Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten
Aus der Chronik der Weißen Väter 1907
Das Missionshaus Haigerloch in Jahr 1915
Auszüge aus dem Afrika-Bote No. 21
(Oktober 1914 bis September 1915) Seiten 2ff, 183ff und 221ff
Das Schicksal der Laienbrüder Otto, Ubald und Theoderich aus dem Missionshaus Haigerloch an der
Westfront
Kriegsnachrichten aus den deutschen Missionshäusern.
... Das Missionshaus in Haigerloch, Hohenzollern, entsandte drei seiner Brüder zum Heere, Otto
Nalbach (Schwarzwald), Ubald Müller (Aach, Trier) und Theoderich Schröder (Reisweiler, Saar). Im
übrigen wurde es bei seiner Abgeschiedenheit von den Kriegswirren kaum berührt. Auf die ruhigen
Ferienwochen folgte das geschäftige Treiben des begonnenen Schuljahres, das die Anstalt mit 97
Schülern belebte.
(AB 21/1914/15, Seite 2-3)
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Leider hat der Krieg drei weitere Opfer von uns gefordert. Es sind die Missionsbrüder Otto Nalbach
aus Schwarzenholz (Saar), Ubald Müller aus Aach (Trier) und Theoderich Schröder aus Reisweiler
(Saar).
Bruder Otto befand sich seit dem 8. August (1914) an der Westfront in Feuerstellung. Nach den
Gefechten bei Mülhausen ging es zu den Vogesenkämpfen. [...] Am 13. Dezember schreibt er: „Wir haben
sehr schlechtes Wetter hier, fast immer Regen. Es sieht unheimlich schmutzig aus in unseren
Schützengräben. ...“. [...] Mit aufrichtiger Freude meldete er am 8. Februar aus Lens: „Gestern, den
7. Februar, hatten wir einmal richtig Sonntag feiern können. Hatten eine heilige Messe, nach war
Beichtgelegenheit, und wir haben gleich hernach die heilige Kommunion empfangen. [...] Seit ich von
Haigerloch fort bin, das erste mal.“ - Seit Mitte März blieben Nachrichten aus. Er hatte bei einem
Sturmangriff seinen Tod gefunden. [...]
Bruder Ubald wurde am zweiten Mobilmachungstage nach Konstanz einberufen, erwies sich aber nach den
anstrengenden Märschen in den Vogesen einstweilen als felddienstunfähig und wurde nach Konstanz
zurückbeordert. Am 20. August kam er zum Wachtkommando auf die Burg Hohenzollern, wo er bis zum 1.
März (1915) verblieb. Von dieser Zeit an machte er den Stellungskrieg an der Westfront mit, bis er
am 9. Mai
bei einem Sturmangriff auf einen feindlichen Schützengraben durch Kopfschuss den Tod fand.
Bruder Theoderich rückte Anfang August in die Kaserne. Nach der Ausbildung kam er an die Westfront
in Feuerstellung und überstand die Mühsal und Beschwerden der Schützengräben während der nassen und
kalten Wintermonate in guter Gesundheit. [...] Bei dem erwachenden Frühling, so schreibt er am 28.
März (1915), „wird es auch scön im Schützengraben, weil es nicht mehr so viel regnet und es
bedeutend wärmer ist.“ Bei dem erwachenden Frühling [...] käme selbst in Kriegszeiten eine heitere
Osterstimmung auf, wenn man nicht in so großem Maße auf religiös-geistige Wohltaten verzichten
müsste. Uns so ahnt er eine gedrückte Osterstimmung voraus, „weil man nicht einmal einer heiligen
Messe beiwohnen kann. [...] Am 7. April fand er in der Nähe von Fey en Haye den Tod.
Unsere wackeren Brüder haben, so hoffen wir zu Gott, ihre ewige glückselige Bestimmung erreicht. Das
tröstet uns über den herben Verlust, den die Mission und das Missionshaus zu Haigerloch, dem sie
alle drei angehörten, durch ihr Hinscheiden erlitten hat. (AB 21/1914/15, Seite 183-185)
Das Schicksal der Patres Brindl und Liebst aus Haigerloch
„Pater Brindl ging am 3. August (von Haigerloch) nach Trier. Pater Brindl, durch Pater Liebst
ersetzt, gehört nun zum Scholastikat von Trier.“
(RA No. 8, Jahrg. 1912-1913, Seiten 60 – 61)
Von unsern Lazarettgeistlichen in Trier waren die Patres Brindl (Trier) und Liebst (Haigerloch) seit
Anfang des Krieges im Reservelazarett der Göbenkaserne tätig. [...] Am 19. April (1915) wurde P.
