Aus der Chronik der Weißen Väter 1932 - 33
Jahresbericht des Missionshauses Haigerloch 1932/33
(Nach Vorlage eines maschinengeschriebenen Manuskripts mit handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen.)
Das Missionshaus Haigerloch schaut mit innigem Dank gegen Gott auf das Berichtsjahr 1932/33 zurück. Freudigst anerkennt es, dass die Hand der Vorsehung mit besonderer Güte über seinen Anliegen und Aufgaben waltete und wachte. Der ruhige Gang des Alltags in gleicher Weise wie einmalige, besonders freudige Ereignisse mögen davon Zeugnis geben.
Unter den hochfestlichen Ereignissen steht auch für uns an erster Stelle das 50- jährige Priesterjubiläum unseres hochverehrten und innigst geliebten Generalobern, H.P. Voillard. Mit größter Feierlichkeit, wie es für die ganze Gesellschaft vorgesehen war, haben wir den Tag begangen. H.P. Superior hielt im Hochamt eine Festpredigt; er pries die Würde und den Segen des Priestertums im Allgemeinen und forderte dann zum gemeinsamen Danke für die Gnade dieses Priesterlebens auf. Möge, so sprach er den Wunsch aller aus, H. H.P. Voillard noch recht lange für die Gesellschaft der Mann der Vorsehung sein!
Im gleichen Rahmen stand für das hiesige Missionshaus das 50-jährige Priesterjubiläum des H.H. Geistl. Rat Marmon, St. Anna (s. Anm.). Die Feier war auf den großen Wallfahrtstag St. Anna, Ende Juli 1932 vorgesehen. Sehr zahlreich waren die Gläubigen aus nah u. fern herbei geströmt. Die große Frische von Geist und Herz hatte das Alter dem Jubilar nicht nehmen können; lediglich eine stärkere Lähmung der Beine hatte den Priester aus der Seelsorge heraus vermocht. So hielt er im Anschluss an die Festpredigt ein feierliches Hochamt vor ausgesetztem Allerheiligstem. H.H. Dekan Dieringer und H.H.P. Superior ministrierten. Das gläubige Volk wohnte dem Jubelopfer mit frommer Dankbarkeit und sichtlicher Rührung bei. Bei Gelegenheit des Festes waren geistliche u. weltliche Behörden in einmütiger Weise bestrebt, den Jubilar mit Ehren und Aufmerksamkeiten zu umgeben. Auch die Kommunität des Missionshauses nahm geschlossen am öffentlichen Akte teil. Seit Gründung des Hauses war dieser Priester ein Freund und Sachwalter des Werkes und ist es bis heute unvermindert geblieben. H.P. Superior brachte ihm in warmen Worten Dank u. Anerkennung dafür zum Ausdruck.
Schön für die Gemeinde und das Missionshaus, schloss sich an diese beiden das dritte Priesterfest des Jahres an, die Primizfeier des Herrn P. Stengel. Mit feinem Verständnis hatte Herr Dekan gleich das Fest der sieben Schmerzen in der ersten Passionswoche für die Feier in Aussicht genommen. Auch dieser Termin ist für Haigerloch und Umgebung ein Wallfahrtstag. Die Beteiligung hat dadurch zweifellos gewonnen. Zur Vorbereitung hatte H.P. Superior ein Triduum (Lat.: heilige drei Tage) für die Gemeinde gehalten. In der Festpredigt aber, Maria und der Priester, erfreute er aller Herzen gar sehr. Der ganze Festverlauf brachte das Wohlwollen der Bevölkerung gegenüber dem Missionswerk zum Ausdruck. A.M.A. In Hinsicht auf oberstes Ziel unserer Anstalt, die Schüler wissenschaftlich und moralisch auf den Missionsberuf vorzubereiten, war die Leitung des Hauses stets in aller Weise bemüht, das Werk auf eine breite Grundlage zu stellen, - eben durch die Pflege guter Beziehungen nach außen. Diese atmen in gleicher Weise wie früher durchweg Freundlichkeit und Wohlwollen. Der arme Mann von der Landstraße geht gern zu den Weißen Vätern, um sich den Hunger stillen zu lassen. Die Bewohner der Umgegend sind überzeugt, dass die gute Sache der Missionen ihre Unterstützung verdient. Ihren Verhältnissen entsprechend bringen sie ihr Almosen oder geben ihren Beitrag zur Sammlung. Ebenso anerkennen die Behörden die Aufgaben und Ziele der Anstalt. Innigen Dank konnte H.P. Superior Herrn Bürgermeister Dr. Rettich bei Gelegenheit des St. Aloisiusfestes aussprechen für die Zuvorkommenheiten, die das Haus im Laufe des Jahres von dieser Seite erfuhr. Nicht weniger ist Herr Landrat Schraermeyer von Hechingen bemüht, uns Beweise seiner Geneigtheit zu geben, und als am Tag der deutschen Jugend Herr Regierungspräsident Dr. Simons den Besuch von H.P. Superior unverhofft erwiderte, ist kein einziges Wort gefallen, das auch nur im geringsten auf Unfreundlichkeit hätte schließen lassen. Herr Schulrat Dr. Speckkamp visitierte im laufenden Berichtsjahr zweimal unsere Schule, das erste Mal zu Beginn des Berichtsjahres anfangs Juli 32, das zweite Mal Ende Mai 33, gleich nach Eröffnung des Schuljahres. Bei diesem frühen Gang wollte er besonders beobachten, wie man aus so verschiedenartigen Schülern so schnell eine Einheit schaffen könne. Sein Urteil über Leistungen ist sachlich. Seine Winke für methodische Verbesserungen sind wertvoll und wohlwollend. In Hinsicht auf Gleichmäßigkeit hierin und auf Gewöhnung von Lehrer und Schüler bedauerte er den größeren Wechsel im Lehrerkollegium.
