Die Klepfer

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Anhalter trampen

Zwei verstaubte Ordner
prall gefüllt mit Erinnerungen an die Kreuzburg

Zwei verstaubte Ordner prall gefüllt mit Erinnerungen an die Kreuzburg Es sind jetzt schon 22 Jahre her, als meine Mutter 1998 verstarb. Sie hatte als Witwe immer noch in Frankfurt in der Dreizimmerwohnung in der Ketteler-Allee am Nussberg direkt neben der Heilig-Kreuz-Kirche gelebt. Hier waren wir 1955 hergezogen, damals mit 5 Personen: Vater, Mutter und drei Kinder — 12 Jahre, 3 Jahre und 1 Jahr. Im Lauf der gut 40 Jahre hat sich in diesen Räumlichkeiten einiges angesammelt, sodass mein Vater weitere 2 Mansarden und einen zusätzlichen Kellerraum anmieten musste. Das war für meine Erinnerungen ein Glück, denn ich trat 1956 in das Missionshaus in Haigerloch ein und habe dann die Weiße- Väter-Laufbahn begonnen: 1956-1959 Haigerloch, 1959-1964 Großkrotzenburg Abitur, 1964 1966 TrierPhilosophiestudium, 1966-1967 Noviziat in Hörstel, 1967-1968 Theologie- studium in London-Totteridge, im Januar 1968 habe ich dann dort meine Koffer gepackt und habe ab dem Sommersemester 1968 Theologie an der Jesuitenhochschule St. Georgen, Frank- furt, für die Diözese Limburg studiert. Ich konnte die Kellerräume meiner Eltern mitbenutzen und so manche Schätze aus meiner Schulzeit aufbewahren. So bin ich auch 1998 beim Aus- räumen dieser Lagerstätten auf die beiden DIN-A-5 Ordner gestoßen und habe sie nun in mei- nem Keller in Stadecken eingelagert. Und bisweilen schaue ich nach, was sich da so angesam- melt hat. Und so sind mir kürzlich diese zwei verstaubten Ordner in die Hände gefallen.

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Abb. 1:  Die beiden alten Ordner stehen jetzt in meinem Bücherregal und bekunden zwei Jahre meines Lebens in der Kreuzburg der Weißen Väter: 1959 1961

Wie leicht zu erkennen ist, sind beide Ordner mit jeweils hunderten handgeschriebener Heftseiten gefüllt. Es sind dies im wesentlich Unterrichtsmitschriften zu den damals üblichen Fä- chern: Deutsch, Mathematik, Griechisch, Latein, Englisch, Erdkunde, Physik, Religion, Sozialkunde, Chemie, Geschichte, Biologie. Zwar ist es ganz interessant, was damals alles gelehrt wurde. Wenngleich die Lerninhalte durchaus großteils heute noch zutreffen, so gibt es doch ein paar Besonderheiten. Auch einige kurze "Tests", früher wurden diese "Extemporale" genannt, enthält das Sammelsurium der Blätter. Darüber hinaus spiegeln einige Inhalte, die recht aufschlussreich sind, unser Leben in der Kreuzburg wider. Besonders diese sollen hier gezeigt werden.

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Abb. 2:  Klassenbericht Unterrichtsprotokoll S. 1. Welcher Mitschüler das Protokoll verfasst hat, lässt sich heute nicht mehr eruieren. Deutschlehrer P. Freckmann hat eingeführt, dass von jeder Unterrichtsstunde ein Protokoll anzufertigen ist.
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Abb. 3:  Klassenbericht S. 2

