Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Aus der Chronik der Weißen Väter 1937 - 38

Jahresbericht 1937/38 des Missionshauses zu Haigerloch.


Personalstand des Hauses am 1.Juli 1937:
P. M. Schell, Superior; P. Fr. Wilh. Huber; P. Peter Weber; P. Joh. G. Baudoux; P. Alb. Straub; P. Ant. Beiter; P. Matth. Koenen; P. G. Eisele; P. Fr. Lambert; P. Wilh. Fischer; P. Aug. Schmid und als Gast P. Jos. Hinkelbein; also 12 Patres.
Dazu 10 Brüder: Br. Engelmar; Br. Ansbald; Br. Adjutus; Br. Egbert; Br. Eberhard; Br. Hatto; Br. Beda, Br. Suso; Br. Bonifaz, Br. Ingobert.
Ferner 73 Zöglinge, davon auf der 1. und 2. Klasse - 28; 3. Klasse - 21; 4. Klasse - 15; 5. Klasse - 9.
Endlich noch 2 Knechte.
Im ganzen zählte unsere Klostergemeinde 97 Insassen.

Im allgemeinen können wir sagen, wir haben den Segen Gottes gehabt; wir konnten den Schulbetrieb im vollem Umfang aufrecht erhalten. Auch die Schülerzahl ist dieses Jahr nicht zurückgegangen, sondern um einige gestiegen. Finanziell haben wir uns über Wasser gehalten; die Vorsehung schickte uns immer wieder Wohltäter zu, wodurch manche kleine Pension etwas ausgeglichen wurde. Der Gesundheitszustand des Hauses im Laufe des Jahres darf als gut bezeichnet werden; dennoch hat es an einzelnen Kranken nicht gefehlt. Br. Eberhard musste gleich Anfang Juli in Horb am Blinddarm operiert werden; kam aber nach 12 Tagen geheilt zurück.
Ein Schüler der 5. Klasse wurde in den Sommerferien ernstlich krank infolge einer Zahnvereiterung, konnte deswegen erst verspätet aus den Ferien zurückkehren; er wurde aber wieder vollständig gesund. P. Beiter stürzte mit dem Motorrad, aber ohne seine Schuld. Er musste längere Wochen das Krankenhaus in Horb aufsuchen.und in ärztlicher Behandlung bleiben. Er bekam alle Auslagen ersetzt. Nach den Osterferien griff eine leichte Grippe- Epidemie unter den Schülern ein, sodass einige Tage 10 - 20 Schüler lagen. Sonst kam kein ernstlicher Krankheitsfall vor.
Unser Haus in Haigerloch wurde sogar noch von kranken und erholungsbedürftigen Mitbrüdern zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit aufgesucht. So war P. Hunkenschröder mehrere Wochen hier, und Fr. Ludwig sogar ein ganzes halbes Jahr. So ist die schöne Lage von Haigerloch und die gesunde Luft der Höhenlage dieses Missionshauses Schülern und Mitbrüdern zur Förderung der Gesundheit wohl bekommen. Die Mitbrüder konnten sich mit ganzer Kraft der schönen Arbeit widmen, junge Missionsberufe weiter zu bilden oder die Grundlage dazu legen. Acht Schüler konnten wir zur Weiterausbildung nach Großkrotzenburg schicken.
Die Patres widmeten sich nicht bloß der wissenschaftlichen und beruflichen Ausbildung der ihnen anvertrauten Missionsjugend, sondern haben noch durch 65 Missionsfeste und 275 Aushilfen dem Werke Mittel und Berufe, Wohltäter und Wohlwollen in Württemberg, Baden und Hohenzollern gewonnen und den Seelsorgepriestern der Heimat hilfreich und opferwillig unter die Arme gegriffen. So hat P. Straub seit Mitte Januar bis Ende des Berichtsjahres die Pfarrei Heiligenzimmern seelsorglich betreut; die Kinder zur Erstbeichte und Erstkommunion und Hl. Firmung vorbereitet. Bittelbronn wurde ebenfalls von uns 6 Wochen betreut. Besondere Beachtung und Anerkennung verdient die opferfreudige Propagandatätigkeit der P.P. Huber und Beiter, die unermüdlich durch Reisen mit der Bahn und dem Motorrad, durch Besuche bei Geistlichen und Privatpersonen, durch Predigten, Film- und Lichtbildervorträge neue Gönner und Berufe für das Missionswerk gewannen. Die übrigen Patres opferten die schulfreien Sonn- und Feiertage, um durch Beichtaushilfen und Predigten in der Seelsorge mitzuhelfen und Klerus und Volk der Umgebung für uns zu gewinnen. Dass uns dies gelungen ist, durften wir oft handgreiflich erfahren. Um nur eines herauszugreifen: An unserer diesjährigen Versammlung der Geistlichen im Missionshaus haben 35 Hochwürdige Herren teilgenommen.
Fünf Missionsfeste haben wir auch für das Päpstliche Werk der Glaubens- verbreitung in Aachen übernommen.
Im Laufe des Jahres sind uns immer wieder Arbeitskräfte entzogen worden durch Einziehung von Brüdern zum Arbeits- oder Wehrdienst. So Br. Adjutus für 8 Wochen zum Wehrdienst, Br. Lothar und Br. Egbert zum Militär für 2 Jahre, und zuletzt Br. Bonifaz zum Arbeitsdienst für 6 Monate. Br. Eberhard wurde wegen seiner überstandenen Blinddarm-Operation von einer schon begonnenen Wehrdienstübung wieder frei. Die Schüler und Patres konnten sich von der schweren Arbeit immer wieder etwas erholen und neue Kräfte sammeln durch die Ferien. Dreimal fuhren die Schüler in die Ferien in die Heimat: Sommer, Weihnachten, Ostern. In den Pfingstferien machten sie ihre dreitägigen Exerzitien, die dieses Jahr H. P. Föhringer für die Schüler gehalten hat. Die Patres und Prüder hielten ihre Jahresexerzitien gleich zu Beginn der Sommerferien vom 26. Juli bis 3. August. P. Baudoux unterzog sich der großen Mühe und hielt den Brüdern alle 32 Vorträge und Konferenzen. Die Gnadentage schlossen mit der Eidablegung der Brüder Engelmar und Hatto. 20 Schüler kamen eigens, um dieser Feier beizuwohnen.
