Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Aus der Chronik der Weißen Väter 1938 - 39

Jahresbericht 1. Juli 1938 – 30. Juni 1939
Missionshaus Haigerloch


Personalstand am 1.Juli 1938: 11 Patres:
P. Superior Schell, P. Friedrich Huber, P. Peter Weber, P. Hinger, P. Baudoux, P. Straub, P. Hunkenschröder, P. Beiter, P. Georg Eisele, P. Fischer, P. Schmid.
8 Brüder:
Br. Engelmar, Br. Adjutus, Br. Hatto, Br. Eberhard, Br. Nidgar, Br. Beda, Br. Suso, Br. Ingobert.
75 Schüler:
1. u. 2. Klasse: 24 3. Klasse: 21
4. Klasse: 20
5. Klasse: 10.
2 Knechte
Zusammen: 96 Insassen.

Mit einem frohen "Deo Gratias" darf unser Haus auf das vergangene Berichtsjahr zurückschauen. Gott schenkte allen Bewohnern eine gute Gesundheit. Nur P. Straub und P. Eisele mussten das Krankenhaus auf suchen, ebenso zwei Schüler. Einen längeren Erholungsurlaub nahm P. Huber in Imnau, um seiner durch die aufreibende Propagandatätigkeit geschwächten Gesundheit wieder aufzuhelfen.
Mit der Arbeit, die Lehrer und Schüler in der Schule leisteten, waren die beiden Visitatoren sehr zufrieden. Die erste Visitation nahm Herr Regierungsrat Misch von Sigmaringen vor am 13. Oktober, die zweite Herr Schulrat Bader von Hechingen am 18.Oktober. Auch alle fälligen Nationalfeiertage wurden von der Schule gehalten. Außer diesen Tagen brachten auch die monatlichen Wandertage Abwechslung in das Leben der Schüler. Die Sommer-,Weihnachts- u. Osterferien verbrachten sie in der Heimat. Wegen des großen Mangels an Arbeitskräften wurde die Landhilfe unserer Schüler dankbar angenommen und anerkannt.
Aber auch das geistliche Leben unserer Schüler wurde nicht vernachlässigt. Die große Geisteserneuerung brachte das hl. Pfingstfest. Ihm gingen die dreitägigen Jahresexerzitien unserer Schüler voraus, gepredigt von P. Adolf Eisele in Gross- Krotzenburg. Für 15 Schüler fanden diese Exerzitien eine Krönung durch den Empfang der hl. Firmung am Pfingstmontag in Rottenburg durch den Hochwürdigsten Herrn Weihbischof Fischer. Beim vorhergehenden Firmtermin hier in Haigerloch durch den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof Dr. Gröber hatten wir nur einen Schüler. Eine Auffrischung der Firn- u. Exerzitiengnaden brachte der Bekenntnistag am Dreifaltigkeitsfest, an dem sich unsere Schüler unter Leitung von P. Eisele sehr aktiv beteiligten zur Freude aller jugendlichen Teilnehmer.
Eine Vertiefung des Berufsgedankens brachte die Nachprimiz der drei für Haigerloch bestimmten Neupriester. Auch die beiden Weltmissionssonntage, der eine im Haus, der andere in der Schlosskirche, diente zur Förderung des Missions- gedankens in unserer Jugend. Am Feste des hl. Apostels Mathias legte Br. Adjutus seinen Missionseid für drei Jahre ab unter großer innerer Anteilnahme der Schüler. Leider fiel die gleiche Feier für Br. Sophronius in die Zeit der Osterferien. Neue Missions- u. Berufsliebe weckte auch der Besuch einzelner ausreisender Missionare und Schwestern.
Die Patres selber und die Brüder erneuerten sich im Geist ihres Berufes in ihren Jahresexerzitien hier im Haus vom 26. Juli – 3. August.
Dass im ganzen Hause, bei Lehrern und Schülern, ein guter Geist herrschte, hat Herr P. Provinzial selbst bezeugt bei Gelegenheit seiner Visitation vom3. - 10. November.
Neben der Arbeit in der Schule leisteten die Patres sehr viel Aushilfe in der Seelsorge und übernahmen eine ganze Reihe von Missionsfesten, nicht nur für unser eigenes Werk, sondern auch im Auftrag von Aachen. Wie sehr die Geistlichen diese opferfreudige Bereitschaft unserer Patres schätzen, zeigte uns das Patronatsfest unseres Hauses, mit dem wir einen "Dies" (lat. Tag, eintägiges Treffen) für die geistlichen Herren der umliegenden Dekanate verbanden. Die Zahl der Teilnehmer - über 4o - und die herzlichen Worte, die ihre Vertreter gesprochen, bewiesen die innige Verbundenheit zwischen Pfarrern und Missionshaus.
Aber auch zwischen Bevölkerung und Missionshaus herrscht ein recht herzliches Verhältnis. Nicht weniger als sieben junge Mitbrüder konnten in allernächster Umgebung von Haigerloch ihre Heimatprimiz feiern unter größter innerer und äußerer Anteilnahme der ganzen Bevölkerung. Das gleiche Schauspiel boten die Abschiedsfeiern unserer ausreisenden Mitbrüder inmitten ihrer Heimatgemeinden. Aber auch über die Grenzen der näheren Umgebung hinaus drang die Kunde von unserem Missionshaus. Zählte doch unser Haus allein in den beiden Monaten Juli und August 150 Fremdenbesuche, außer den 700 Interessenten für unser Missions- museum. Zahlreiche Pilgergruppen und Vereine verbanden mit einer Wallfahrt zur hl. Mutter Anna auch einen Besuch im Missionshaus; so der Elisabethen-Verein von Reutlingen, der Frauenbund von Ludwigsburg, die Müttervereine von Villingen, Obertsrot und Ottenau u. a..
Auch liebe Mitbrüder haben uns aufgesucht, so P. Morgenstern, P. Hirt, P. Lange und Br. Johannes Baptist von Widnau. Desgleichen haben unsere Brüder, die im Arbeits- u. Heeresdienst stehen, jede Gelegenheit benützt, ihre alte Heimat und Familie aufzusuchen.
Drei unserer Mitbrüder: P. Weber, P. Hinger und P. Straub verloren ihre Mutter und P. Beiter seine Schwester. Wir alle teilten aufrichtig ihren Schmerz.
Wir sagen Gott Dank für Freud und Leid des verflossenen Jahres und bitten um seinen Segen für das kommende.

Personalstand am 30. Juni 1939: 13 Patres:
P. Superior Schell, P. Friedrich Huber, P. Peter Weber, P. Hinger, P. Baudoux, P. Straub, P. Stratmann, P. Georg Eisele, P. Fischer, P. Schmid, P. Höker, P. Diener, P. Staudt.
9 Brüder:
Br. Engelmar, Br. Sophronius, Br. Adjutus, Br. Eberhard, Br. Hatto, Br. Meinwerk, Br. Beda, Br. Suso, Br. Stephanus.
71 Schüler:
1. Klasse: 21 2. Klasse: 14 3. Klasse: 19 4. Klasse: 17
2 Knechte.
Zusammen: 95 Insassen.

Formatierung und Textgestaltung: Dr. Wolfgang Völker, Lengerich/Westf.