Die beiden Protokolle schildern meinen Gedichtvortrag bei P. Freckmann (PAF) in Deutsch. Wir waren damals kleine Knäblein in einer Klasse von 35 Schülern und mussten vor der Klasse stehend ein Gedicht aufsagen. Danach wurde der Vortrag von allen Anwesenden beur- teilt. Die meisten von uns taten sich bei dieser Aktion sehr schwer: Kleine Schiüler stehen vor 34 Mitschülern, die wir noch nicht so recht kannten und hinten saß der Lehrer PAF mit kritischem Blick. Da konnte einem schon mal das Herz in die Hose rutschen. Hier wurde streng auf die hochdeutsche Aussprache geachtet und das fiel uns besonders schwer, hatten wir doch noch alle eine vom heimischen Dialekt gefärbte Aussprache. Den meisten Mitschülern waren wir noch fremd, waren wir doch erst zum Schuljahresbeginn aus den verschiedenen Missions- häusern Rietberg, Haigerloch und Zaitzkofen zusammengekommen und mussten uns langsam zusammenraufen.

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Abb. 4:  Physikextemporale, benotet und unterzeichnet von P. Engelbert (PENG)

Zudem erlebten wir damals erstmals, dass Klassenarbeitsblätter etc. auf Blaumatrize gedruckt wurden. Auch das erweckte den Eindruck des nun höher Qualifizierten. Bisweilen konnte man sich noch an dem Spiritusgeruch der Arbeitsunterlagen "berauschen". Das Ganze vermit- telte einen ausgesprochen seriösen Touch und unterstützte unser Erwachsenwerden. Jetzt waren die Klassenarbeiten selbst in „Nebenfächern“ wie Religion schon etwas aufwändiger und man musste auch etwas wissen; Z.T. schimmerte schon die eigene Beurteilung durch. Andererseits bedeutete dies, dass man sich vorab gut mit dem Unterrichtsstoff beschäftigen musste und im Hinblick auf die Arbeiten beim nachmittaglichen Studium die Sache genau durchzugehen hatte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch einen kleinen Vorteil gegenüber manchem Klassenkameraden, hatte ich doch vor meinem Eintritt in Haigerloch drei Jahre die Mittel- schule besucht und mancher Lerninhalt war mir im Grunde schon vertraut. Anderseits hat Lernen nun für mich eine neue Qualität bekommen. In der Mittelschule hatte ich eigentlich fast nie Hausaufgaben gemacht, sondern da genügte mir das Zuhören im Unterricht, was sich aber zunehmend als ausgesprochen ungünstig auf die schulischen Leistungen auswirkte. Zur rechten Zeit kam dann der Wechsel ins das Progymnasium nach Haigerloch.

Auch die Freizeitgestaltung, meist sonnund feiertags im sogenannten Freistudium oder in den Mittagsund Abenderholungen, bekam nun andere Schwerpunkte. So erinnere ich mich, dass es zu intensivem Schachspiel gekommen ist und dass kleine Wettbewerbe dabei ausgetragen wurden. Ein anderer Schwerpunkt war das Tischtennisspiel in der Baracke am Waldes- rand. Freilich gab es wie in Haigerloch sportliche Betätigungen, aber diese traten nun etwas in den Hintergrund.

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Abb. 5:  Klassenarbeit Religion zum Schuljahresende, S. 1, Religionslehrer Ernst Behrens (?)

Im November 1959 erlebten wir Obertertianer dann eine grandiose Theateraufführung mit Schülern aus der Oberstufe: "Das heilige Experiment" von Fritz Hochwälder, perfekt inszeniert von PAF. Wir alle waren begeistert von der professionellen Theaterschau in der Aula. Und auch das Bühnenbild war wunderbar von Schülern gestaltet. Zahlreiche Besucher von außer- halb waren zu den Aufführungen erschienen und hatten großes Lob gespendet. Inhaltlich ging es um die Missionstätigkeit der Jesuiten in Südamerika im 18. Jahrhundert, was zu Aus- einandersetzungen mit den Inkas führte. Zudem passte das Schauspiel gut zu dem Missionsor- den Weiße Väter, wenn auch diese in einem anderen Erdteil tätig sind.


