Rundbrief zu Weihnachten 2019
es is jetzt widder Weihnachtszeit
da kommste ins Sinnieren
un du lässt Dich inspirieren
von dene Tache dort
an jenem Weiße Väter Ort.
Als mir zusamme sin gesein
in dem Haus unweit vom Main.
Die Tache warn so lang,
dass einem worn ganz bang.
Mir saße da im Studienzimmer
Un dachte, das wär‘ für immer.
Die Zeit, die schein zu steh‘n,
mer konnte kaum die Zukunft sehn.
Es ging‘n so langsam hin die Tache,
das war werklich ne triste Sache.
Jeder Tach des Gleiche,
es war zum Herz erweiche.
Doch da war de 6. im Dezember,
ich mich noch gut remember.
Da gab‘s was anerst ganz klar,
denn de Nikelaus war da.
Da sin mer in dem Speisesaal
zusammekomme allemal,
und da kam de heil‘ge Mann
und hat sei Säcksche uffgetan
und holt heraus sei Buch des Dicke
und liest draus so manche Zicke:
Was de Gustl hat gemacht,
un warum de Franz da hat gelacht
un der Albert war de Gude
un warum de Theo zieht ne Schnute.
Un so bericht‘ der heil‘ge Mann,
was die Leut‘ so ham getan.
Des warn Gedichtscher viel gemacht im Missionsschüler Stil.
Mancher bekam da ab sei Fett,
Aneres war werklich ziemlich nett.
Un dann gab’s auch noch ne Leckerei,
damit die Kinner e mal fröhlich sei.
Un mir hawe laut gesunge
un es hat aach schee geklunge.
dem PAF sei Liedsche,
des ging schon ans Gemütsche.
Soweit ich noch denke kann,
des fing so ähnlich an:
Nikola-haus,
komm‘ in unser Ha-aus,
teile Deine Gaben gütig aus.
Wie in Deinen Erdenleben,
willst Gnad‘ und Güte geben...
Mehr hab‘ ich heut net mer im Kopp; des war allemal kein Flopp; des hat sich festgesetzt in meinem Hirn un is bis heut‘ noch immer drinn. De Nikolaus war besonders schee, auch wenn da lag kein Schnee. Aber die Ferie, die warn zum Greife nah, des Christkind war bald da. Da ging’s endlich dann nach Haus un die Schul war a Zeitlang aus. Da konnste was anners sehn un des war werklich scheen. Un rasch verging die Zeit un dann war’s schon widder so weit. Un du gingst dann hin zur Bundesbahn Mit dere biste nach Krotzeborsch gefahrn. Un dann kam dasselbe Einerlei, dass jeder Tach dasselbe sei. Un du hast ganz fest gedacht, dass Dir was anderes werd‘ gebracht. Doch nix is dann gewese, was dich hätt‘ uffgelese. Sei denn de Gypkens is reigekomme un hat Dich uff’n Kieker dann genomme. Dann hatt’ste nix zu lache, dann gab’s krumme Sache. De Gypkens, der Arrogante, der nam dich uff die Kante un machte dich zur Sau, des wusste alle ganz genau. Drum musst mer kusche alle un druf achte, dass mer net is uffgefalle. Gott sei Dank is die Zeit geschwunde un mer sinn komme über die Runde un lewe heut‘ noch froh. Des sei auch weiter so, dass wir genieße unsere alte Tache. Gott verschon uns von de Altersplache un schenk uns noch a bissje Zeit. Zum Abgang sin mir noch net bereit. Die Vergangenheit is jetzt dahin un die Zukunft sei in unserm Sinn. Doch tu nie vergesse wo einst du hast gesesse in dem Klassesaal, dem weiße, wo’s immer sein musste ganz leise. Doch die Gedanken waren frei un sie flogen stets dahin, wo deines Herzens Wünsche sinn. Genieß nun Deine Horen sonst hast Dein Leben Du verloren!
Nikolausfeier im Speisesaal Großkrotzenburg 1962:
Hinten der Aufgang zur Vorlesekanzel, davor sitzend von links nach rechts: Unterprimaner Hajo,
Gustl,
Tango, Oberprimaner Gerd Dauster mit einer Schallplatte in der Hand, Obersekundaner Josef (?) Senft,
Franz Dickmeis. Auf dem Tisch steht ein Appelwoin-Krug, er enthält ein süßes Limonadengetränk,
hinter
und vor dem Krug ein Teller bzw. eine Schale mit kleinen Süßigkeiten. unmittelbar vor dem Krug steht
ein
Tellerchen, das scheinbar als Aschenbecher diente. Da Gustl eine Zigarette in der rechten Hand hält,
war
wohl aus Anlass der Nikolausfeier rauchen erlaubt. Na ja, wir waren damals schon groß, ich war
bereits
19 und Gustl fast 18 Jahre alt; auf dem Tisch verteilt sind die Liedzettel zum Mitsingen; vor Tangos
rechtem Arm scheint ein Nussknacker zu liegen.