Die Klepfer

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Aus der Chronik der Weißen Väter 1929

Das Silberjubiläum des Missionshauses Haigerloch


Afrika-Bote Vol. 35, 309–311 & 341-344

21 Juni 1929
(leicht gekürzter Auszug; die Namen der Festteilnehmer wurden hervorgehoben.)
Der 21. Juni dieses Jahres wird in der Geschichte unseres Missionshauses Haigerloch immer als ein denkwürdiger Festtag verzeichnet bleiben. Wie der Afrika- Bote schon berichtete, feierte man an diesem Tage das silberne Jubiläum der Missionsschule. Ein kurze Skizze über den erhebenden Verlauf der Feier wird unsern Freunden in der Heimat und den vielen einstigen Bewohnern des Hauses drüben in Afrika willkommen sein. [...] Das Haus prangte im neuen Anstrich, blumengeschmückte Ehrenpforten empfingen die Festgäste, und besonders die Hauskapelle zierte reichster Blumenflor. Den Auftakt zum Feste bildete am Vorabend ein Ständchen der Haigerlocher Stadtkapelle. [...] (s. Anmerkungen 1).
Am Festtagsmorgen begann um 3⁄4 10 Uhr nach Ankunft aller Ehrengäste die religiöse Feier mit der Festpredigt des Hochw. Herrn Geistl. Rat Marmon, der einst bei der Gründung des Missionshauses Pate gestanden hatte. Lavigerie, ein zweiter Paulus, ist der Grundgedanke seiner Einleitung. Wie das Abendland den Paulus rief, so Afrika den Bischof von Nancy. [...]
Der Predigt folgte das levitierte Hochamt, gehalten von Hochw. Herrn Domkapitular und Prälaten Dr. Rösch aus Freiburg. Während derselben klang von der Empore der (Haus-) Kapelle mit Choraleinlagen die vierstimmige Messe von Schweizer (s. Anmerkungen 2, 3). Unter Harmoniumbegleitung vom Gesangchor der Missionsschule mit seinem musikalischen Gefühl und Ausdruck vorgetragen, gab sie der ganzen Feier eine eindrucksvolle Weihe. Mit dem Segen und Te Deum am Nachmittage, wo der Hochw. Herr Prälat und Generalvikar der Diözese Rottenburg, Dr, Kottmann, mit zwei geistlichen Herren derselben Diözese fungierte, fand die religiöse Feier ihren Abschluss.
Das Mittagsmahl vereinigte die Festgäste im festlich geschmückten Refektorium. Es war ohne Prunk und ganz den einfachen Verhältnissen des Missionshauses angepasst. Dabei gegrüßte zunächst der Hochwürdige Herr Pater Provinzial Steinhage aus Trier die anwesenden Vertreter aus Kirche und Staat, aus Klerus und Volk aufs herzlichste. Er drückt seine Freude darüber aus, den Hochwürdigen Herrn Domkapitular Dr. Rösch von Freiburg nicht nur als Vertreter des Hochwürdigen Herrn Erzbischofs von Freiburg, sonder auch als persönlichen Freund des Hauses hier zu sehen. Er dankt sodann dem Hochwürdigsten Herrn Erzbischof und dem ganzen Domkapitel für das Wohlwollen, das dem Missionshaus stets von ihnen entgegengebracht worden ist. Herr Regierungsrat Dr. Rech, der Vertreter des Herrn Regierungspräsidenten, sei im Missionshaus kein Unbekannter. Wiederholt habe er die Gelegenheit wahrgenommen, dem Hause bei Schulvisitationen seiner Anerkennung auszusprechen. Das Missionswerk sein übernational und katholisch und gerade deswegen geeignet, vielleicht mehr als ein anderes Werk unter fremden Nationen die Achtung vor dem deutschen Volke zu mehren. Mit großer Genugtuung könnten die Missionare feststellen, dass Regierung und Staat dies immer mehr erkennen und deshalb dem Missionswerk großes Interesse entgegenbringen und ihm ihr Wohlwollen in hohem Maße schenken.
Mit Herrn Regierungsrat Dr. Rech begrüßte Herr P. Steinhage auch die übrigen Vertreter der Regierung, vor allen den Vorsitzenden des Landesausschusses von Hohenzollern, Herrn Pfarrer Vogel und Herrn Landrat Schraermayer von Hechingen. Er heißt besonders willkommen den Hochwürdigen Herr Prälaten und Generalvikar Dr. Kottmann aus der Nachbardiözese Rottenburg. Die Liebe des Missionshauses zu Freiburg beeinträchtige in keiner Weise die Liebe zu Rottenburg, das dem Missionshause stets in Wort und Tat viel Interesse und Entgegenkommen gezeigt habe.
Auch wendet sich der Redner noch an den Hochwürdigen Herrn Geistl. Rat Marmon, den Mitbegründer des Hauses, an Herrn Dekan Dieringer, der schon vor seiner Ankunft in Haigerloch ein warmer Freund der Weißen Väter gewesen sei und zu wiederholten Malen in seiner früheren Pfarrei den Zöglingen Obdach und Bewirtung auf ihren Wanderungen verschafft habe; seine Freundschaft sei, da er in die Nähe des Missionshauses rückte, in erhöhtem Maße gewachsen. Auch Herr Stadtbürgermeister Bausinger von Haigerloch findet noch besonderen Gruß des Herrn P. Steinhage. Er habe trotz seines kurzen Aufenthalts in Haigerloch dem Missionshause in allem geholfen, worin es seine Hilfe beanspruchte, und sei demselben stets mit ergebener Herzlichkeit zugetan gewesen. Zum Schluss entbietet P. Provinzial allen übrigen zahlreichen Gästen aus nah und fern im Namen des Hauses und der ganzen deutschen Provinz ein freundliches Willkommen. [...]
Der Hochwürdige Herr Prälat Dr. Rösch überbringt als Unterpfand freundlichen Gedenkens und väterlichen Wohlwollens den bischöflichen Segen Sr. Exzellenz und drückt dessen hohe Wertschätzung aus für die Anstalt und würdigt auch die Arbeit der Patres in den Pfarreien der Erzdiözese besonders an Sonn- und Feiertagen; sie hätten sich geradezu verdoppelt, um überall aushelfen zu können. Haigerloch habe für den unteren Teil der Diözese ein Kloster ersetzt. [...]
Es spricht in der Folge noch Herr Regierungsrat Dr. Rech im Namen des Regierungspräsidenten und drückt seine warme Anerkennung und Hochschätzung dem Missionshaus aus, in dem er bei dem gewissenhaften Eifer und Fleiß der Zöglinge gerne weile. Seine Worte gipfeln in dem Wunsche nach weiterem Gedeihen und Erfolgen in der Ausbreitung von Kultur und Sitte in Afrika. Warme Gefühle für das Missionshaus bringt Herr Dekan Dieringer aus Haigerloch zum Ausdruck. Auch Herr Stadtbürgermeister Bausinger hat noch einige Worte voll des Wohlwollens, des Dankes und des lebhaften Wunsches für das Gedeihen und Blühen des Missionshauses auch in den kommenden Lustren.
In besonders herzlichem Tone war die Erwiderung des Hochwürdigen Herrn Generalvikars und Prälaten Dr. Kottmann aus Rottenburg gehalten, der trotz der Verschiedenheit der Diözesen doch innige Beziehungen zwischen Missionshaus und Ordinariat von Rottenburg feststellt. Es beständen zwar Grenzpfähle des Rechtes, solche der Gedanken und Gefühle aber nicht. [...]
Der Superior des Hauses, Hochw. Herr P. Liebst, sprach am Schlusse nochmals allen Gästen für die Ehre ihres Erscheinens zum Feste seinen herzlichen Dank aus. Er verbindet damit den Wunsch, dass all die herzlichen Beziehungen, die bisher dem Missionshaus eine so reiche Quelle der Kraft gewesen, in der kommenden Aera fortdauerten. [...]
Es folgte dann noch zu kurzer Entspannung vor der Schlussandacht im Laufe des Nachmittags ein kleiner Rundgang durch die Afrika-Ausstellung. Eine solche Ausstellung war gerechtfertigt durch die enge Verbindung, die das Missionshaus zu Afrika hat. Von verhältnismäßig geringem Umfang gewährt sie dem Besucher einen Einblick in die kulturelle Lage und sonstigen Verhältnisse des Negers in Innerafrika. Der Tiefstand und die Dürftigkeit dieser Kultur zeigt, welch schwere Arbeit derer harrt, die das Missionshaus in jene Gegenden zur Hebung und Kultivierung der Negerrasse sendet. Die deutlichen Ansätze und Anlagen zu Kunst und Technik, die nicht minder bei Betrachtung der ausgestellten Gegenstände auffallen, tun aber auch allen kund, welch reiche Hoffnungen sich an die Arbeit unter jenen Menschenstämmen knüpfen. Das mochte am Tage des Jubiläums allen, die die Ausstellung besuchen, einen wohltuenden Ausblick in die Zukunft eröffnen (s. Anmerkungen 4).
Gegen Abend trafen sich die Gäste wieder zu einem gemütlichen „Conveniat“ im Speisesaale, wo man nochmals die Eindrücke des herrlich verlaufenen Festes auf sich wirken ließ und sie in vertraulichem Gespräche gegenseitig austauschte. Aber schon während sich die Sonne dem Horizont zuneigte, hatten sich die Festgäste wieder getrennt und der Heimat zugewandt. [...] gez.: Ph. H.