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Abb. 6:  Klassenarbeit Religion, S. 2 u. 3
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Abb. 7:  Beim Schachspiel am Sonntagmittag. Günter Welde (rechts) und Hajo Stenger in Aktion am nach draußen gestellten Tisch vor dem Erholungssaal im Nebengebäude
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Abb. 8:  Eintrittskarte zum Theaterspiele "Das Heilige Experiment". Leider enthält das Programm nicht die Namen der Schüler , die die Rollen verkörperten.
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Abb. 9:  Szenenbild aus "Das Heilige Experiment"
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Abb. 10:  Vor der Rückwand des Theaterstücks wurde auch die von PAF angestoßene Weihnachtskrippe, jetzt allerdings nach Afrika versetzt, aufgebaut. Zu dieser kamen ebenfalls zahlreiche Besucher von außerhalb. So konnte sich die Schule als hochqualifizierte Lehranstalt präsentieren. Wesentliche Bauarbeiten hat Jakob Weber (Köbes) geleistet.

Die beiden historischen Ordner enthalten außerdem sonstige Sammelstücke aus dem Missi- onshaus. Betrachte ich die vergilbten Blätter werden langsam Erinnerungen wach. So gab es zur Nikolausfeier 1960 ein eigenes Liedblatt mit speziell gedichteten Strophen. Soweit ich mich erinnern kann, fanden diese Feiern im Speisesaal statt und es gab dazu gewisse Köstlich- keiten: In den Äppelwoibämbeln auf jedem Tisch war ein Saftgetränk, was zumindest süßlich schmeckte. Außerdem lagen da kleine Gebäckstücke auf den Tellern. Der Nikolaus wurde dann von einem Oberprimaner oder einem Pater gespielt, der die von den Schülern verfassten Gedichte vortrug. Es könnte sein, dass gelegentlich ein Knecht Ruprecht dabei in Erscheinung trat. Auf jeden Fall lockerten diese Feiern das alltägliche Einerlei auf; da fiel dann schon mal die meist langweilige geistliche Lesung aus und die Studierzeiten wurden etwas gekürzt.

