Semper Tres
In einem franco-kanadischen Artikel von Christine Hudon und Louise Bienvenue (2004)1 – Dozentinnen an
der Université de Sherbrooke (Montreal) - heißt es über die Jungen, die zwischen 1870 und 1969 in
klassischen Schulen Nordamerikas (in Colleges oder Internate) eine ebenso klassische Bildung
erhielten: „Die Schlafsäle sind das Objekt emsiger Kontrollen; Ankleiden, Ausziehen und Waschen
werden von einem strikten Ritual geregelt, das Tugend und Anstand sichern soll. Spaziergänge und
Spiele verlaufen stets nach der Maxime “.
Dieser Leitsatz, der für die Gemeinschaft der Weißen Väter von Kardinal Charles M. A. Lavigerie
besonders betont worden war, hatte auch für uns, den Nachwuchs als pädagogische Maxime gegolten.
Das in vielen Orden, Kongregationen und Schulen gültige „raro unus, numquam duo, semper tres“
(franz.: «rarement seul, jamais deux, toujours trois») blieb auf Schülerseiter aber meist nur als
„semper tres“ hängen. In den sechziger Jahren hatte es sich wohl schon auf die eingedeutschte
Maxime „Keine Privatfreundschaften!“ reduziert. Vielen erschien es damals wie ein sinnentleertes,
störendes Mantra. Kaum einer hat sich auch daran gehalten. Die Angst vor der Homosexualität war
groß und z.B. in dem unvergesslichen Büchlein des Jesuiten Clemente Pereira „Jungen vor Gott“ wurde
stets davor und auch vor der schä(n)dlichen Selbstbefleckung gewarnt. Erstmals ist die Maxime „raro
unus, numquam duo, semper tres“ wohl 1861 im zweibändigen Lehrbuch des Erzbischofs von Orleans,
Félix Dupanloup, „De l`éducation“, erschienen. Vermutlich liegt hier die Quelle für Kardinal
Lavigeries Postulat. Im klassischen Latein ist der Lehrsatz jedenfalls unbekannt.
Raimund Pousset
Markus Strobel schreibt ergänzend dazu:
[Die] Ausführungen [von Raimund Pousset] zu „Semper Tres“ drängen mich zu einer Ergänzung.
Die Weißen Väter sind kein Schulorden, sondern ein Missionsorden. Ihre Schulen hatten als Hauptziel, die Heranbildung künftiger Afrikamissionare. Dafür stellte die Gesellschaft Personal und auch Mittel (sprich Spenden für die Mission) zur Verfügung. Daher auch der niedere Pensionspreis.
Kardinal Lavigerie war kein Pädagoge, sondern Missionar. Er ließ sich von Prinzipien leiten:
Zu Semper tres: Die Missionare sollten keine Einzelkämpfer sein. Bei Wechsel konnte die Arbeit kontinuierlich weitergehen. Missionare waren Boten der Liebe. Sie mussten diese Liebe zuerst unter sich einüben.
- Dreijähriges Katechumenat (keine schnellen Taufen)
- Anpassung in Kleidung, Sprache
- Ausbildung einheimischer Priester
- Semper tres
Die Missionare waren Boten des Glaubens. Nemo dat, quod non hat.( Was er nicht lebt, kann er nicht weitergeben. Daher die intensive Glaubenserziehung.
Zur Erhaltung der reinen Liebe diente auch das Semper tres.
Auf diesen Prinzipien beruhten die Erfolge der Missionsarbeit der Weißen Väter.
Markus Strobel