Br. Adjutus erneuerte seinen Eid am 27. Februar, und Br. Eberhard am 4.Juni, nachdem sie die jeweilige Probezeit und Vorbereitung hinter sich hatten, die nach der militärischen Übung von der Regel vorgeschrieben ist.
Zweimal erfreute uns P. Provinzial Steinhage durch seinen Besuch, indem er den Mitbrüdern einzelne Konferenzen hielt und ihnen auch Gelegenheit gab, sich bei ihm auszusprechen; so am 7. Juli 1937 und dann am 23. Januar zur eigentlichen Visitation des Hauses. Beide Male konnte er sich nur wenige Tage aufhalten; aber beide Male war er sichtlich befriedigt von der inneren und äußeren Lage des Hauses. Ein drittes Mal besuchte er uns bei Gelegenheit der Abreise der Missionare.
Sämtliche Patres und Brüder, 10 an der Zahl, und 5 Weiße Schwestern, versammelten sich hier. Die Patres wohnten im Hause, die Schwestern wurden in der St. Anna- Kaplanei und bei Familien untergebracht. Am Morgen des 17. August fuhren alle die Mitbrüder, begleitet von P. Provinzial, und die Schwestern unter der Begleitung der Mutter Magdalena von Trier nach Genua ab. Viele Bewohner von Haigerloch fanden sich am Bahnhof ein; denn den Abzug einer Missionskarawane hatte Haigerloch noch nie gesehen. Manchen kamen die Tränen, und die Bewunderung der frohen Stimmung der Missionare war bei der Menge groß. Der Eindruck bei allen war tief. Es war nur schade, dass der Aufenthalt in Haigerloch so kurz dauerte und man hier nicht auch eine größere Abschiedsfeier in der Schlosskirche halten konnte. Der Besuch derselben wäre sicher überaus gut gewesen.
Außer diesem seltenen Besuche hatten wir noch die Freude, auch Br. Christoph, der zum 2. Mal nach Afrika fuhr, einen Tag in unserer Mitte zu haben. Er hielt unseren Schülern noch einen schönen, lehrreichen Vortrag.
Besuche von Laien hatten wir im Laufe des Jahres reichlich. Auch größere Gruppen von Ausflüglern, K.d.F. (Anmerkung: nationalsozialistische Gemeinschaft „Kraft durch Freude“), und Schulen und Vereine kamen gemeinsam. So am 20. Juli 1937 der Besuch von 120 Frauen aus Burladingen, am 26. Juli 125 Frauen von Obernheim, am 14. November von 20 Damen aus Hechingen, u.a.m..
Die Schule wurde mehrere Male visitiert. Zuerst nach Beginn des neuen Schuljahres kam H. Kreisschulrat Bader von Hechingen, der hauptsächlich die neuen Patres, die in den hiesigen Schulbetrieb eingestellt worden waren, kennen lernen wollte; dann war eine größere Schulvisitation am 24. September 1937 durch Herrn Reg. Rat Misch von Sigmaringen. Er war zum 1. Male hier und interessierte sich lebhaft für den Gang unserer Schule und ihre Einrichtung. Bald darauf, am 2. Oktober erschien Reg. Rat Waldhausen von Sigmaringen zur Besichtigung der Schulsäle und Räumlichkeiten der Schüler. Zuletzt erschien am 24, Juni, in der Zeit der Beurlaubung des H. Kreisschulrates Bader, wieder Reg. Rat Misch. Alle diese Revisionen der Schule und des Hauses sind zur vollen Befriedigung der Behörde ausgefallen.
An besonderen Ereignissen sind noch zu erwähnen: die Feier des 4o-jährigen Priesterjubiläums des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs Dr. Gröber von Freiburg, in der Schlosskirche zu Haigerloch; der Papstsonntag, das Aloysiusfest, und der Bekenntnistag der kath. Jugend in der Schlosskirche. Alle diese Feiern waren eindrucksvoll. Zum guten Gelingen haben unsere Schüler durch ihren Gesang und ihr frisches Auftreten nicht wenig beigetragen.
So können wir auf ein gutes, arbeitsreiches und segensvolles Jahr zurückblicken.

Der Personalstand des Hauses am 30. Juni 1938 ist folgender: P. M. Schell, Superior, an Ostern für weitere 3 Jahre bestätigt.
P. Friedr. Wilh. Huber, P. P. Weber, P. R. Hinger, P. Baudoux, P. Straub, P. Hunkenschröder, P. Beiter, P. Eisele, P. Fischer, P. Schmid. Dazu P. Hinkelbein, der z. Z. beurlaubt ist als Schlossgeistlicher.
Br. Engelmar, Br. Nidgar, Br. Adjutus, Br. Hatto, Br. Eberhard, Br. Beda, Br. Ingobert, Br. Suso.
Dazu 75 Schüler: 24 auf der 1. Klasse, 21 auf der 3., 20 auf der 4., 10 auf der 5. Klasse.
Ferner 2 Knechte.

(gez.) P. M. Schell Superior

Formatierung und Textgestaltung: Dr. Wolfgang Völker, Lengerich/Westf.