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Abb. 11:  Liedblatt zur Nikolausfeier 1959. Hier wurden die einzelnen Klassenstufen sowie die Patres und das Personal besung.
Dann fand noch eine besondere Missionsfeierstunde am 3. Adventssonntag 1959 statt. Vermutlich hatte sich der Fuldaer Bischof — zu dieser Diözese gehört Großkrotzenburg — zur Visitation angesagt. Und das wollte man nicht so heimlich erledigen, sondern die Patres wollte den hohen Herrn am „frommen Geschehen“ im Missionshaus teilhaben lassen. Damals war es noch so, dass der Bischof natürlich nicht einfach der Herr Bischof war, sondern dass er als Exzellenz und Hochwürdigster Herr in Erscheinung trat. Auch das färbte freilich auf die Eleven im Haus ab und sollte sie dazu motivieren, ihr eigenes Leben zumindest in diese Richtung zu bewegen: Ja, der Bischof war schon etwas ganz, ganz Besonderes und auch der Priester, der Pater war der Heiligkeit desselben schon ziemlich in die Nähe gerückt. Hier schimmert noch etwas von dem spätbarocken Glanz der Kirche durch. In den letzten 50 Jahren hat sich auf diesem Gebiet vieles — Gott sei Dank! — geändert. Und auch Weiteres ist in Bewegung; ich denke da an den „Synodalen Weg“. Da die hier gestellten Forderungen wegen der hierar- chischen Struktur der Kirche nicht erfüllt werden können, weiß ich nicht, ob diese Bemühun- gen irgendeinen Sinn ergeben. Hoffentlich bleibt es nicht dabei: „Schön, dass wir miteinander geredet haben!“ Das Programmblatt gibt auch Auskunft über weitere Aktivitäten in der Kreuzburg: Da waren die Bläser, eine größere Gruppe von Schülern aller Klassen, die unter Anleitung von „Glätze“so nannten wir den Dirigenten von Außerhalb bei bestimmten Anlässen in und um das Haus auftrat, so bei den Fronleichnamsprozessionen in Großkrotzenburg. Hier konnten die kasernierten Missionsknaben die rege Bewunderung der Dorfschönheiten genießen. Leider musste die 1959 und 1960 noch sehr aktive Bläsergruppe schon kurze Zeit später aufgelöst werden, da sich immer weniger Mitspieler fanden und die Patres den externen Bläserleiter nicht mehr unterstützt haben. Blasmusik erzeugt schon einen größeren Geräuschpegel, was der Stille, dem Silentium, des Hauses nicht förderlich war.
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Abb. 12:  Kleines Liedblatt zur besonderen Feierstunde im Advent 1959.
Wer das Piano 1959 gespielt hat, weiß ich nicht mehr, vermutlich war es ein Schüler gewesen, denn es gab immer wieder einzelne Schüler, die schon vor dem Eintritt ins Missionshaus gut Instrumente beherrschten, weil sie zuhause entsprechende Lernmöglichkeiten hatten. Der Schülerchor wurde damals von Dr. Licht aus Aschaffenburg — er war bei uns Musiklehrer dirigiert. Ihm ist es immer wieder gelungen, gute Leistungen aus den Missionsschülerkehlen heraus zu kitzeln. 1959 gab es noch ein Zupfinstrumenten-Ensemble, das unter Leitung von P. Freckmann stand. Auch dieses übte regelmäßig und mancher Schüler erhoffte sich durch sein Mitspiel gegebenenfalls eine bessere Note im Fach Deutsch, war PAF doch der Deutschlehrer in nahezu allen 5 Klassen. Leider ist aber auch sehr bald diese Musikgruppe mangels Interessenten und Unterstützung eingegangen.
Mit diesem Blatt endet der Ordner OIII, wenngleich sich in dieser Klassenstufe noch weitere Ereignisse abgespielt haben, so z.B. die Fastnachtsfeiern, die Abturfeier der damaligen Ol. Damals schienen mir und sicherlich auch meinen Mitschülern diese Ereignisse wenig aufbewahrenswert, denn sie waren zu alltäglich und gewöhnlich. Am Fastnachtssonntag im Frühjahr 1960 traf sich die ON, bzw. einige Schüler dieser Klasse, im Hof zum gemeinsamen Musizieren. Dabei wurden z.T. Instrumente aus dem Hausfundus verwendet. Diese wurden zu dieser Zeit nicht mehr so streng verschlossen und bewacht, wie das früher der Fall gewesen war, da einzelne Musikgruppen schon gewisse Auflösungserscheinungen zeigten. Eigene Musikinstrumente in die Kreuzburg mitzubringen, wurde nicht gerne gesehen. Außerdem fand eine gemeinsame Fastnachtsfeier in der Aula statt, bei der es als Besonderheit eine Flasche Bier für jeden gab, dazu wurden kurze Sketsche aufgeführt. Freilich war aus diesem Anlass rauchen erlaubt.
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Abb. 13:  Musikgruppe der OIII im Hof an Fastnacht 1960. Von links nach rechts: Heinz-Peter Esch mit Ziehharmonika, Heinrich Parusel mit Blechdose als Trommel, Franz Hohmann, Günther Welde mit Gitarre, Rudi Schäfer in Uniform, Albert Graf, Hajo Stenger mit Bassgeige, Adalbert Unterstaller, Jossef Hück mit Akkordeon, Gregor Klein, Franz-Josef Eulenbach mit Gitarre.
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Abb. 14: Hajo Stenger bei der Fastnachtsfeier in der Aula 1960. Dahinter rechts Markus Binz und Franz Hohmann. Links Rudi Schäfer mit Uniformmütze
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Abb. 15: Begrüßung des Bischofs von Fulda Bolte am Hauseingang. Ganz links P. Engelbert, ganz recht P. Freckmann. Vorn mit Rochett der örtliche Pfarrer von Großkrotzenburg
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Abb. 16:  Superior P. Buck bei der Begrüßungsansprache. Dritter von rechts ist P. Jetter.
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Abb. 17:  Segensgestus bei der Weihe