Die Beziehungen zu den geistlichen Behörden des Landes sind geradezu herzlich. In Haigerloch selbst wie in der näheren und entfernteren Umgegend werden die Patres immer wieder zur Seelsorgeaushilfe eingeladen. Herr P. Superior konnte sogar schon etliche Male Vorträge halten auf sogenannten örtlichen Katholikentagen, die bei Gelegenheit des Patroziniums (Patronatsfest) abgehalten werden. Auch konnte er die Investierung des H. Pfr. Kraus in Rothenfels vornehmen. Aus eigenen Stücken haben sich auch eine Reihe Geistlicher dazu angetragen, in ihren Pfarrgemeinden herbstliche Kartoffel- oder andere Lebensmittelkollekten für das Missionshaus in die Wege zu leiten. Als Entgelt für die Kollekte zeigten wir dann unseren Film. Weil die Leute weniger begütert sind, lassen sich Missionsfeste von größerem Ertrag kaum abhalten, und so war dies den Pfarrern recht.
Auch bei Sr. Excellenz Dr. Gröber, Erzbischof von Freiburg, wurde H.P. Superior freundlichst empfangen. Bei den Kapitelskonferenzen nicht weniger als bei der Diözesansynode war H.P. Superior gerngesehener Teilnehmer. In gleicher Weise findet Se. Excellenz Dr. Sproll, Bischof von Rottenburg, immer wieder einen besonderen Weg, seine Geneigtheit zum Ausdruck zu bringen. Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang seine Anwesenheit bei der Eröffnung der Missionsausstellung in Hirrlingen b. Rottenburg (s. Anm. u. AB 39/1933). Trotz der Notzeit hatten die Jungfrauen dieser Ortschaft eine Sammlung von Paramenten und Negerkleidchen zusammengebracht, die zahlreiche Besucher anzog. Ihr Zustandekommen verdankte sie namentlich den Bemühungen von Frl. Schaible, Lehrerin in Hirrlingen, Frl. Strohmaier und der unermüdlichen Frl. Eberhardt von Haigerloch. Im neuerrichteten St. Josephshaus wurden diese auch mit einigen Afrikagegenständen aus Haigerloch zu einer anziehenden Schau zusammengestellt, Unter den hohen Besuchern zählte man auch Se. Excellenz Fischer, Weihbischof von Rottenburg, mit einem Domkapitular. Noch eine zweite Veranstaltung dieser Art kam im laufenden Berichtsjahr zustande, und zwar in Oeffingen; Frl. Martha Morgenstern ruhte und rastete nicht, bis das hohe Ziel erreicht war. Von diesem schönen Opferbeispiel sind nun schon wieder andere ergriffen, sodass für absehbare Zeit wieder einige derartige Veranstaltungen in Aussicht sind.