Brindl als Feldgeistlicher nach dem östlichen Kriegsschauplatz berufen und P. Liebst kurz vorher
nach dem Reservelazarett III (Krankenhaus der Franzikanerinnen, Paulinstraße) versetzt.
Pater Brindl weilt seit dem 30. April auf dem russischen Kriegsschaupatz und seinen seelsorgerischen
Wirkungskreis bei der 31. Infanterie-Division des 21. Armeekrops. Die uns zugegangenen
Feldpostbriefe entwerfen uns ein anschauliches Bild von seiner Tätigkeit als Divisionspfarrer: [...]
Ich liebe die Soldaten und schätze mich glücklich, unter ihnen zu ihrem Besten wirken zu dürfen. Mit
Freuden denke ich an meine 7 1⁄2 monatliche Seelsorgearbeit im Lazarett zurück. Aber persönlich noch
mehr Anregung und Befriedigung bietet mir die Seelsorge im Felde. [...] Im allgemeinen ertragen
unsre wackeren Krieger nicht nur die Verwundungen, sondern auch die verschiedenen Krankheiten mit
großem Heldenmut. Aber es dürfte wohl keinen geben, der es nicht vorzöge, auf dem Schlachtfelde zu
sterben als einer heimtückischen Krankheit zum Opfer zu fallen. [...]“
Zugleich erfahren wir, daß er am 10. August (1915) mit dem eisernen Kreuz ausgezeichnet worden sei.
(AB 21/1914-15/Seiten 185-187; 221-224)
Die Lage in Altkirch und Haigerloch
[...] Unsere Missionshäuser haben erfreulicherweise ihren Betrieb noch aufrecht erhalten können,
wenn auch in Haigerloch und Trier wegen der Einberufungen die Zahl der Zöglinge zurückgegangen ist.
Altkirch nimmt wegen seiner Lage in unmittelbarer Nähe des Operationsgebietes eine Ausnahmestellung
ein. Seit September beherbergt es fortdauernd eine Truppe Soldaten, welche die Schützengräben
beziehen und dann wieder in Ruhestellung kommen. „Wir haben hier wie in Nordfrankreich den
Stellungskrieg,“ erfahren wir aus einem Brief, „nur mit dem Unterschiede, daß die Franzosen auf
Altkirch zu noch keinen Durchbruchsversuch gemacht haben. [...] Eben schießen zwar wieder in
unmittelbarer Nähe zwei schwere Kanonen; das ganze Haus zittert, wenn sie losgehen;
Franzosengranaten habe ich aber noch keine ankommen hören; wenn diese kommen, dann geht‘s hinunter
„in des Kellers tiefste Gründe“. [...] Die Franzosen bekommen wir nur noch in der Luft zu sehen.
[...] Wie die Fliegen im heißen Sommer, so durchsurren sie abends zu dritt oder viert die linden
Frühlingslüfte, empfangen stets von den Schrapnells unserer Abwehrkanonen. Welch wunderbares
Schauspiel! [...] Leider ward uns noch nicht die Freude, einen dieser auf friedliche Bevölkerung
Bomben werfenden Engländer oder Franzosen herabkollern zu sehen „vom Olymp herab.“ [...] Daß ich
diesen Fliegern, deren kühnen Wagemut ich meine Achtung nicht versage, so unhold sind, hat seinen
Grund darin, daß sie anstatt nach Festungen zu fliegen, friedliche Städte wie Mülheim, Freiburg,
Schlettstadt, Colmar und sogar unser liebes Altkirch mit ihrem verderbenbringenden Besuch
beehren....“
(AB 21/1914-15/Seiten 185-187)
Quellen:
Textzusammenstellung: Dr. Wolfgang Völker, Lengerich/Westf. Textauszüge: Afrika-Bote, Band 21, Okt.
1914 – Sept. 1915