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Abb. 18:  Auszug des Bischofs aus der Kapelle. Rechts P. Hirt

Im Februar 1960 gab es noch ein ganz besonderes, die Schüler anspornendes Ereignis in der Kreuzburg: Ein junger Weißer Vater wurde hier vom Fuldaer Bischof zum Priester geweiht. Das war natürlich nicht nur eine willkommene Bereicherung unseres Alltags, sondern brachte auch einen edlen, festlichen Glanz in die Kreuzburg. Der zweite Ordner beinhaltet Erinnerungen aus der Zeit als Untersekundaner in der Kreuzburg von April 1960 bis April 1961. Zum Schuljahresbeginn, also im April 1960 war unsere Klasse inzwischen ziemlich geschrumpft von 35 auf 23 Schüler. Dieser Vorgang war an sich normal: Einmal wurden die Anforderungen der Schule nun höher, zum anderen ergab sich eine neue Lernatmosphäre in einem veränderten Umfeld. Zudem wurden die Schüler erwachsen und sahen ihre Lebensziele in einem neuen Licht.

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Abb. 19:  Die Untersekunda 1960. Vlnr. obere Reihe: Franz Lienen, Theo Stüer, Rudi Schäfer, Heinrich Parusel, Hans-Toni Dickers, Franz Pfaff, Reinhard Scheid, Josef Hück, Günther Mayer, Hajo Stenger, Franz Hohmann; mittlere Reihe: Werner Wanzura, Adalbert Unterstaller, Bruno Holzhauer, Günther Welde, Franz Scholz; untere Reihe: Adalbert Graf, Otto Martin, Franz-Josef Eulenbach, Albert Schrenk, Hubert Bonke, August Teichmann.

Der Alltag im Missionshaus war von einer strengen Ordnung geprägt. Dies führte freilich gleichzeitig zu einer gewissen Monotonie. Von daher waren wir froh für jede Abwechselung, die das Leben auflockerte. Freilich hatte jeder selbst in der Hand, was er in seiner Freizeit machte, wenngleich hier der Rahmen auch eng gesteckt war und in das Gesamtkonzept „Missionar in Afrika“ passen musste. Eine solche Auflockerung bot beispielsweise die Gedenkfeier zum Tag der Deutschen Einheit. Auch hier kamen noch das hauseigene Blasorchester und der Schülerchor zum Einsatz.
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Abb. 20:  Das Programm gibt Auskunft über den Einsatz des hauseigenen Blasorchesters und des Schülerchors.

Gelegentlich bot man den Schülern die Möglichkeit, in Frankfurt ins Theater zu gehen. Wenngleich dies mit besonderen Kosten für die Zugfahrt und den Eintritt verbunden war, war man doch froh, etwas anderes zu erleben. Um noch lange von diesen Lichtblicken zu zehren, brachten wir Schüler immer mal wieder die Theaterprogramme mit und betrachteten sie fast ehrfurchtsvoll in der Studienzeit. Gelegentlich wurde im Unterricht über diese Aufführungen gesprochen, so 2.B. über Schillers Maria Stuart.
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Abb. 21:  Programmheft aus Frankfurt.