Für die innere Verwaltung der Anstalt wurden kaum nennenswerte Änderungen getroffen. Die Zeiteinteilung für Klassenstunden und Studierzeit blieb wie bisher. Die Lehrfächer sind auf alle Patres verteilt. Der Beichttag ist für die Schüler endgültig auf Freitag bzw. Donnerstag festgesetzt. Umstände und Bedingungen, die für Beichtväter und Beichtkinder in gleicher Weise günstig sind, veranlassten zu dieser kleinen Änderung. Die schulfreien Tage waren mit gemeinschaftlichen Spielen und Wanderungen angefüllt. Die beiden Tertien konnten in den Pfingstferien mit dem Lastwagen des Herrn Strobel, Rangendingen, auf dessen Kosten nach Sigmaringen und Beuron fahren. Gelegenheiten für Filmdarbietungen und allgemeinbildende Vorträge wurden immer wieder gesucht und in den Rahmen der Tagesordnung eingefügt. Auch dem sonst üblichen Theaterspiel konnten sich die Schüler zu Weihnachten widmen. Das Stück, das die Schüler der Öffentlichkeit boten, fand allenthalben reichen Beifall.
An der Mai- und Sonnwendfeier haben unsere Schüler den Umständen entsprechend teilgenommen. Unter Führung von H.P. Superior und H.P. Häfele schlossen sie sich der Haigerlocher Jugend an und haben selbe vorteilhaft ergänzt. An der Himmelfahrts- und Fronleichnamsprozession bildeten sie wie bisher die Kerntruppe der Jugend.
Der Gesundheitszustand war im Hause gut. Einige bedenklicher Erkrankte verbrachte man sofort ins Krankenhaus nach Horb, allwo sie zur Zufriedenheit genasen. Verletzungen bei Spiel und Wanderung brachten in keinem Falle Dauerschädigung. Im Oktober war unsere Wasserversorgung einige Tage gestört. Den Behelf haben alle gern erleichtert. Ein Frater aus Trier war für einige Wochen im St. Josephskrankenhaus zur Nachkur. Unsere Patres versorgen dort laufend den Gottesdienst. Als Entgelt richten die Schwestern unsere zahlreiche Kirchenwäsche. Da die meisten Betten leer stehen, ist denselben eine andere Provision nicht möglich. Die Einnahmen der Anstalt reichen zur Deckung der laufenden Unterhaltskosten gut aus, (und waren) der Provinzialkasse (zu) überweisen. Der Betrag setzt sich zusammen aus Aushilfsgeldern der Patres, Almosen und den durchweg regelmäßig und restlos entrichteten Pensionen. Freilich ließe der Stand des Hauses eine durchgreifende Aufbesserung dringend wünschen. Die Schülerexerzitien fielen in die Weihnachtszeit. K.P. Tapper aus Großkrotzenburg hat sich dabei durch Führung und Vortrag verdient gemacht. Patres und Brüder hatten ihre Jahresexerzitien hier im Hause. Die Patres machten die Übung einzeln für sich. Den Brüdern war H.P. Häfele mit der Konferenz, H.P. Superior mit drei Vorträgen am Morgen und Abend behilflich. Am Vortag der Exercitien legten die Patres gemeinsam das theologische Jahresexamen ab. Den Schluss bildete die Ablegung bzw. Erneuerung des Eides, den H.P. Superior i. A. von H.P. Provinzial entgegennahm. (Afrika-Bote 38/1932)
Den Patres, die ihre Ernennung für die Missionen bzw. für Zaitskofen erhielten, bereitete die Kommunität eine schöne Abschiedsfeier. Alle, Bleibende und Scheidende, bekannten sich zu jenem Standpunkt, der in unserer Gesellschaft die Grundlage treuer Familiengemeinschaft ist. Den Abschied des H.P. Kohle beging die ganze Gemeinde Gruol würdig und ehrenwert. Durch die Anwesenheit einiger Patres und etlicher Geistlicher wurde das Missionsinteresse neu geweckt und vertieft. Noch viele Beträge für Heidenkinder wurden H.P. Kohle nachgeschickt von solchen, die wohl gemeint haben mochten, die Missionssache sei nicht gar so ernst zu nehmen.
Die Anzahl der Schüler betrug zu Beginn des Berichtsjahres 112, zu Ende 113. 15 siedelten nach Großkrotzenburg ans Obergymnasium über.
Patres sind gegenwärtig 9:
HH. PP. Superior Schell, Häfele, Morgenstern, Huber, Baudoux, Bumiller, Straub, Beiter, Arnold. Brüder ebenfalls 9 :
BBr. Ernst Afrikanus, Silvanus, Ildefons, Gastor, Solanus, Günter, Suitbert, Pirmin. Dazu 4 Postulanten.
Auf die Todesnachricht von Br. Titus zu Trier ging die ganze Kommunität nach Trillfingen, seine Heimatgemeinde, und feierte dort das erste Opfer. (Im gleichen Jahr ist nun auch sein Vater in die Ewigkeit eingegangen.) R. I. P.
