Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Duwendag-Voelker

Rezension

Wolfgang Völker; Hans-Ulrich Duwendag: Von Missionaren, Herrschern und Forschern. Göttingen: Cuvillier Verlag, 2018, 300 S. ISBN 978-3- 7369-9907-7

Der französische Präsident, Etienne Macron, hat die Diskussion über die koloniale Vergangenheit wieder in die Gegenwart geholt, indem er dafür plädiert, die „geraubten“ Kulturgüter den afrikanischen Gesellschaften wieder zurück zu geben. In Deutschland haben sich die Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, an die Spitze derjenigen gestellt, die die deutsche Kolonialgeschichte wieder aufrollen wollen. Dagegen meint Flower Manase, Leiterin der Geschichtsabteilung des Nationalmuseums von Tansania, das weitgehend leer steht, in einem Gespräch mit dem Zeitkorrespondenten Werner Bloch, „wir wollen keine Almosen, wir haben Rechte! Viele hier bezweifeln auch, dass die Franzosen denn eigentlich wissen, wovon sie sprechen“. (Perlentaucher, 27.12.2018)

Die Autoren Völker und Duwendag beteiligen sich daran. In der vorliegenden Dokumentation gehen sie in die Kolonialzeit von DeutschOstafrika zurück, das von 1885 bis 1918 Teil der deutschen Kolonialgebiete war. Es ist das Gebiet der Großen Seen und umfasst die heutigen Staaten, Burundi, Ruanda und Tansania sowie ein Teil, der heute zu Mosambik gehört. Das Bildmaterial stammt aus den Archiven von zwei Missionsgesellschaften, der Afrikamissionare-Weiße Väter sowie der Neukirchener Mission. Die Texte wurden aus Archivbeständen, aus unterschiedlichen Missionszeitschriften sowie aus anderen Publikationen genommen. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis (S. 287-291) sowie ein Personenregister (S. 293-297) und ein Themenregister machen das Buch zu einem Nachschlagwerk mit Blick auf die deutsche Kolonialgeschichte. Mit Hilfe des „Afrikaboten“ und „Anthropos“ erstellen die Autoren eine Chronik. Kolonialbeamte, namhafte Militärs sowie Missionare werden vorgestellt als Organisatoren, Forscher und Entdecker in DeutschOstafrika. Bilder und Texte erklären sich gegenseitig, sodass der Leser sowohl einen leichten Zugang zu den unterschiedlichen Kulturen und dem anthropologischen Hintergrund in diesem Gebiet findet, als auch wie diese sich während der Kolonialzeit entwickelt haben. Anschaulich vermittelt wird auch, wie das Christentum aufgenommen und die katholische Kirche sich vom Senfkorn zu einer kraftvollen Kirche entwickelt hat.

Kommt der Leser dann ans Ende des Buches, muss er vielleicht seine Meinung oder sein Urteil über die Kulturen in Deutsch-Ostafrika korrigieren. Hilfreich ist diese Dokumentation auch, um einerseits zu erkennen, dass die Kolonialgeschichte nicht in einem schwarz-weiß Bild gemalt werden kann und andererseits, um die heutigen Spannungen und Krisen in dem Gebiet der Großen Seen zu verstehen, sowie, dass der europäische Kolonialismus nicht für alle aktuellen Probleme in Afrika verantwortlich gemacht werden kann.

Hans Vöcking