Für P. Freckmann (PAF) bedeuteten Theateraufführungen wie Das Heilige Experiment einen großen Kraftund Zeitaufwand, der sich aber gelohnt hat und zu großem Erfolg führte. Nun gab PAF den Stab weiter an Pater Zender, der nach seinem Studium der Germanistik in Frankfurt jetzt an der Kreuzburg unterrichtete. P. Zender war von seinem Naturell eher zurückhaltend und in gewisser Weise autoritätshörig und daher vorsichtig bei allem, was er tat. Außerdem hatte er nicht den Erfahrungsschatz von PAF. P. Zender wurde gleich unser Klassenlehrer. Angespornt von der Theateraufführung des Vorjahres musste er nun auch etwas Ähnliches auf die Beine stellen. Ich erinnere mich noch an die recht mühevollen Diskussionen, die wir damals in der Klasse führten, um ein adäquates Programm zu finden. Und herauskam eine Quizshow. Solche Darbietungen waren damals recht populär; die Quizsendungen mit H. J. Kuhlenkampff im Fernsehen waren echte Straßenfeger. Also organisierte P. Zender mit der Ull im Dezember 1960 eine solche Quizshow, die in der Aula stattfand.

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Abb. 22: Hajo Stenger mit Franz Hohmann rechts auf der Büjne vor dem Publikum
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Abb. 23: Hajo Stenger mit Josef Hück ebenda.
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Abb. 24:  Die Jury mit Äpplewoibämbel: Bruno Holzhauer, Hans-Toni Dickers, Rudi Schäfer und Hajo Stenger.

Erst ein Jahr später im November konnte die Ul unter Anleitung von P. Zender das Theaterstück von Edzard Schaper Die Freiheit des Gefangenen aufführen. Immerhin ist damit erneut eine literarische Vorführung gelungen, aber an die hervorragende Qualität der PAFschen Aufführungen kam man nicht heran. Diese konnte erst ein Jahr später im Herbst 1961 durch den von P. Freckmann organisierten heiteren Theaterabend fortgesetzt werden. Nikolausfeiern stellten immer wieder gewisse Höhepunkte im Missionsschülerleben dar, wie oben bereits angedeutet. Die Raucherlaubnis war schon etwas Besonderes, hinzu kamen ein paar kleine Genüsslichkeiten und freilich der Besuch des Nikolaus mit dem Vortrag der Gedichte, die Mitschüler über ihre Kameraden verfasst hatten. Daher wurde dieses Ereignis auch durch kleine Druckzettel besonders markiert.

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Abb. 25:  Rück- und Vorderseite des Nikolausprogramms 1960. Mit Nikoletta ist Frau Sorger gemeint, die als pensionierte Lehrerin noch viele Jahre Englisch in der Kreuzburg unterrichtet hat.

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Abb. 26:  Innenseite des Nikolausprogramms. Text und Melodie des besonderen Nikolauslieds stammen von PAF. Er hat diesen Song auch mit uns eingeübt und auf der Gitarre begleitet. Die Melodie ist so eingängig, dass sie mir heute noch durch den Kopf geht.

An Fastnacht 1961 konnte PAF mit seiner Klasse, der damaligen OIl wieder etwas Besonderes bieten: heitere Szenen mit vielen gesanglichen Einlagen. Gut in Erinnerung blieben die „Liebesgesänge“ mit überdimensionalen, großen Hüten und auch der Zeitraffer in drei Akten. Hier wurde jeweils das Verhalten einer Schulklasse in den Jahren 1910, 1935 und 1960 auf die Bühne gestellt.
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Abb. 27:  Die Gesänge der Umstehenden begleiten das Liebeslegen. Vorn Hans-Joachim Wagner und Hans-Gerd Dauster; hinten stehend vlnr 1 ?, 2. Berthold Hirt,3. Raimund Krause, 4. Franz Sießegger, 5. Albert Heuser, 6. Klaus Schnabel, 7. Klaus Tuchen 8. Bernd Stehle,9. Andreas Wasserfuhr, 10. Alfred Zirwes, 22. Jakob Weber, 12. ?

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Abb. 28:  Zum Kaffee im Speisesaal trugen die Darsteller stolz ihre Theater-Gewandung.

