflüssig.
Glück im Jahr 1980: Wilhelm Dreher wurde Superior von Haigerloch! Das Treffen 1981 (30./31.5.) wurde
ein überragender Erfolg. Neben Wilhelm und Frido sah man auch Pater Fuchs. Ebenso erschienen unsere
ehemaligen Mitstreiter P. Rudi Hufschmid, P. Friedrich Amann und P. Josef Schick auf der Bildfläche.
Außerdem freuten wir uns über die Erstteilnehmer Rudi Vogel (Bottrop), Hans Gutschalk (Werl) und
Heinz Schluck (Erbach), sowie über die Ahlener Freunde Paul Michel und Hans Vogel. Sogar der
Weiße-Väter-Provinzial Ernst Berens stieß zur Truppe. Man erinnere sich: Früher war Provinzial-Besuch
stets eine größere Angelegenheit - mit 'Deo gratias' bei den Mahlzeiten (mindestens bei einer) und
oft auch mit der Gnade eines Wandertages. Über 80 (?) Teilnehmer zählte dieses Treffen, das auch der
Öffentlichkeit nicht verborgen geblieben war. (Bildberichte darüber erschienen sowohl in der
'Hohenzollerischen Zeitung' als auch im 'Schwarzwälder Boten'.) Aus zaghaften Anfängen war so etwas
wie eine Bewegung entstanden!
Zu den nächsten Treffen in den Folgejahren 1983/ 1985 gingen bereits 50 Einladungen raus. Da
mittlerweile klassenübergreifend, kamen denn neu Ulrich Buck, August Diem, Stefan Neubrand und
Hermann Schilling. Die beiden Hausoberen Wilhelm und Frido (Frido hatte Wilhelm abgelöst) gaben den
Treffen besonderes Gepräge.
Der Tod von Wilhelm überschattete das Folgetreffen am 8./9. September 1987. Noch am 12.2. 1987 halte
er sich von mir vor seiner Rückkehr in die alle afrikanische Pfarrei in Kinshasa (damals Zaire/
heute Kongo) verabschiedet mit dem Versprechen, unverzüglich nach Haigerloch zuriickzukehren, falls
sich sein angeschlagener Gesundheitszustand weiter verschlechtere. Jeder Bitte, doch hier zu
bleiben, wo er ja schließlich auch gebraucht würde, zeigte er sich taub. Kaum zwei Wochen später
(24. 2. 1987) erlag er einem Asthma-Anfall:
Inzwischen waren auch die Hessen aufmerksam geworden: mit Erhard Schneider kamen auch Herbert Kaus
und Reiner Schiechtriemen. Im Andenken an Wilhelm und die unter seinem Superiorat im Hause
gestalteten Jugendtreffs feierten wir einen schmissig-modernen Gottesdienst mit Gitarren- und
Querflötenbegleitung. Zwischenzeitlich haben wir jedoch feststellen müssen, daß der Gregorianische
Choral - eben auch in Erinnerung an früher - durch nichts zu ersetzen ist.
Die beiden Treffen 1989 und 1991 liefen unter Superior Hans Sauter. Besonders die Ehemaligenrunde
-14./15. 9. 1991- war wieder ein voller Erfolg. Alfred Merkle hatte sich aus Bottrop erstmals
hergetraut. Nicht unwichtig war, allein durch die Einladungen Kontakte zu jenen früheren Mitschülern
anzubahnen, die am Kommen verhindert waren, wie etwa Josef Traber, Berthold Wahlig, Dr. Meinolf
Schänke.... - auf deren Kommen wir aber immer noch hoffen.
Zum Treffen am 25,/ 26.9.1993 hatten noch Anton Weidelener (Provinzial) und Hans Sauter
('Noch-Superior') eingeladen. Letzterer wurde kurz vor dem Treffen von Reinhold Becker abgelöst.
Erstmals mußte in diesem Jahr unser Klassenlehrer Pater Fuchs (über 90-jährig) aus gesundheitlichen
Gründen seine Teilnahme absagen. In seinem letzten Brief vor seinem Tod schrieb er:
Einem alten Mann verzeiht man gewiß, wenn er erst spät auf Ihr Schreiben antwortet. Daß ich ah und vergeßlich bin, konnten Sie auch daraus ersehen, daß ich auf die Einladung nach Haigerloch einen Monat zu früh negativ antwortete. Ich war dieses Jahr auch nicht auf der Buchmesse... Ihr Rückblick auf die Zeit in Haigerloch tut wohl, da man sieht, daß diese Jahre für viele eine gute Zeit waren... Vor drei Wochen starb mein Bruder Willi, im August ein anderer Bruder (Karl). Dies ist auch ein Wink für mich von oben: bereit zu sein...
Wegen Umbaumaßnahmen konnten wir ab diesem Jahr nicht mehr in den Räumen des Missionshauses übernachten. Doch es gab und gibt ja genug Gasthäuser in der Umgebung. Unser vorletztes Treffen war für die Tage 20./21.5.1995 anberaumt. Inzwischen war die Teilnehmerzahl durch das Fernbleiben der heiratsfähigen/verheirateten Kinder erheblich geschrumpft. Immerhin zählten wir noch 35 Personen - darunter auch Karl Fütterer neben dem Provinzoberen Done Weidelener und dessen Amtsvorgänger Rudi Hufschmid, die mit Hans Sauter aus Köln gekommen waren. Die Prominenz machte locker die fehlende Quantität der Kinder wett.
Unser letztes Treffen am 10./11 Mai 1997 ist sicherlich in ganz frischer Erinnerung. Sogar der Generalobere der Weißen Väter wollte kommen, mußte jedoch dann mitteilen:
Um ehrlich zu sein, ich wäre gern dabei gewesen aber von Ende März bis Anfang Mai werde ich in Afrika sein, und dann ist meine Agenda bis Mitte Juli mit Tagungen überfüllt. Bitte grüßen Sie alle ehemaligen Schüler der Missionsschule, und im Namen der ganzen Gesellschaft danke ich allen für ihre Freundschaft und Hilfe über dreißig Jahre...
So der Generalobere - Generalobere, die wir früher so ganz dicht neben dem Heiligen Vater und ganz knapp unter dem lieben Gott eingeordnet hatten.
Abschließend sei derer gedacht, die zwischenzeitlich nicht mehr unter uns sind:
Unsere Lehrer, die Patres Hans Fuchs, Wilhelm Fischer, Ernst Haag, Thomas Mühlbeyer, Alfons Hirt, Friedrich Huber, Wilhelm Hafner und unser Musiklehrer Josef Schröter. Sie alle haben unsere Treffen noch miterlebt. Auch die Brüder Hatto und Mathias sind vor einiger Zeit verstorben.
Unter unseren Mitschülern trauern wir zunächst um unseren Wilhelm, der viel zum Gelingen der Treffs beigetragen hat. Im Jahre 1991 verstarb unser Mitschüler Heinz Lang, dann 1994 Franz Kappenschneider und kurz vor dem letzten Zusammensein Heribert Lachenmaier. Inzwischen ist auch Paul Hartleib, Pfarrer im Thüringischen, verstorben.
In den vergangenen Weihnachtstagen schrieb mir Rudi Hufschmid treffend:
".Es war sehr schön in Haigerloch, auch wenn mir da - wie noch nie zuvor - aufgegangen ist, daß wir bald ein reiner Rentner-Verein sind.... ".
Hoffentlich fühlen wir uns noch lange Zeit nicht so. Ich wünsche uns ein frohes Wiedersehen in alter Frische beim nächsten Wagnis im Jahr 1999.