Die Klepfer

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Der Haigerlocher Atomkeller

Josef Schneider aus Gruol schreibt zum Atomkeller in seinem Buch "Donnergrollen":
Die im ehemaligen Bierkeller des Schwanenwirts Otto Merz gefahrenen wissenschaftlichen Versuche sollten sogar für die Nachkriegsentwicklung der Kernenergie von Bedeutung sein.
Freilich, die Haigerlocher Bevölkerung wußte von alledem nichts. Und es durfte auch wegen der strengen Geheimhaltung nichts nach außen bekannt werden. Im Grunde genommen kümmerte es nicht allzuviele, was da im Keller geschah. Man hatte ja in den letzten Kriegsmonate andere Sorgen. Erst Anfang der 50er Jahre gab es erste Gespräche über die Atomforschung, die im Keller stattgefunden hatten, verläßliche Informationen drangen sogar erst 1954 bis zur Bevölkerung durch.
Es war vielleicht auch gut gewesen, daß man in Haigerloch nicht noch zusätzlich von dem Gedanken belastet war, daß das Projekt Schloßkeller in der Pfluggasse noch eine Gefahr bedeuten könnte. Nur einer war skeptisch: Stadtpfarrer Marquard Guide. Ihn ließ gelegentlich mal Professor Fischer reinschauen. Angesichts der Bleikuppel, dem Gewirr von Drähten und der Laboreinrichtungen drängte sich freilich dem Stadtpfarrer die Frage auf, was es mit dieser Forschung auf sich habe. Die Antwort mußte der vereidigte Professor schuldig bleiben. „So wie sie in der Kirche ihr Sanctissimum haben, so ist diese Kuppel unser Sanctissimum!“ Das war alles was Stadtpfarrer Guide hören konnte. Gulde zu Fischer: „Das ist unser Untergang!“
Haigerloch war indessen durch eine Reihe technischer Umstände, aber auch durch Zufall Ort wissenschaftlicher Forschung geworden. Das ständig luftbedrohte Berlin, bis dahin Sitz des Kaiser-Wilhelm-Instituts, ließ eine zuverlässige Arbeit nicht mehr zu. Man lagerte daher aus in das als luftsicher geltende Hechingen. Die Wissenschaftler arbeiteten hier an den Versuchen weiter. Für den Bau eines Uranbrenners mußte noch ein sicherer, absolut von Luftbedrohung abgeschnittencr Platz gefunden werden. Professor Gerlach erinnerte sich an Haigerloch. In dem strategisch unbedeutenden Ort, zudem in einem bombensicheren Keller, fühlte man sich unbehelligt und vor den Sowjets, die unaufhaltsam nach Berlin drängten, hatte man seine Ruhe. Ihnen wollte man auf keinen Fall die wissenschaftlichen Forschungen in die Hände fallen lassen. Im Bierkeller des Schwanenwirts Otto Merz, welcher rasch für einen Mietvertrag mit der Organisation Todt zu gewinnen war, wurde die modernste deutsche Kraftanlage von Maschinenbaumeister des Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik Georg Drake gebaut, ein Atombrenner aus Uranwürfeln und Schwerem Wasser mit einem Granitmantel.
Jeden Tag kamen die Wissenschaftler der Forschungsgruppe um Prof. Walter Bothe, Prof. Heisenberg, Prof. C.F. Weizsäcker und Prof. Karl Wirtz aus dem 15 km entfernten Hechingen angeradelt, um hier zu arbeiten. Noch war ihnen nichts bekannt davon, daß der Name Haigerloch bereits den amerikanischen Geheimdienst beschäftigte. Im Arbeitszimmer von Prof. Dr. Weizsäcker an der Uni Straßburg, das bereits im November 1944 von den Alliierten besetzt wurde, waren Korrespondenzen entdeckt worden, die Hinweise auf die Haigerlocher wissenschaftlichen Arbeiten gaben. Zwar vermuteten die Amerikaner damals bereits, daß die Deutschen mit der Atombombe noch nicht so weit waren. Zweifel mußten allerdings bestehen bleiben, solange nicht alle Forschungsstätten besetzt und die wichtigsten Physiker verhaftet waren.
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