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Abb. 29:   Verhalten von Schülern zu verschiedenen Zeiten. Vlnr: Lehrer ist Franz Sießegger. Schüler: Andreas Wasserfuhr, Victor Garnreiter, Klaus Tuchen, Bernd Stehle, Klaus Iffland, Jakob Weber, Alfred Zirwes, Albert Heuser

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Abb. 30:  Eine Gruppe von Untersekundanern am Zaun des Missionshausgeländes; im Hintergrund ist die Winnenvilla zu erkennen. Diese war für einige, so z.B. Heinrich Parusel, besonders interessant, weil hier eine junge, sehr adrette Dame in unserem Alter wohnte, „Winnenschreck“ genannt; auf dem Foto vlnr. Günter Welde, Josef Hück, Heinrich Parusel, Hajo Stenger, Toni Dieckers, Rudi Schäfer. Winnen hieß der Unternehmer, der daneben eine kleine Fertigungshalle für Berufskleidung unterhielt.

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Abb. 31:  Untersekundaner unterwegs in Großkrotzenburg; an den Krawatten kann man erken- nen, dass dies ein Sonntag war; vInr. Reinhard Scheid, Josef Hück, Hans-Toni Diekers, Gün- ter Welde, Hemrich Parusel, Adalbert Unterstaller, Franz-Josef Eulenbach, Hajo Stenger, Rudi Schäfer

Inzwischen hatte sich unsere Klasse als Untersekunda schon etwas „zusammengerauft“, Gruppen und Freundschaften sind entstanden. Dies machte sich bei den von der Regel vorgesehenen gemeinsamen Spaziergängen bemerkbar, So starte sonntags mittags nicht mehr die gesamt Hausbelegschaft, sondern man durfte in kleineren Gruppen ausschweifen. Ziemlich am Ende des Schuljahres stand die Abschiedsfeier für die Abiturienten: Wie oft haben wir uns danach gesehnt, auch endlich zu dieser Gruppe zu gehören, aber es sollte noch ein paar Jahre dauern. Allerdings war für uns im Frühjahr 1961 auch ein Einschnitt gekommen: Wir hatten die mittlere Reife, das Schmalspurabitur erreicht.
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Abb. 32:  Infoblatt zur Abschiedsfeier der Abiturienten 1961; hierbei war wiederum der Chor mit Dr. Leucht in vollem Einsatz; die Bläser konnten schon nicht mehr auftreten.

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Abb. 32:  Unsere individuell gestaltete Karte zur mittleren Reife am Ende von Klasse UI ım Frühjahr 1961.

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Abb. 34:  Unsere individuell gestaltete Karte zur mittleren Reife am Ende von Klasse UI ım Frühjahr 1961. Die kleinen Bildchen der 22 Schüler im Siegeskranze stammen vom Klassenfoto 1960.

Wichtiger Nachtrag

Kurz nachdem Alfred den oben stehenden Beitrag auf den Klepferseiten veröffentlicht hatte, meldete sich Hans-Gerd Dauster, der eine Klasse über uns war, und hat noch wichtige Ergänzungen zu dem Text beigesteuert. So konnten bei den Abbildungen 27 und 29 die Namen ergänzt werden. Außerdem hatte er in seinem Erinnerungs-Fundus noch wichtige Aufzeichnungen aus dem PAFschen Unterricht: Auch ich erinnere mich noch gut an diese bedeutenden Thesen, die mir selbst als Lehrer später geholfen haben. Ich habe diese mehrfach erfolgreich eingesetzt und würde dies heute jederzeit wieder tun.


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Abb. 35:   Hinweise zur Beurteilung eines Gedichtvortrags; diese spielten bei dem o.g. Protokoll eine ausschlaggebende Rolle.

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Abb. 36:   Diese Anregungen waren sehr plausibel und haben uns oft weitergeholfen. Abb. 37 Legendär, aber durchaus berechtigt waren die sog. PAFschen Prophezeiungen.

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Abb. 37:   Legendär und durchaus berechtigt waren die sogenannten PAFschen Prophezeiungen.

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Abb. 38:   Auch diese Anregungen waren durchaus hilfreich.

Hans-Gerd Dauster

17. März 2020