Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Aus der Chronik der Weißen Väter 1931- 32

Jahresbericht des Missionshauses HAIGERLOCH 1931 – 1932


(Archiv Weiße Väter, Köln)

(Nach Vorlage eines maschinengeschriebenen Manuskripts mit handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen.)
Das Haigerlocher Missionshaus, auf hoher Warte stehend, hat auch im verflossenen Jahre (danach) gesucht, nach Möglichkeit seiner Pflicht gerecht zu werden.
Im Innern pflegten unsere jungen Leute Frömmigkeit und Wissenschaft in regem Wetteifer, und haben in beiden Erfolge gehabt, die einen mehr, die andren weniger. An der geistigen Einstellung der heutigen Jugend haben auch die unsrigen ihren guten Anteil; sie tragen an sich die guten Eigenschaften, wie die Schwächen. Den Erziehern (er)wächst daraus manchmal eine weise Aufgabe, die zu meistern ist mit allen Mitteln der Liebe und Milde, ohne Ausschaltung der notwendigen Strenge.
Neben dem eigentlichen Schulbetrieb wird unseren Schülern noch Manches an Interessantem und Belehrendem zur Erweiterung ihrer Kenntnisse geboten in Lichtbildervorträgen und Filmen oder sonstigen Konferenzen; wir stehen also auf der Höhe der Zeit.
Im übrigen findet die neue Unterrichtsmethode, die in den neueren Richtlinien niedergelegt ist, bei den Lehrern sorgsame Pflege.
Als angenehme Abwechslung, wenn sie auch mit Anstrengung verbunden ist, empfinden es die Patres, in den näheren und fernem Gemeinden an den Samstagen und Sonntagen Aushülfe zu leisten im Beichtstuhl und auf der Kanzel; übrigens eine gute Vorbereitung auf ihr zukünftiges Apostolat in Afrika. Solche Aushülfen geben auch zuweilen Gelegenheit, Missionsfeste zu halten, den Missionsgedanken wachzuhalten und zu vertiefen und die Gesellschaft der Weißen Väter immer mehr bekannt zu machen; zu gleicher Zeit bringen die Patres manche Münze Missionsalmosen mit nach Hause und leisten auf diese Weise für den Ausgleich der häuslichen Finanzen wertvolle Dienste.
Als besondere Veranstaltung, die nicht jedes Jahr stattfindet, kann das Haus die wohlgelungene Missionsausstellung buchen. Die Marianische Jungfrauen- kongregation war erfinderisch und opfervoll genug, trotz der schlechten Zeiten, der Teuerung und Not, Geld, Stoffe und anderes Material zusammenzuschaffen zur Herstellung kirchlicher Paramente, Kirchenwäsche, Negerkleidchen, Rosenkränze und so weiter. Es muss ihnen gelassen werden, sie haben in jeder Hinsicht einen durchschlagenden Erfolg errungen. Möge Gott es ihrer Hochherzigkeit und ihrem Opfergeist tausendfach vergelten.
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Innigen Anteil nahm das Missionshaus am Ableben des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs von Freiburg, Dr. Karl Fritz. Schon vor zwei Jahren ward er durch eine schwere Krankheit heimgesucht, von der er sich wieder erholte. Er konnte seine Arbeiten wieder aufnehmen, aber am 8. Dezember 1931 traf ihn plötzlich des Morgens ein Herzschlag, dem zufolge er nach wenigen Stunden verschied. Sein Leben fand abends um 4 Uhr ein Ziel. Der verstorbene Prälat war unserem Hause sehr zugetan und ihm recht wohlgesinnt.
R.I.P.
Am 26. Mai dieses Jahres (1932) erhielt die Erzdiözese einen neuen Oberhirten in der Person seiner Exzellenz Dr. Gröber, Bischof von Meissen. Dieser war im Februar des Jahres 1931 in Freiburg zum Bischof von Meissen ernannt und konsekriert worden. Wider Erwarten kehrt er fast in seine Heimatdiözese zurück, der er nun als Erzbischof vorsteht. Wir wünschen ihm alles Gute, Glück und vor allem reich gesegnete Wirksamkeit: Quod felix faustum fortunatumque sit.
An Ostern trat Wechsel in der Steuerung des Schiffes ein. P. Liebst am Ende seiner sechsjährigen Amtszeit nahm seinen Weg ins Seminar nach Trier, wo er schon früher einmal gewirkt hatte. .Gottes Segen und Gnade sei mit seinen Arbeiten und Mühen, dass viele gute Priester zum Altare führen möge. An seine Stelle in Haigerloch als Superior tritt Hochw. Herr P. Martin Schell aus Rietberg. Er ist kein Unbekannter in Haigerloch, war er doch schon früher im Hause als Lehrer tätig, besonders kein Unbekannter in Hohenzollern, seiner Heimat. Das ganze Haus heißt ihn herzlich willkommen.
Am 21. Mai erhalten wir die Nachricht vom Tode des lieben Bruder Titus (bürgerlicher Name: Fridolin Stehle), dessen Heimat Trillfingen hier in der Nähe ist. Am Requiem, das dort für ihn gehalten wird, nimmt P. Superior mit einigen Schülern, die den Gesang übernommen haben, teil. Ein zweites Requiem für Bruder Titus fand im Missionshause selber statt, am 28. Juni unter Anteilnahme der Angehörigen des Verstorbenen.
Gegen Ende des Monats trifft auch P. Feger bei uns ein, um sich vor seiner Rückreise nach Afrika noch etwas zu erholen. Er gibt interessante Einzelheiten über seine Mission, die er aus eigener Anschauung kennt, hält Vorträge vor Patres und Schülern, sowie in Kirchen und öffentlichen Versammlungen. Da er nun einmal Afrika kennt, brennt er vor Begierde, nach seiner Mission zurückzukehren.
Am Schlusse des Berichtsjahres, am 29. Juni (1932), feiern wir in einfacher, aber würdiger Weise das silberne Priesterjubiläum des P. Häfele.
Der Gesundheitszustand der Insassen des Hauses war im allgemeinen befriedigend. Nur im Monat Mai trat unter den Schülern eine kleine Grippe auf, die aber, ohne Schaden anzurichten, glücklich überwunden wurde.
An Schülern sind seit Ostern hier 115, dazu 9 Postulanten. So hat sich das Werk in Haigerloch mit Gottes Beistand gut weiter entwickelt. Möge seine gütige Vorsehung auch in Zukunft die Arbeiten des Hauses segnen und mit Erfolg krönen.

Personal am 1. Juli:
P. Schell, Sup., PP.: Häfele, Kraus, Morgenstern, Candels, Kropp, Bumiller, Straub, Beiter. Brüder: Quiriakus, Ernst, Africanus, Egbert, Godrich, Ildefon, Kantor und Solanus

Textgestaltung:
Dr. Wolfgang Völker, Lengerich/Westf.
Nachtrag, mit Dank an Pater Albert Schrenk,
betr. Todeszeitpunkt von Bruder Titus (Fridolin Stehle): † 21. Mai 1932. Dieser Eintrag fehlte im Manuskript des o.g. Jahresberichts.

Der Superior des Missionshauses P. M. Schell
Haigerloch, den 1. Juli 1932