Die Klepfer

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Bemerkungen zur Erziehung der Eingeborenen zur Arbeit

Über „Die Erziehung der Eingeborenen zur Arbeit“ in Afrika lesen wir in einem Kapitel aus dem Buch "Weiße Väter“, Trier, 1918, des Paters Theodor Frey, seinerzeit Provinzial der Deutschen Provinz der Weißen Väter.

„Das Ziel der Missionare ist, aus den Eingeborenen überzeugte Christen zu machen und sie in einem echt christlichen Leben zu bewahren. Eines der besten und wirksamsten Mittel, diesen Zweck zu erreichen, ist, die Neger zu ernster, geregelter Arbeit zu erziehen. Der Müßiggang ist wie überall auch in Afrika eine nie versiegende Quelle von Fehlern und Lastern der verschiedensten Art. Schwarze, die ihr Leben in Trägheit zubringen, werden niemals Christen, die sittlich auf der Höhe stehen und unter Umständen den Mut haben, für ihre Überzeugung Opfer zu bringen.
Eine Christengemeinde, die sich zu einer Vereinigung müßiger Schmarotzer herausbildet, würde bald dem völligen Untergang anheim fallen. `Ich bin fest überzeugt´, schreibt der Apostolische Vikar vom Oberkongo, der Missionsveteran Bischof Roelens, `und die tägliche Erfahrung bestärkt mich darin, dass man nie etwas Ordentliches aus einem Schwarzen machen wird, der sich gewohnheitsmäßig der Trägheit überlässt, und dass keine Christengemeinde Bestand hat, wenn dort der Müßiggang das Zepter führt. Die Arbeitsamkeit ist eine gute Hüterin der Sittlichkeit und des Glaubens. Wir müssen also unsere Schwarzen zum Arbeiten bringen, wenn wir sie zu einem sittlichen Leben erziehen wollen. Könnten wir ihnen aber Lust und Liebe zur Arbeit einflößen, das wäre die Vollkommenheit in dieser Beziehung. Keine Mühe darf uns zu groß sein, um zu diesem Ergebnis zu gelangen.´
Am Anfang gibt es allerdings gewaltige Schwierigkeiten zu überwinden, bis die Eingeborenen die Nützlichkeit und gar die Notwendigkeit der Arbeit einsehen. Der Neger hat im Allgemeinen wenig Bedürfnisse, und das zu ihrer Befriedigung Notwendige gewährt ihm der tropische Boden gewöhnlich, ohne dass er sich viel Mühe zu geben braucht. Die Missionare müssen deshalb in erster Linie dem Neger die zu einem menschenwürdigen Dasein zunächst für Kleidung, Nahrung und Wohnung notwendigen Bedürfnisse schaffen, dann müssen sie ihm hilfreich an die Hand gehen und ihn anleiten, diese Bedürfnisse in der richtigen Weise zu befriedigen. Dies wird aber nur möglich sein, wenn er sich durch Arbeit die nötigen Einkünfte zu verschaffen sucht. So gelangt er nach und nach zu einem gewissen sozialen Wohlstand, der dann für die religiöse und sittliche Hebung eine günstige Grundlage schafft. Die Religion muss den Neger zunächst zum Menschen machen, nur dann wird sie aus ihm einen brauchbaren Christen machen können. Um die Schwarzen zur Arbeit zu bringen, haben die Regierungen ein gutes Mittel, nämlich die Kopf- und Hüttensteuer. Die Mission kann solche Mittel nicht anwenden, ihr steht bloß die Belehrung, das Beispiel und die Anleitung zur Verfügung. So bemüht man sich, die Schuljugend nicht bloß in den Anfangsgründen des ABC, sondern auch in der Arbeit in Garten und Feld zu unterrichten. Es sind zunächst nur einfache und leichte Arbeiten, zu denen man sie anleitet; ein kleiner Lohn spornt ihren Eifer an. Um sie noch mehr zur Arbeit anzutreiben, wird ihnen nichts umsonst gegeben, keine Nadel, keine Glasperle, kein Stoff, kein Buch; alles muss redlich verdient werden. — Außerdem verlangt die Mission, dass die Neger sich anständig kleiden und nicht im einfachen Lendenschurz zur Kirche kommen.
Um sich diese Kleidung zu verschaffen, müssen sie wieder arbeiten. Die Mission gibt den Eingeborenen Anleitung im Gartenbau, in der Viehzucht und stellt ihnen unter Umständen das nötige Saatgut zu eigenen Kaffee-, Baumwoll-, Kautschuk- oder Ölbaumpflanzungen. Sie sucht auch auf den ihr selbst gehörenden größeren Pflanzungen den Schwarzen Gelegenheit zur Arbeit zu schaffen, so z.B. auf der Pflanzung Marienhof auf der Insel Ükerewe wo mehrere Hundert Hektar mit Baumwolle und Sisalhanf bebaut sind. Dass diese Belehrungen günstige Erfolge zeitigen, beweisen die zahlreichen von den Eingeborenen bebauten Felder in dem Einflussgebiet der Missionsniederlassungen. In fruchtbaren Gegenden umgeben ganze Quadratkilometer sorgfältig angebauten Landes die Stationen.

Soweit Pater Frey. Was er nicht sagt — die zum Schluss beschriebenen großzügigen Arbeitsmöglichkeiten kamen meist nicht den „Eingeborenen» zugute und die missionseigene Pflanzung Marienhof mit ihren mehreren Hundert Hektar zum Beispiel war klarer Landraub. Die Erziehung der Missionsschüler zu Missionaren, zu Weißen Vätern erfolgte im Wesentlichen immer noch aus diesem Geist.