Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Aus dem Afrikabote 1921/1922/23

No 28 / Okt. 1921 bis Sept. 1922, Seiten 77 – 78,
1921 No 29 / Oktober-Dezember 1922/23, Seite 16, 1922

Neue Missionshäuser – Entlastung für den Standort Haigerloch

Vorwort:
Das Ausbildungssystem der Weißen Väter in der deutschen Provinz war bis 1914 eng vernetzt mit den Missionshäusern im Elsass (Altkirch) und Luxemburg (Marienthal). Der Erste Weltkrieg und seine Folgen führten zu einer stärkeren Verlagerung der Schul- und Missionarsausbildung auf das deutsche Staatsgebiet. Es mussten anstelle von Altkirch, nun zu Frankreich gehörend, Alternativen her, die dem zahlenmäßig steigenden deutschen Nachwuchs gerecht werden konnten. Die Lage im Zeitraum 1921/23 beschreibt der Afrika-Bote wie folgt:

Neubau des Missionshauses Rietberg

„Zunächst erfordert die immer größer werdende Missionsarbeit in Afrika den Nachschub und zunächst die Heranbildung zahlreicher neuer Kräfte. Die vor dem Krieg der deutschen Provinz der Weißen Väter zur Verfügung stehenden Häuser in Trier, Marienthal, Altkirch und Haigerloch genügten bei weitem nicht. Da durch den unglücklichen Ausgang des Krieges zudem das Missionshaus in Altkirch der deutschen Provinz verloren ging, so musste unverzüglich an Ersatz gedacht werden.
Afrikabotenwerbung
Ein zweiter Grund ist der, daß unsere bis da bestehenden Missionshäuser alle im Westen oder Süden Deutschlands gelegen waren; da aber erfahrungsgemäß in den kernkatholischen Gegenden Westfalens viele Missionsberufe schlummern und der Westfale sich ganz besonders zu dem opferreichen Leben eines Afrika-Missionars eignet, so hatten wir schon lange unser Auge auf diese Provinz geworfen. Endlich fanden wir in Rietberg all die Bedingungen erfüllt, die für eine Missionsstudienanstalt in Betracht kommen: eine kleine Landstadt, abseits vom rastlosen und sinnverwirrenden Weltverkehr; ein Gymnasium, in dem wir unsere Schüler vertrauensvoll zuführen können; eine echt katholische Bevölkerung, die in der innigen Empfindung des eigenen Glaubensglückes dem Missionswerk der katholischen Kirche Verständnis und Liebe entgegenbringt, und sich auch durch persönliche Opfer die Förderung desselben angelegen sein läßt.
Das alles zog uns nach Rietberg. Unsere Erwartungen sind nicht getäuscht worden. Nicht nur der in Betracht kommende Welt- und Ordensklerus, nicht nur das Haupt und die Gemeindevertretung des Städtchens, nein die ganze Bevölkerung von Stadt und Land Rietberg nahm uns liebevoll auf und ermunterte uns, das Werk zu beginnen. Und so konnte denn trotz der Not der Zeit der imposante Neubau des Missionshauses entstehen, den wir am 29. September v. Js. (1921) eingeweiht haben. Es beherbergt augenblicklich 35 Schüler, die sich auf zwei Gymnasialklassen (Obertertia und Untersekunda) verteilen. Gebe Gott, daß sich ihre Zahl schon zu Ostern durch den Zuzug vieler und zuverlässiger Berufe vermehre!“ Eröffnung des Missionshauses in Linz am Rhein. „Am Donnerstag, den 21. September dieses Jahres (1923), konnte das schon vor längerer Zeit entstandene Haus zu Linz a. Rhein von einigen Patres und Brüdern bezogen werden. - Die Entwicklung, welche unsere Studienanstalten in Haigerloch und Rietberg genommen und noch fortwährend nehmen, sowie der Umstand, daß durch den Ausgang des Krieges die Studienanstalt in Altkirch (Oberelsaß) der deutschen Provinz der Weißen Väter verloren ging, machten eine Neugründung immer dringlicher. Dank glücklich zusammentreffender Fügungen ist sie nunmehr Wirklichkeit geworden. Sie hat den Zweck, Missionszöglingen für die Dauer ihrer Gymnasialstudien ein Heim zu bieten. - Da die Missionszöglinge den Unterricht am Gymnasium der Stadt besuchen sollen, will man den Anfang des neuen Schuljahres abwarten, um die Anstalt dem Vollbetrieb zu übergeben. Bis dahin wird der Rest der Einrichtungsarbeiten mit Gottes Hilfe beendet sein.“

Textgestaltung: Dr. Wolfgang Völker / Lengerich/Westf.