Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Aus der Chronik der Weißen Väter 1907

aus dem Afrika-Bote Vol. 21, Jahrg., Okt. 1914 – Sept. 1915 und Vol. 36,
Jahrg. 1930 und ein Nachtrag von Bruder Josef Eberle / Hechingen

Haigerloch 1929 Einweihung einer Kriegergedenktafel

„Das Jubeljahr unseres Hauses konnte man nicht vorübergehen lassen, ohne auch derer zu gedenken, die einst mit uns hier lebten und arbeiteten, beteten und opferten und die der unerbittliche Weltkrieg aus unserer Mitte riss. Am 28 November (1929) hielten wir ein feierliches Seelenamt für alle unsere gefallenen Krieger, Brüder wie Schüler. Danach versammelten sich alle Bewohner des Hauses vor der neu angebrachten Erinnerungstafel in der Nähe der Hauskapelle. Es ist eine schlichte Holztafel aus der Werkstätte von Mormon in Sigmaringen mit der kurzen Inschrift:
c38_1
Nachdem der Schülerchor das Lied „Morgenrot, Morgenrot“ vorgetragen hatte, hielt P. Superior ein kurze Ansprache. Anknüpfend an die Inschrift schilderte er die Gefallenen in ihrer vorbildlichen Pflichterfüllung, ihrem lebendigen Glauben und ihrem treuen Festhalten am Berufe. [...]
Ergriffen und doch voll stiller Freunde über die Heldengesinnung unserer Gefallenen, beteten wir nach der Einsegnung des Denkmals das Libera und ein Vater unser für unsere Toten. Das Lied „Ruhe sanft in Gottes Frieden“ bildete den Schluss der Feier. (Gedichtet und komponiert von Lehrer S., dem Krankenhaus zum Dank und hier zum ersten mal gesungen.)
Möge diese Feier auch den Angehörigen unserer lieben Toten ein Beweis sein, dass wir ihrer Teuren nicht vergessen. Vor der Erinnerungstafel hängt eine kleine Ampel. Am Todestage jedes Gefallenen brennt da ein Lichtlein und heischt von dem Vorübergehenden ein stilles Gebet für ihn und für allen, deren Namen da auf der Tafel stehen.“
Auf die Schicksale der Mitbrüder aus dem Missionshaus Haigerloch geht der „Afrika-Bote“ in seiner Kriegs-Ausgabe (Vol. 21, Okt. 1914 – Sept. 1915) genauer ein:

Seite 2:

„Das Studienhaus in Haigerloch, Hohenzollern, entsandte drei seiner Brüder zum Heere, Otto Nalbach (Schwarzenholz), Ubald Müller (Aach-Trier) und Theoderich Schroeder (Reisweiler, Saar). Im übrigen wurde es bei seiner Abgeschiedenheit von den Kriegswirren kaum berührt. Auf die ruhigen Ferienwochen folgte das geschäftige Treiben des begonnenen Schuljahres, das die Anstalt mit 97 Schülern belebte.“

Seite 111:
c10_1

„Die Zahl unserer Kriegsteilnehmer, die augenblicklich an der Front stehen, hat sich um 9 vermehrt. Es sind [...] aus der Studienanstalt Haigerloch die beiden Zöglinge Joseph Ludwig und Johann Welsch.“

Seite 183:

„Leider hat der Krieg drei weitere Opfer von uns gefordert. Es sind die Missionsbrüder Otto Nalbach aus Schwarzenholz (Saar), Ubald Müller aus Aach (Trier) und Theoderich Schröder aus Reisweiler (Saar).“

Seite 184:

„Br. Ubald wurde am zweiten Mobilmachungstag nach Konstanz einberufen, erwies sich aber nach den anstrengenden Märschen in den Vogesen einstweilen als felddienstunfähig und wurde nach Konstanz zurückbeordert. Am 20. August kam er zum Wachtkommando auf die Burg Hohenzollern, wo er bis zum 1. März verblieb. Von dieser Zeit an machte er den Stellungskrieg an der Westfront mit, bis er am 9. Mai bei einem Sturmangriff auf einen feindlichen Schützengraben durch Kopfschuss den Tod fand.“

Seite 185:

„Br. Theoderich rückte anfangs August in die Kaserne. Nach der Ausbildung kam er an die Westfront in Feuerstellung und überstand die Mühsale und Beschwerden der Schützengräben während der nassen und kalten Wintermonate in guter Gesundheit. [...] Am 7. April fand er in der Nähe von Fey en Haye den Tod.“
c38_3
Textauszüge und Abbildungen aus dem Afrika-Bote Band 21 und 36.
Textgestaltung: Dr. Wolfgang Völker /Lengerich/Westf.

Nachtrag:
„Lieber Herr ... Völker,
Betr. Kriegergedenktafel: ich wurde fündig! P. Artur Hand, der sich hier in unserer Gemeinschaft befindet, früher jedoch einige Jahre in Haigerloch wohnte, hat vor dem Umzug nach Hechingen eine Reihe Fotos, vor allem Innenaufnahmen, des Hauses gemacht, darunter auch die Gedenktafel des 1. Weltkriegs an der Kapellenwand. Auf dieser Tafel sind allerdings nur die gefallenen Mitbrüder erwähnt, die vor dem Kriegsdienst der Gemeinschaft in Haigerloch angehörten. Auf den Tafeln rechts und links befinden sich die Namen der Gefallenen und Vermissten des 2. Weltkriegs, die aus der Haigerlocher Gemeinschaft stammten. Die im AB erwähnte Holztafel dürfte wohl zur Zeit der Beschlagnahme des Hauses um 1940 entfernt worden sein und ist nicht mehr aufzufinden.“

c38_4
Die Kriegergedenktafel im Missionshaus Haigerloch, nicht mehr wie ursprünglich aus Holz, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu erstellt und mit den Namen weiterer Gefallener ergänzt. (Foto: Pater Artur Hand)
Dank an Pater Artur Hand und Bruder Joe Eberle aus Hechingen!