Anmerkungen:
1. Die Haigerlocher Stadtkapelle ist noch heute aktiv. Auf der Webseite der Kommune erfährt der Leser: „Jährlich wiederkehrende Veranstaltungen sind Mitgestaltung von Gottesdienst und Gedenkfeier am Volkstrauertag; sowie das traditionelle Weihnachtsliedersingen im Altenpflegeheim St. Josef und im Missionshaus der Weißen Väter.“ (https://www.haigerloch.de/de/Freizeit/Vereine?id=91&item=club&view=publish )
2. hauskapelle/hauskapelle.html
3. Vermutlich handelte es um das „Sancta Maria“ - Marienlied, als vierstimmiger Satz a capella von Johannes Schweitzer (mit „tz“).
4. „Tiefstand und die Dürftigkeit dieser (Neger-) Kultur“:
Überspitzt gesagt, diente das kleine Museum mit „verhältnismäßig geringem Umfang“ im Missionshaus Haigerloch mit handwerklichen Exponaten und Tierpräparaten nach Meinung des Autors „Ph. H.“ der Befriedigung der damals, am Vorabend des Nationalsozialismus und des Rassenwahns, üblichen Denkmuster der Bevölkerung.
5. Einen gescannten Beitrag aus dem Afrika-Bote 35/1929 zum silbernen Jubiläum siehe unter: jubilaeum25.pdf

Text- und Bildauswahl sowie Gestaltung: Dr. Wolfgang Völker / Lengerich/Westf.
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„Der Tiefstand und die Dürftigkeit dieser Kultur zeigt, welch schwere Arbeit derer harrt, die das Missionshaus in jene Gegenden zur Hebung und Kultivierung der Negerrasse sendet.“ (Zitat aus dem Afrika-Bote Vol. 35/1929; Ansichtskarte oben: Missionshaus der Weißen Väter, Trier 1921; unten: Die Seite 1 des ersten Afrika-Bote von 1894).