Die Klepfer

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Aus der Chronik der Weißen Väter 1926 - 27

Haigerloch 1926 - 1927

Handschriftlicher Bericht vom 30.6.1927 in deutscher Sprache für die Chroniken
Jahresbericht des Missionshauses Haigerloch 1926/27

Personal:
Im Personalstand trat im Laufe des Jahres starke Veränderung ein. An Stelle des zum Provinzial ernannten Superior P. Steinhage kommt der bisherige Superior des Missionshauses Trier P. Liebst. Nach Ostern verläßt uns P. Peffermann, der zum Superior von Linz (a. Rhein) ernannt worden war. Er hat seit 1920 mit jugendlicher Frische und großer Opferwilligkeit gearbeitet im Unterricht, besonders auch als Beichtvater der Geistlichen und in der Seelsorge. Um dieselbe Zeit wurde unser bisheriger Ökonom P. Schell nach Marienthal ernannt; er hat auch seit 1920 zum Personal des Hauses gehört und durch seine opferwillige Sorge um unser aller leibliches Wohl und seine vielen Aushilfen in den Pfarreien sich um das Haus verdient gemacht. Einige Tage später verließ uns P. Trescher, um an der Universität Bonn philosophische Studien zu machen; er war erst im Laufe des Jahres an Stelle des Novizen (im Probejahr) P. Koller, der wegen schwächlicher Gesundheit unsere Gesellschaft wieder verließ, hierher ernannt worden und hatte eifrig im Unterricht und in der Aushilfe mitgearbeitet.
Schüler:
Die Anzahl der Schüler stieg Ostern auf 120; das Haus ist bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Mehr als ein Dutzend mussten wir wegen Platzmangel abweisen; am Schluß des Schuljahres (vor Ostern) mussten wir 5 entlassen, die uns für die Missionsarbeit untauglich erschienen. Der Gesundheitszustand der Schüler war im Laufe des Jahres gut. Die Grippe, die vergangenen Winter viele Familien auch hier in Haigerloch heimgesucht, hat uns fast vollständig verschont.
Einrichtung des Hauses:
Einen seit langen Jahren gehegten Wunsch konnten wir in den letzten Monaten verwirklichen, nämlich die Erweiterung unserer Empore. Patres und Brüder hielten dort regelmäßig die Betrachtung; wenn auch nur zwei Mitbrüder zu Besuch hier waren und alle Mitglieder des Hauses anwesend, fanden nicht alle Platz. Durch Verschiebung der Rückwand um 2 m und Verkleinerung der anstoßenden Zimmer ist genügend Raum gewonnen worden. Hoffentlich gelingt es uns auch bald, unsere Kapelle neu herzurichten; durch das Abfallen der früheren Malerei (1912 gemacht) ist sie tatsächlich in einem unwürdigen Zustand und taugt nicht dazu, die künftigen Diener des Heiligtums zur Liebe, zur Schönheit des Hauses Gottes zu erziehen. Dringend Not tut auch im Interesse der Gesundheit unserer Schüler die Neuanlage unserer Badeeinrichtung; es sind nur zwei Badezellen vorhanden für 120 Schüler. Propaganda:
Die Pater des Hauses haben sich eifrig an den Aushilfen in den Pfarreien beteiligt, um so das Wohlwollen der Geistlichen zu erhalten, Berufe uns zuzuführen, Möglichkeit zu schaffen, dort Missionstage zu halten. Da (Obwohl) die Geistlichen von den Ordinariaten Anweisung haben, die verfügbaren Gelder möglichst den Bedürfnissen der Diözese zuzuführen, da die Bedürfnisse für die eigenen Pfarreien nach dem Verlust des Kirchenvermögens durch die Inflation oft recht groß sind, (und) ferner die Konkurrenz von anderen Missionsorden groß ist, hat er keine Schwierigkeiten, Gelegenheit zur Abhaltung von Missionstagen zu bekommen. Unser Prokurator, P. Feyer, hat im Laufe des Jahres ein Reihe Propagandareisen unternommen ins Allgäu, in die Anlauer Gegend, Würzburger Gegend, auf den Hauberg, nach Baden, um durch Besuch und geistliche Rücksprache mit den Herren Pfarrern eine Reihe Missionstage festzulegen.
Beschreibung