Anmerkungen
zu Dekan Joseph Marmon siehe:
https://klepfer.alfred-epple.de/historisches/chronikwv_21.pdf
„Am nächsten Tag rezitieren wir den Angelus zum ersten Mal zum Klang der "großen" Glocke, auf die wir seit sieben Jahren gewartet haben. Der großzügige Spender Dekan (Joseph) Marmon aus Sigmaringendorf, ursprünglich aus Haigerloch, hatte es uns bei der Gründung des Hauses versprochen (1903) (Joseph Marmon * 5. 2. 1858 in Haigerloch; 1907 Pfarrer in Sigmaringendorf, 1909 Dekan in Sigmaringen und 1916 Stadtpfarrer von St. Johann in Sigmaringen. 1923 erhielt er den Titel Geistlicher Rat, 1928 Ruhestand in Haigerloch, und Ehrenbürger der Stadt, † 13. 1. 1934 ebenda.). Am 20. August 1910 war es dann endlich soweit!“ https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Marmon"
Joseph Marmon (* 5. Februar 1858 in Haigerloch; † 13. Januar 1934 ebenda) war ein deutscher katholischer Geistlicher.
„Joseph Marmon, der sich zur Unterscheidung von seinem bekannteren Onkel, dem Freiburger Domkapitular Josef Marmon (1820–1885), mit „ph“ schrieb, war der Sohn des Schneidermeisters Johann Paul Marmon. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und der Priesterweihe 1882 war er zunächst als Vikar in Lichtental und Meersburg tätig, ab 1887 als Kaplanverweser in Pfullendorf. 1893 wurde er Rektor des Fidelishauses in Sigmaringen, 1907 Pfarrer in Sigmaringendorf, 1909 Dekan in Sigmaringen und 1916 Stadtpfarrer von St. Johann in Sigmaringen. 1923 erhielt er den Titel Geistlicher Rat, 1928 trat er in den Ruhestand, den er in seiner Geburtsstadt Haigerloch verbrachte, wo er auch Ehrenbürger war.“ zu Gebräuchebuch siehe z. B: „Gebräuchebuch der Zisterzienser aus dem 12. Jahrhundert“ https://www.bernardus-verlag.de/ecclesiastica-officia
Haigerloch, den 30. Juni 1933 P. Martin Schell, Superior
„Vorgestellt wird der Idealplan eines Zisterzienserklosters und zahlreiche Angaben, wie Zisterzienser ihre Tage gliedern, wie sie sich an bestimmten Festtagen verhalten, wie ihr alltägliches Leben geregelt ist, welche Normen für die Klosterämter gelten. Auch die liturgischen Texte, die für verschiedene Tage vorgeschrieben wurden, sind enthalten.“
zu Missionsausstellung in Hirrlingen bei Haigerloch siehe:
Afrika-Bote 39/1933 (Textauszüge):
„P. Haefele, Haigerloch.
Vor einigen Jahren ergriff in echt apostolischem Eifer die Gemeinde Jungingen (Hohenzollern) für das Missionshaus Haigerloch die Initiative zur Herstellung von Paramenten, Stolen, Alben, Korporalien, Lavabos usw.. Ihr Beispiel hat sofort Nacheiferung erweckt; es folgten die Gemeinden Rangendingen und Haigerloch. In diesem Jahr kam nun die Gemeinde Hirrlingen hinzu. Die Missionsausstellung fand vom 16. bis 23 Oktober statt. [...]
Die Ausstellung selbst am Nachmittage wurde durch einige kleine Festspiele von den Schulkindern und Mitgliedern des Jungfrauenvereins auf der Veranda des neuen Vereinshauses in sinnreicher Weise eingeleitet. Kleine Negerchen entstiegen einem Koffer, den Afrika für diesen Anlass nach Europa sandte, und brachten in hübschen Tänzen ihre Freude und ihren Dank zu Ausdruck für all das Schöne, das Deutschland ihrer christlichen Heimat liefere. [...] Um Afrika den Besuchern einigermaßen nahezubringen, war in einem Saal eine afrikanische Landschaft mit ihrer grausigen Tierwelt - Leoparden, Löwen, Schlangen, ihre Strohhütten, ihren Bewohnern - aufgebaut, die das ständige Interesse der Neugierigen weckte. Auch der Sklavenmarkt zum Loskauf von Heidenkindern fehlte nicht.“

Textgestaltung:
Dr. Wolfgang Völker, Lengerich/Westf.
Quellen:
Wikipedia
Afrika-Bote 38/1932 (Abbildung) und 39/1933 (Textauszug)