Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Aus der Chronik der Weißen Väter 1907

Supplément RA No. 11_1915-1916
Apostolisches Vikariat von Kivu (1913-1914)
wenige Wochen vor Kriegsausbruch

Vorwort:
In den RA No 9/1913-1914, Jahrgang 1914, wird für das « Vicariat apostolique du Kivu » nur « Néant » (nichts) verzeichnet. In der Liste am Ende des Buchbands unter der Überschrift « Départs pour les Missions en 1914 » wird unter « Pour le Kivu » nur kurz gemeldet, dass der Bruder Privat (Privatus, Jakob Brauchle, von Altkirch aus? sich am 11. Januar 1914 nach Afrika begeben habe.). Hier der verspätete Bericht mit den Namen (Fettdruck) von Missionaren, die mit dem Missionshaus Haigerloch in Beziehung stehen:
Die Berichte des apostolischen Vikariats von Kivu für 1913-1914 fehlen völlig. Ohne es zu ersetzen ermöglichen die folgenden Anmerkungen (der Redaktion), einige der in nachfolgenden Berichten enthaltenen Informationen auf die der Vorjahre zu beziehen. I. Mitarbeiter. Am 1. Juli 1913 waren gerade die Patres Doumeizel (Muyaga), Vitoux (Buhuro) und der Laienbruder Adelphe (Issawi) im Vikariat eingetroffen. Um Allerheiligen (1. November 1913) kam Pater Hinkelbein (Nyundo) an, begleitet von einer Gruppe von Schwestern.
Im ersten Halbjahr 1914 wurde das Personal um fünf Missionare weiter aufgestockt: Pater Giai-Via und die Brüder Celsus, Privat, Tite Maurice. Aber es sollte hinzugefügt werden, dass die Väter Pouget und Dufays zum Mutterhaus gegangen waren, wo sie an den großen 30-Tage-Übungen teilnehmen sollten. II. Seminare. Während des Geschäftsjahres 1912-1913 eröffnete das neue Vikariat von Kivu sein Kleines-Seminar in Nyaruhengeri (Ruhengeri). Die 17-köpfigen Schüler wurden unter die Leitung von Pater Knoll gestellt, dessen Hilfsperson ein kleiner Seminarist in seiner Probezeit war. Die Schüler, die bereits ihr Studium in Rubya begonnen hatten, blieben vorübergehend dort. In Nyaruhengeri wurden nur neue Bewerber aufgenommen.
Monsignore, der Apostolische Vikar (Hirth), beabsichtigte auch, das Abschlussseminar in Kabgaye einzurichten.
Die im Laufe des Jahres ergriffenen Maßnahmen ermöglichten es, den geplanten Umzug von Seminaristen im Oktober 1913 durchzuführen und die neue Einrichtung in ein fast vollständiges Seminar umzugestalten. Tatsächlich brachte Pater Cunrath, der die Führung übernehmen sollte, 18 Studenten aus Rubya mit, und Pater Knoll kam mit 15 weieren an. 40 neue Bewerber erhöhten die Zahl der Junior-Seminaristen auf 73. Außerdem waren 3 Minderjährige auf Bewährung und 4 Theologen aus Rubya sowie Pater Knolls Assistent dort. Zu Beginn des Schuljahres 1914 kamen auch die Schüler aus Urundi, die zuvor in St. Charles in Ushirombo gewesen waren, nach Kabgaye. Die im Laufe des Jahres ergriffenen Maßnahmen ermöglichten es, den geplanten Transfer im Oktober 1913 durchzuführen und die neue Einrichtung in ein fast vollständiges Seminar umzuwandeln. Tatsächlich brachte Pater Cunrath, der die Führung übernehmen sollte, 18 Studenten aus Rubya mit, und Pater Knoll kam mit 15 eigenen an. 40 Rekruten erhöhten die Zahl der Junior-Seminaristen auf 73. Außerdem waren 3 Minderjährige auf Bewährung und 4 Theologen aus Rubya sowie Pater Knolls Assistent. Zu Beginn des Schuljahres 1914 gingen auch die Schüler aus Urundi, die zuvor in St. Charles in Ushirombo gewesen waren, nach Kabgaye. Der Krieg hat zweifellos den Fortschritt der Seminare beeinträchtigt. Das Personal wurde geändert. Anfang 1917 fanden ihn jedoch die aus Europa zurückkehrenden Patres Pouget und Dufays in vollem Gange. Die Väter C. Smor und Giai-Via leiteten das Hauptseminar, die Väter Bricquet und Déprimoz das kleine. III. Mission. Im November 1913 beschloss Monsignore Hirth, eine neue Station im Bushiru (mit Hilfe von Br. Privatus) zu errichten, um den dringenden Forderungen der Vertreter der Regierung (zwecks Befriedung) der Kolonie nachzugeben. Bushiru ist ein bergiges, sehr raues Gebiet (im Norden Ruandas), dessen Beschreibung daran erinnert, was Reisende auch über die Schluchten und Hochebenen von Abessinien sagen. Zwischen (den Stämmen) der Baléra und der Bagoyes gelegen, geben die dortigen (aufsässigen) Einwohner von Bushiru (der deutschen Residentur) wegen der Strenge ihrer (Kampf-) Moral und wegen ihres Unabhängigkeitsgeistes (ihren Widerstand) nicht auf. Sie kennen die Missionare jedoch bereits und zeigen sich offen, diese willkommen zu heißen. Deshalb appelliert die Regierung (unter dem Residenten Richard Kandt) an Monsignore Hirth, (die aufsässige Bevölkerung zu missionieren). um sie ohne Blutvergießen ihrer (deutschen) Autorität zu unterwerfen. Es ist eine geschlossene Bevölkerung, die auf 70 bis 80.000 Seelen geschätzt wird.
N. B. Die Kivu-Statistiken für 1913-1914 wurden statt in Band 9 der Jahresberichte hier (als Anhang in Band 11 der RA) eingefügt.

Quellen:
Band No. 11, Rapports Annuels, 1915-1916, Seiten 65*-66* im Anhang, Missionnaires d‘Afrique (Maison-Carrée, Algier, 1916)

Übersetzung: Dr. Wolfgang Völker, Lengerich/Westf.
Abbildungen: Arch. WV Köln, Afrika-Bote Duwendag, H.-U, W. Völker: Ruanda und die Deutschen – Missionare als Zeitzeugen der Kolonialgeschichte. Lit-Verlag, 2017
Völker, W., H.-U. Duwendag: Von Missionaren, Herrschern und Forschern. Cuvillier, 2018

Anmerkung:
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs brechen für die Afrikamissionare sehr schwere Zeiten an. Die deutschen Missionare geraten zwischen die Fronten im Kolonialkrieg oder sterben für „Gott und Kaiser“ im Osten und Westen (Altkirch lag an der Westfront. Das Missionshaus diente als Ruheraum für Soldaten.), andere kämpften und starben an vorderster Front in blutigen Schlachten, und wieder andere spendeten Trost als Militärgeistliche. Zu letzteren gehörten die Patres Brindl und Liebst aus Haigerloch.
Beschreibung
Bruder Privatus (Jakob Brauchle, links im Bild) vor seiner Abreise in Altkirch (?) im Januar 1914 nach Afrika.
Beschreibung
Die „zweite“ Kirche von Kabgaye, um 1912. (Afrika-Bote 36/1930)