Der Generalobere Pater Voillard (x) inmitten der Schüler des Missionshauses Haigerloch im Oktober/November 1926, zu seiner Rechten der damalige Provinzial der deutschen Provinz der Weißen Väter, Pater Steinhage, und zur Linken der Superior des Missionshauses, Pater Liebst.
Wie in den letzten Jahren wurden die Lebensmittelsammlungen im Herbst und Frühjahr (Eier) abgehalten, in ungefähr 45 Pfarreien Hohenzollerns und Württembergs. Unser P. Ökonom und die Brüder Venantius und Petrus haben dabei mit großer Opferwilligkeit mitgearbeitet, trotz der (Gäste?) aus Karlsruhe, die hier während 4 Wochen in der frischen Haigerlocher Luft sich erholen sollen.
Oktober 30. (1926):
Heute Abend trifft zu unser aller Freude unser verehrter P. Generaloberer (P. Paul Voillard, Nachfolger von P. Livinhac) in Begleitung unseres P. Provinzials (P. Georg Steinhage) hier ein, mit freudigen Zurufen von unseren Schülern an der Pforte begrüßt. Wegen der für Allerheiligen notwendigen Aushilfen sind nur drei Patres anwesend. Besondere Freude macht ihm während seines Aufenthalts der Besuch unserer Schüler bei ihm, die recht zahlreich kommen, ausgerüstet mit Wörterbüchern, manche zu mehreren zusammen, um sich gegenseitig zu helfen bei der Verständigung. Bei der musikalischen Sitzung, die wir ihm zu Ehren halten, drückt er in seiner Ansprache seine Freude aus über die frohe, offene Art (?) der Schüler aus und ermuntert sie, diesen Geist hochzuhalten, (und) mit Eifer ihrem Ziele entgegenzustreben, (auf) daß sie nach 15 Jahren, wenn wieder einmal ein Generaloberer zu Besuch käme, als Pater hier oder in den Missionen tätig sein würden. Am 3. November verläßt uns unser hoher Gast wieder. Wir danken Gott für diese Tage des Segens und der Gnade, die das Bleiben des Generalobern unter uns für alle gebracht hat.
März 15. (1927):
Heute Nachmittag verkündet uns das Trauergeläut in der Stadt, daß Herr Dekan Schmid gestorben ist. R. i. p.. Eine Wirksamkeit von mehr als 25 Jahren war ihm hier beschieden gewesen. Auch um unser Haus hat er sich unstreitig große Verdienste erworben, besonders bei seiner Gründung, was auch H. H. P. Generaloberer bei seinem letzten Besuch noch besonders hervorhob. Sein Wohlwollen hat er während seiner ganzen Amtstätigkeit dem Hause gegenüber bewahrt, was er auch bei einzelnen Gelegenheiten nach außen hervortat. Pater Superior legte im Namen des Hauses bei der Beerdigungsfeierlichkeit einen Kranz am Grabe nieder und würdigte in seinen Begleitworten die Verdienste des Verstorbenen um unser Haus. Möge seine Seele ruhen in ewigem Frieden!
Juni 10:
Heute fand der feierliche Einzug unseres neuen Herrn Stadtpfarrers Dieringer statt. Pater Superior und Pater Haefele und eine Abordnung von etwa 30 Schülern vertraten dabei das Haus. In seiner bisherigen Pfarrei Stetten u. H. (Stetten unter Holstein) hat er sich wiederholt als (ein) warmer Freund der Missionen gezeigt und bestätigt. Möge das ein gutes Vorzeichen eines segensvollen Zusammenwirkens hier in Haigerloch sein.
Juni 14:
Ein Vertreter unseres Hauses nimmt an den Inthronisations- feierlichkeiten zu Ehren des neuen Bischofs von Rottenburg (-Stuttgart), J. B. Sproll („Bekennerbischof“), teil. Als Weihbischof hat er uns wiederholt sein Wohlwollen für unser Werk gezeigt und öfter unser Haus mit seinem Besuche beehrt. Wir wünschen ihm Gottes rechten Segen für sein hohes Amt.
Haigerloch, den 30.6.27, P. Liebst, Superior

Quellen:
Handschriftlicher erstmals (?) deutschsprachiger Bericht des Missionshauses Haigerloch vom 30.6.1927 für die Rapports Annuels.
https://www.katholisch.de/artikel/18482-joannes-baptista-sproll-der-bekennerbischof
Literatur:
Geburtsstunden – 150 Jahre Weiße Väter, parzellers-Buchverlag, 2017.
Transkription und Textgestaltung: Dr. Wolfgang Völker / Lengerich Abbildungen:
Afrika-Bote Vol. 35, Seiten 172 (Bildausschnitt) – 173, Archiv W.V. Köln
Beschreibung