Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Aus der Chronik der Weißen Väter 1907

Haigerloch, der Krieg und 50 Jahre Weiße Väter im Jahr 1918


Auszüge aus der Zoller-Zeitung (14.10.1918) und dem Afrika-Bote No. 25 (Oktober 1918 bis September 1919)

Der „Zoller“, das politische Tageblatt für die Hohenzollern-Region und Sprachrohr der preußischen Katholiken, brachte am 14. Oktober 1918 u.a. folgende Meldungen:
„Den Heldentod fürs Vaterland starb der älteste Sohn Eugen des Rektors Haiber. [...]. Die Grippe lastet wie ein schwerer Alb auf der Gesamtbevölkerung. Es ist kaum eine Familie vorhanden, wo sich die Krankheit nicht bemerkbar macht. Eine ganze Anzahl Todesfälle in der Stadt sind zu beklagen.“
Der Leiter des nahegelegenen Missionshauses Haigerloch, Pater H. Baurmann, hatte also in diesen Tagen wenig Grund zum Jubeln. Zusätzlich zur Spanischen Grippe bereitete ihm der Tod von Mitbrüdern auf den Schlachtfeldern im Osten und Westen große Sorge. Die verbliebenen Schüler des Hauses mussten ernährt werden, der Lehrkörper war verkleinert und die Verbindungen zu den Missionshäusern und -Stationen außerhalb der Reichsgrenzen waren unterbrochen. Ausgerechnet in dieser Zeit hatten die Pères Blancs Grund zum Jubeln. Ihre multinational besetzte Missionsgesellschaft feierte ihr 50jähriges Bestehen. Gemeinsamer Jubel mit den Mitbrüdern in den von den Deutschen eroberten Nachbarländern, insbesondere mit den französischen, dürfte aber nur ein frommer Wunsch gewesen sein. Nichtsdestotrotz nahm der Leiter des deutschen Missionshauses Haigerloch das Datum zum Anlass, einen größeren Beitrag über die Weißen Väter und ihr Tätigkeitsfeld den Lesern des „Zoller“ zu vorzustellen. Hier ein gekürzter Auszug aus dem Artikel vom 14. Oktober 1918:

Die Weißen Väter 1868-1918
Am 19. Oktober dieses Jahres schaut die Missionsgesellschaft der Weißen Väter auf die ersten 50 Jahre ihres Bestehens zurück. Da die Genossenschaft seit 15 Jahren auch in den Hohenzollernschen Landen eine Niederlassung besitzt, so dürfte ein Überblick über die Tätigkeit und die Ziele derselben wohl auch den Lesern des „Zoller“ erwünscht sein.
Die Missionsgesellschaft der Weißen Väter wurde am 19. Oktober 1868 von dem Erzbischof von Algier und späteren Kardinal Lavigerie, gegründet. [...] Ihr erstes Arbeitsfeld fanden die weißen Väter inmitten der mohammedanischen Bevölkerung Nordafrikas, wo sie sich noch heute in Algerien, Tunesien, der Sahara und dem Sudan ausgedehnte Missionsgebiete verwalten. [...] Ein ungleich schöneres Arbeitsfeld erhielten die Weißen Väter, als ihnen Papst Leo XIII. Im Jahre 1878 die Missionierung Innerafrikas übertrug. [...] Die Weißen Väter haben daselbst 8 apostolische Vikariate, von denen 4 im deutschen Schutzgebiete liegen. [...]..
Seit dem Jahre 1894 besitzen die Weißen Väter auch in Deutschland Missionsanstalten zur Heranbildung von Missionaren; in Trier ist das Mutterhaus der deutschen Provinz mit dem Priesterseminar; in Haigerloch (Hohenzollern) befindet sich eine Lehranstalt, wo jugendliche Knaben vom 12. Jahre ab unter der Leitung der Patres die ersten Studienjahre verbringen. Von Obertertia an werden sie den Missionsanstalten in Rietberg (Westfalen) und Altkirch (Oberelsaß) zugeteilt, wo sie an den staatlichen Gymnasien ihre Studien fortsetzen. Eine gesonderte Bildungsanstalt für Missionsbrüder, die als Handwerker und Gehilfen der Priester in Innerafrika tätig sein wollen, befindet sich in Mariental (Luxemburg).

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Außerdem besitzt die Genossenschaft auch entsprechende Lehranstalten in Holland und der Schweiz, in Frankreich, Belgien, England und Amerika. Heute beträgt die Zahl der Priester und Brüder in der Genossenschaft der Weißen Väter (ohne Novizen, Scholastiker und Missions- schüler) mehr als 960. In ungetrübter Freude kann die Missionsgenossenschaft ihr goldenes Jubiläum nicht feiern, denn die düsteren Schatten des Krieges haben das schöne Missionsbild allzu sehr umdunkelt. Während in den zentralafrikanischen Missionslanden selber manches schöne Werk in Trümmer gesunken ist, manches Begonnene unvollendet liegen bleibt, sind die Missionare und ihre Anstalten in der Heimat selber durch den Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen. 170 Mitglieder unserer deutschen Provinz stehen unter den Waffen, wohl hat eine schöne Anzahl derselben ehrende Auszeichnungen sich erworben, aber groß ist auch die Zahl der Gefallenen und Verwundeten, die für immer dem Missionsberuf entzogen werden. [...]

Quellen:
Textzusammenstellung: Dr. Wolfgang Völker, Lengerich/Westf.
Textauszüge: Zoller Nr. 237, Zeitung vom 14.10.1918
Abbildung: Afrika-Bote, Band 25, Okt. 1918 – Sept. 1919, Seite 75
P. H. Baurmann